München - Uli Hoeneß' Handschrift beim FC Bayern ist wieder deutlich erkennbar. Der Präsident setzt nicht nur bei der Wahl des Sportdirektors auf Altbewährtes.

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Uli Hoeneß war rundum zufrieden. 

Mit der Verpflichtung von Hasan Salihamidzic als Sportdirektor legte der Präsident des FC Bayern am Montag einen Fall zu den Akten, den er sich schon bei seiner Rückkehr im November 2016 zur Herzensaufgabe gemacht hatte.

Er weigerte sich zwar, den Salihamidzic-Deal als seine eigene Idee zu verkaufen. 

Vielmehr sei Karl-Heinz Rummenigge, als Vorstandschef schließlich hauptverantwortlich für sportliche Belange beim Rekordmeister, auf den Gedanken gekommen, dem einstigen Publikumsliebling den seit dem Rücktritt von Matthias Sammer vakanten Posten anzuvertrauen.

Doch klar ist zweifellos: Durch "Brazzos" Comeback wird Hoeneß' Handschrift an der Säbener Straße wieder ersichtlich. SPORT1 dokumentiert, was sich seit seiner Rückkehr nach der Haft getan hat:

- Stärkung des Mia san Mia

Der FC Bayern stellt für Hoeneß mehr als nur eine Weltmarke dar. Er ist auch eine Familie. Ein Aspekt, der während seiner dreijährigen Abwesenheit immer mehr zur Nebensache geriet. 

Nicht grundlos gab er bei der Vorstellung von Salihamidzic mit Nachdruck zu verstehen: "Wir wollen wieder 'back to the roots', wollen das 'Mia-san-Mia'-Gefühl im Verein stärken. Und wer könnte das besser als Hasan?"

Salihamidzic ist bei weitem nicht der einzige Altstar, den Hoeneß zurückholte.

Willy Sagnol wurde Co-Trainer, obwohl Chefcoach Carlo Ancelotti nicht auf einem weiteren Assistenten bestand. Und mit Giovane Elber, Bixente Lizarazu und Miroslav Klose wurden in diesem Jahr drei weitere Identifikationsfiguren als Botschafter eingebunden.

Am meisten untermauerte er seine Philosophie wohl aber mit der Ernennung von Hermann Gerland zum Chef des neuen Nachwuchsleistungszentrums. Ein klares Zeichen, dass er Herz und die Seele mitregieren lassen will.

"Tiger" Gerland entstammt mit seinen 63 Jahren bekanntlich nicht der Generation der Laptop-Trainer.

Im Grunde macht Hoeneß das wahr, was er vor einem Jahr angekündigt hatte: "Ich denke, dass Karl-Heinz Rummenigge und ich Bayern noch stärker machen. Ich könnte mir vorstellen, dass Karl-Heinz mehr fürs Geld verantwortlich ist und ich fürs Herz."

- Rückkehr der "Abteilung Attacke"

Hoeneß wäre nicht Hoeneß, würde er ein Blatt vor den Mund nehmen.

Nachdem es zunächst den Anschein hatte, als wäre der 65-Jährige ruhiger geworden, stellt er sich mittlerweile gerne wieder vor Mikrofone.

Zuletzt gab er beinahe wöchentlich Interviews. Und in einigen wurde klar: Die "Abteilung Attacke" ist zurück. Auch in Form von Selbstkritik.

- Internationalisierung ja, aber nicht übertreiben

Hoeneß übte zum Beispiel scharfe Kritik an der Werbetour der Bayern nach Asien.

Die sportliche Belastung sei wegen der vielen PR-Termine zu hoch. Eine Meinung, die für viel Aufruhr sorgte.

Später revidierte er seine Aussagen: "Diese Reise war fantastisch. Die ist auch dringend notwendig. Aber wenn wir das nochmal machen - und wir werden das nochmal machen - sollte man darüber nachdenken, in diesen 12 Tagen vielleicht nur drei Spiele zu machen. Dann ist alles wunderbar."

Für Hoeneß steht fest: Der Klub sollte seine Internationalisierung nicht überspannen.

- Fokus auf die Jugendarbeit

Die Bayern konnten in den vergangenen Jahren kaum Erfolge im Jugendbereich landen. Eine Tatsache, die Hoeneß ungemein stört. Von adäquaten Nachfolgern von Thomas Müller, David Alaba und Co. fehlt jede Spur.

Abhilfe soll das am Dienstag offiziell eingeweihte Nachwuchsleistungszentrum schaffen. Ein Projekt, das Hoeneß tatkräftig vorantrieb. Dadurch habe man die Chance, sich Schritt für Schritt "im Nachwuchsbereich zu verbessern", sagte er: "Dort waren wir nämlich jahrelang schwach."

- Vernünftige Transfers statt Wahnsinn

Eine gute Jugendarbeit ist angesichts der Entwicklung auf dem Transfermarkt auch bitter nötig.

Hoeneß war schon früher ein Gegner von astronomischen Abösesummen. Und würde auch heute nicht 150 oder 200 Millionen Euro für einen Spieler ausgeben. Auch deshalb haben die Münchner auf eine "Granate" wie Alexis Sanchez verzichtet. 

"Diesen Wahnsinn möchte ich nicht mitmachen. Das sind Dinge, die wir beim FC Bayern total ablehnen", erklärte er. Daher müsse der Klub "in diesem Haifischbecken, in dem wir uns bewegen, unseren eigenen Weg finden." 

James Rodriguez ist das beste Beispiel. Mit dem Kolumbianer wurde ein Weltstar mit einer mehr als vertretbaren Kaufoption von Real Madrid ausgeliehen. Für diesen Deal wurden Hoeneß und Co. in ganz Europa bewundert.

- Titelhunger, aber nicht um jeden Preis

Der Präsident legt den Wert auf das Sportliche. Titel wie die Deutsche Meisterschaft und der DFB-Pokal sind weiterhin fest eingeplant.

Um die Champions-League-Trophäe will er aber nicht um jeden Preis kämpfen.

Vielmehr möchte er weiterhin gewährleisten, dass der Klub nach altbewährtem Vorbild sauber wirtschaftet: "Schauen Sie mal, wie auf der ganzen Welt gerade aufgerüstet wird. So lange solche Verrücktheiten passieren, kannst du als FC Bayern nicht den Anspruch haben, die Champions League zu gewinnen." 

- Fans im Mittelpunkt

Hoeneß' oberstes Gebot lautet: Die Fans müssen im Mittelpunkt stehen und Spaß am FC Bayern haben.

"Für mich ist entscheidend, dass wir guten Fußball spielen, dass wir die Leute unterhalten, unsere Millionen von Fans und unsere fast 300.000 Mitglieder", so Hoeneß.

Dafür packt er auch selbst mit an. Zuletzt organisierte er Ende April eine Fan-Party, bei der sogar selbst Würstchensemmel servierte.

Die Nähe zu den Fans soll weiter gestärkt werden. Demnächst will der Klub rote Sitzschalen in die Allianz Arena einbauen lassen. Auch das wird die Identifikation mit dem Verein weiter stärken.

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