München - Der James-Transfer ist nicht nur aus sportlicher Sicht attraktiv. Ein Marketingexperte erklärt, warum sich die Bayern eine Gelddruckmaschine ins Haus holen.

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Der Wechsel von James Rodriguez von Real Madrid zum FC Bayern soll den deutschen Rekordmeister vor allem sportlich weiterbringen. Unter Carlo Ancelotti lieferte der Kolumbianer seine beste Saison bei den Königlichen ab, entsprechend ist die Hoffnung groß, dass James auch im Bayern-Trikot durchstartet.

Daneben dürften aber auch Marketing-Faktoren eine Rolle beim Transfer des 26-Jährigen gespielt haben: Mit der Verpflichtung von James hat sich der FC Bayern eine wahre Gelddruckmaschine ins Haus geholt.

"Der Wechsel von James Rodriguez ist für den FC Bayern München nicht nur sportlich gesehen ein großer Erfolg", sagt Prof. Dr. Tobias Haupt, stellvertretender Direktor des Instituts für Fußballmanagement und Fachbereichsleiter Digitalisierung in München bei SPORT1.

"Enormes Potenzial für die Bayern"

Der James-Deal habe mehrere positive Effekte für die Münchner, so Prof. Dr. Haupt. "Zum einen können möglicherweise der Trikotverkauf und die damit einhergehenden Einnahmen gesteigert werden, zum anderen hat der Einfluss von James auf die internationale Bekanntheit des FC Bayern Münchens ein enormes Potenzial. Auch das Image des FC Bayern München erhält natürlich durch einen solchen internationalen Toptransfer eine positive Anerkennung und somit eine erhöhte Präsenz in den Medien."

Zehn Millionen legen die Münchner als Gebühr für die zweijährige Leihe hin, anschließend gibt es eine Kaufoption über 35 Millionen Euro. Insgesamt 45 Millionen Euro würden die Münchner also für James investieren - doch der Deal dürfte sich selbst dann für den FC Bayern lohnen, wenn der Mittelfeldstar die sportlichen Erwartungen nicht erfüllt.

James ist in den sozialen Netzwerken ein Megastar, hat bei Facebook, Instagram und Twitter insgesamt mehr als 76 Millionen Follower (Instagram 32,1 Millionen, Twitter 12,6 Millionen, Facebook 32,2 Millionen). Laut Forbes ist der kolumbianische Nationalspieler damit in der Sportwelt die Nummer fünf hinter Cristiano Ronaldo, NBA-Star Steph Curry, Lionel Messi und Neymar.

"Der wöchentliche Werbewert der Posts auf Facebook von James beträgt derzeit 594.496 Euro", so Prof. Dr. Haupt.

Im internen Bayern-Ranking katapultiert sich James mit großem Abstand gleich an die Spitze. Zum Vergleich: Manuel Neuer als bisheriger "Social-Media-König" der Bayern kommt mit insgesamt 20,3 Millionen Followern gerade mal auf gut ein Viertel der James-Fans.

Rummenigge schwärmt von James' Followerzahl

Dass James die deutschen Stars derart abhängen kann, begründet Prof. Dr. Haupt mit dem Status des Kolumbianers in dessen Heimat. "Dort ist er ein absoluter Ausnahmespieler ohne jegliche Konkurrenz. Aufgrund seiner sympathischen offenen Art, gepaart mit dem sportlichen Erfolg, nimmt er eine absolute Vorbildfunktion ein."

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gab bei der Vorstellung seines prominenten Neuzugangs einen ersten Eindruck, wie sehr auch die Marketingabteilung der Bayern von James profitiert: "Die Follower scheinen sich extrem mit dem Transfer zu identifizieren", freut sich der FCB-Boss. "Wir haben bei unseren Accounts bereits sechsstellige Zuwachszahlen, vor allem viele Südamerikaner."

Rummenigges Ziel: Den Verein auf dem Weltmarkt noch bekannter machen und damit vor allem den Trikotverkauf weiter ankurbeln. "James wird uns sicher dabei helfen, weltweit noch mehr Fans zu erreichen."

Davon ist Prof. Dr. Haupt überzeugt: "Im Jahr 2014 konnte Real Madrid zwei Tage nach dem Wechsel von James Rodriguez bereits 345.000 verkaufte Trikots verzeichnen. Damals stammten die Kunden größtenteils aus dem kolumbianischen und asiatischen Raum."

Rückennummer als kleiner Abtörner

Aber auch für James selbst lohnt sich der Deal mit dem deutschen Eliteklub. 16 Millionen Dollar scheffelte er bisher alleine mit seinen Social-Media-Aktivitäten. Schon wenige Stunden nach Bekanntwerden des Transfers schnellte die Follower-Kurve seines Facebook-Profils nach oben - indem er die deutschen Fans einsammelte. 

Bayerns Strategie-Vorstand Jörg Wacker denkt bereits an die Saisonvorbereitung im kommenden Jahr, die den Rekordmeister in neue Gefilde führen könnte.

"Nun ist mit der Verpflichtung von James Kolumbien im Fokus. Dieses Jahr bestreiten wir zwei Spiele in Singapur. Es ist gut möglich, dass wir im kommenden Jahr ein Spiel in Südamerika machen, sollte die Tour wieder in den Westen gehen", meinte Wacker in der Bild.

Einen kleinen Haken findet Prof. Dr. Haupt beim James-Deal aber doch noch.

"Ungeklärt bleibt, inwieweit sich seine neue Rückennummer 11 auf die zukünftige Vermarktung auswirkt. James hatte bis zum jetzigen Zeitpunkt die Rückennummer 10. In Bezug auf diese Zahl wurden große Teile der Markenbildung fokussiert. Auch im Bereich der Produktvermarktung findet die 10 fortlaufend Anwendung."

Einige Fans aus Kolumbien hatten über die sozialen Medien bereits einen Shitstorm gegen Bayerns Zehner Arjen Robben losgetreten.

Im schlimmsten Fall würde die Gelddruckmaschine aber nur kurz ins Stottern geraten. Ein Minusgeschäft ist für die Bayern unter diesen Voraussetzungen nahezu auszuschließen.

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