München - Zwischen dem FC Bayern und Leipzig ist ein Streit über Asienreisen, Strapazen und Solidarität entbrannt. Profitieren wirklich nur die Topklubs? SPORT1 macht den Check.

von Johannes Fischer

Mit einer 0:2-Niederlage gegen Inter Mailand hat der FC Bayern am Donnerstag seine Asienreise sportlich mehr schlecht als recht beendet.

Dennoch verbuchen die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters den Trip nach China und Singapur als vollen Erfolg.

"Das war wahrscheinlich die effektivste, beste und auch schönste Tour, die der FC Bayern in den letzten Jahren gemacht hat", schwärmte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in Superlativen.

Laut Bild kassieren die Münchner für ihre 13-tägige Reise 14 Millionen Euro vom Turnierveranstalter und den Klub-Sponsoren.

Daneben bereiteten sie das Feld für weitere Millionen-Einnahmen vor, die sich vor allem aus dem Verkauf von Trikots und anderen Merchandising-Produkten speisen.

Verbalduell zwischen Rummenigge und Hasenhüttl

Doch profitiert auch die gesamte Bundesliga vom China-Boom und den Trips nach Übersee?

Nachdem sich Leipzigs Cheftrainer Ralph Hasenhüttl zuletzt über die Strapazen einer solchen Asienreise ausgelassen hatte, kam es über deren (Un-)Sinn zum Verbalduell zwischen RB und den Münchnern.

Diese Aussagen seien "zynisch und unsolidarisch", schimpfte Rummenigge - letztlich sei man auch im Interesse der gesamten Liga unterwegs.

Doch wer hat recht im großen Reisezoff? SPORT1 beleuchtet die Situation der Bundesligaklubs und fragt bei Hannover-Boss Martin Kind nach.

- Für wen lohnen sich die Asienreisen?

Die Formel ist ganz einfach: Je populärer ein Verein, desto lukrativer ist eine solche Asienreise. Klar, dass vor allem der FC Bayern Reibach macht.

Die 14 Millionen Euro sind "der höchste Betrag, den wir jemals bei einer Summer Tour eingenommen haben", jubelte Rummenigge am Ende der Tour.

Für Martin Kind sind "die Bayern immer Vorreiter für Entwicklungen - in diesem Fall beim Thema Internationalisierung", sagte der 96-Chef im Gespräch mit SPORT1.

In der aktuellen Saisonvorbereitung machten sich aber auch Dortmund (China) und Schalke (Japan und China) nach Fernost auf.

Dabei strich auch der BVB elf Millionen Euro direkt ein. Daneben bauten die Westfalen ihr Sponsorennetz in China aus und aquirierten 20 regionale Partner.

Bereits bei Schalke werden die Einnahmen dünner. Vergleichsweise schlappe drei Millionen Euro bekommen die Knappen für ihre siebentägige Ochsentour, auf der sie über 20.000 Flugkilometer abspulten.

Immerhin zog man noch einen chinesischen Sponsor an Land, der zusätzlich zwei Millionen Euro Einnahmen generiert.

- Für wen lohnen sich die Asienreisen nicht?

Die Vereine, die sich nicht in Fernost blicken lassen, haben naturgemäß schlechte Karten, vom Asien-Boom zu profitieren.

Bei vielen Klubs wird abgewägt, ob Aufwand und Ertrag in einem günstigen Verhältnis stehen - und sich zumeist gegen eine solche Reise entschieden.

Vereine wie Mainz oder Freiburg sind der breiten Masse der asiatischen Fußballfans gänzlich unbekannt und würden wohl auch mit einer aufwändigen Promo-Tour keine großen Gewinne erzielen.

Klar, dass sie auf der Pirioritätenliste nicht weit oben stehen. "Für uns wären solche Reisen zu früh", sagte Martin Kind.

"Wir haben erst einmal andere Herausforderungen, die wir erfolgreich bewältigen müssen. Dann gucken wir mal weiter."

Laut Rummenigge profitieren jedoch alle Bundesligisten von einer Asienreise der Bayern - und genau deshalb reagierte der FCB-Boss so unwirsch auf Hasenhüttls Einwand.  

Die Münchner seien zusammen mit dem BVB und Schalke die "Lokomotive", um der DFL in Sachen TV-Vermarktung zu helfen. 

- Wie profitiert die gesamte Liga?

In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Auslandsvermarktung sprunghaft gestiegen, mittlerweile macht sie über 20 Prozent des Gesamterlöses aus.

Insgesamt gehen 980 Millionen aus der nationalen und knapp 206,4 Millionen aus der Auslandsvermarktung an die Klubs. Nicht inbegriffen sind dabei die Einnahmen aus Sponsoring und Gruppenvermarktung.

Dass es sich mittlerweile um eine durchaus erkleckliche Summe handelt, dürfte vor allem auf die Bemühungen des Rekordmeisters zu führen sein.

Bereits 2012 ging der FC Bayern auf Chinareise und setzte damit die Voraussetzungen für die lukrativen TV-Verträge.

"Es gibt ja Einnahmen aus der Auslandsvermarktung, insofern hat Rummenigge recht. Davon profitieren alle Vereine", meinte Kind. 

- Was sagt die DFL?

Für DFL-Chef Christian Seifert sind solche Promo-Touren alternativlos - zumindest für die großen Vereine.

"Wenn man einige Klubs haben möchte, die zu den Top 20 oder 30 der Welt gehören - was Fans, Sponsoren und Medien in Deutschland definitiv erwarten - muss man dafür halt Einiges tun. Dazu gehört aktiveres Auslandsmarketing", so Seifert in der Sport Bild.

Sein Fazit: "Den chinesischen Markt zu vernachlässigen, wäre fahrlässig."

Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball wünscht sich von den Bundesligisten sogar mehr Auslandsreisen.

"Die internationale Vermarktung bleibt eines der wichtigsten wirtschaftlichen Wachstumsfelder für die Zukunft. Deshalb ist es unerlässlich, dass die Vereine weltweit noch mehr Präsenz zeigen - zum Beispiel in Form von Auslandsreisen", sagte Rauball.

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