James Rodriguez (M.) ist der neue Superstar beim FC Bayern. Verkaufen sich auch seine Trikots gigantisch?

München - Wie viele Trikots muss ein Topverein verkaufen, um den Transfer eines Superstars wie James Rodriguez zu refinanzieren? Bei SPORT1 sprechen drei Experten.

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Der Präsident von Real Madrid brachte es mal auf den Punkt.

"Es gibt nichts Rentableres als einen Star. Denn egal wie teuer er ist, in zwei bis drei Jahren lässt sich seine Ablöse kompensieren", sagte Florentino Perez. 

Seither kursiert im Fußballgeschäft die Vorstellung, dass große Klubs durch Trikotverkäufe ihre Toptransfers refinanzieren können. 

Als Perez 2009 nach dreijähriger Pause in seine zweite Amtszeit bei den Königlichen startete, zauberte er als Antrittsgeschenk die beiden Superstars Cristiano Ronaldo und Kaka aus dem Hut. Und von dem Tag an stiegen tatsächlich die Einnahmen.

Ähnlich wie bei Ronaldo?

Wird es nun beim FC Bayern mit James Rodriguez ähnlich ablaufen? Immerhin verkauften sich die Trikots des Kolumbianers im vergangenen Jahr satte 1,2 Millionen Mal! Weltweit bedeutete das Platz zwei hinter Lionel Messi (1,9 Mio.) und vor Cristiano Ronaldo (900.000).

Aber lässt sich ein Topstar damit tatsächlich refinanzieren? SPORT1 erklärt das komplizierte Konstrukt der Trikotverkäufe:

Alle Trikotpreise basieren auf Nettopreisen, die Vertriebsrechte liegen beim Ausstatter, der Verein vertreibt die Trikots, die er zuvor vom Ausstatter erworben hat, über seine eigenen Kanäle. 

"Der Nettoertrag eines Klubs aus den Trikotverkäufen hängt zum einen von der Vertriebsart (Eigen- oder Fremdvertrieb) ab, zum anderen von den Einkaufs- und Lizenzkonditionen eines Klubs", sagt Marketing-Experte Dr. Peter Rohlmann SPORT1.

"Man kann pauschal sagen: Verkauft ein Verein selbst über eigene Shops und E-Commerce, bleiben ihm der Händlergewinn und die Lizenzgebühr."

Werden Trikots über externe Händler verkauft, dann bleibt dem Verein einzig die Lizenzgebühr, die in der Regel um die fünf Euro beträgt.

Vereinbarung zwischen Ausstatter und Verein

Ein Ausstatter schließt eine Vereinbarung mit einem Fußballklub, wenn er sich davon einen Mehrwert verspricht. In der Regel ist es bei absoluten Topklubs in Europa weltweit so, dass die Ausstatter einen erheblichen Betrag dafür bezahlen, dass sie Ausstatter eines Vereins werden dürfen.

Diese Beträge bewegen sich im hohen zweistelligen Millionenbereich - bei Manchester United soll gar die Schallmauer von 100 Millionen Euro pro Jahr angekratzt worden sein.

"Hierbei wiederum sind natürlich auch die einzelnen Spieler von einer überragenden Wichtigkeit, denn diese Superstars strahlen nicht nur für sich allein, sondern auch auf den Verein ab und kurbeln damit den Verkauf der Vereinstrikots an", sagt Merchandising-Experte Dr. Michael Hinz im Gespräch mit SPORT1.

Er war von 2000 bis 2015 für das gesamte Merchandising des FC St. Pauli zuständig und machte das Totenkopf-Logo zu einer Marke. Zudem hat Hinz über mehrere Jahre das Merchandising von Union Berlin verantwortet. 

Refinanzierung bei Spielern

Bei welchen Topspielern kann man überhaupt von einer Refinanzierung sprechen?

"An sich ist das bei keinem gelungen, wenn man allein auf die Trikotabsatzmengen abstellt. Und so viele Super-Topspieler mit Millionenmengen an Trikots gibt es nicht", sagt Rohlmann.

Selbst der erste große Megastar im Fußball, bei dem das zu vermuten wäre - nämlich David Beckham - soll von 1992 (Karrierebeginn bei ManUnited) bis 2013 (letzte Halbjahressaison bei Paris Saint-Germain) knapp acht Millionen Klub-Jerseys verkauft haben.

Unterstellt man einen Durchschnittsgewinn (bei Eigen- und Fremdverkauf) von sehr gut gerechneten sechs bis sieben Euro, wären das 50 bis 55 Millionen Euro über 21 Jahre, aber allein die vier Jahre bei Real Madrid (circa 2,5 Mio. Beckham-Trikots) haben durch Ablöse, Steuern und Gehalt angeblich 80 bis 85 Millionen gekostet.

Millionenfache Trikotmengen 

Auch sein würdiger Nachfolger in diesem Punkt, Cristiano Ronaldo, kann seine Kosten durch inzwischen millionenfache Trikotmengen nicht einspielen, weil die Spielergehälter und Ablösen viel schneller gestiegen sind als Trikotpreise und Fans, die solche Shirts kaufen.

Der FC Bayern hat James für zwei Jahren von Real Madrid ausgeliehen, eine Kaufoption ist vereinbart. Die Münchner zahlen den Spaniern pro Saison eine Leihgebühr von fünf Millionen Euro.

Sollte der Rekordmeister den Kolumbianer am Ende der Saison 2018/19 fest verpflichten wollen, soll der Kaufpreis bei 35,2 Millionen Euro liegen. Zusammengerechnet wären das dann 45,2 Millionen Euro - neuer Vereinsrekord an der Säbener Straße.

Zum Vergleich: 2014 zahlte Real Madrid für Rodriguez 75 Millionen Euro an den AS Monaco. Einen Teil der Transfersumme hatten die Königlichen bei James damals übrigens schnell wieder in der Kasse. Zwei Tage nach der Unterschrift gingen bereits 345 000 Trikots über den Ladentisch, die meisten davon in Asien und Kolumbien.

Bayern-Bosse hoffen, ein Experte bremst

Die Bayern-Bosse hoffen natürlich, dass jetzt bei James ähnliches passiert wie damals. Doch bei der Verpflichtung eines Topstars geht es nicht nur um die Trikotverkäufe.

Oliver Brüggen hat beim Thema Refinanzierung durch Trikotverkäufe eine klare Meinung.

"Grundsätzlich kann man feststellen, dass eine Refinanzierung eines Top-Spielers nur über Trikotverkäufe in der Tat ein Mythos und in der Realität nicht möglich ist", betont der adidas-Sprecher bei SPORT1.

Rohlmann von der Firma "PR-Marketing" sieht es genauso: "Es ist ein Märchen bzw. eine schöngefärbte Hochrechnung, wenn ein Klub glaubt, allein die Trikotkäufe seiner Fans könnten einen Star finanzieren."

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