Douglas Costa und Serge Gnabry
Douglas Costa (l.) oder Serge Gnabry: Wer wirbelt kommende Saison beim FC Bayern? © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/Getty Images/Imago

München - In einem Jahr hat sich Serge Gnabry vom Nobody zum Star gemausert. Aber spielt er in der neuen Saison beim FC Bayern? Das hängt vor allem von Douglas Costa ab.

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Zu sagen, Serge Gnabry hätte einen rasanten Aufstieg hinter sich, wäre eine Untertreibung.

Noch vor einem Jahr hatten in Deutschland nur ausgemachte Fußballexperten den Flügelflitzer mit Vertrag beim FC Arsenal auf dem Zettel.

Von Anfang Juli 2016 findet sich zu Gnabry bei einer Google-Suche genau eine Schlagzeile der englischen Sun: "Gunners hochmotiviert in der Vorbereitung, Gnabry grätscht Elneny ab".

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Serge Gnabry (r.) war bei Arsenal-Coach Arsene Wenger (2.v.l.) meist nur Trainingsgast © Getty Images

Sportliche Schlagzeilen? Nach einer Saison mit nur drei Profi-Einsätzen als Leihspieler bei West Bromwich Albion Fehlanzeige.

Olympia 2016 in Rio als Durchbruch

Dann aber wurde Gnabry für Olympia in Rio nominiert, gewann mit dem DFB-Team die Silbermedaille, wurde Torschützenkönig des Turniers und wechselte wenig später zu Werder Bremen in die Bundesliga.

Plötzlich war Gnabry in aller Munde - vor allem, weil der FC Bayern an seinem Transfer zu Werder beteiligt gewesen sein sollte und sich dafür angeblich ein Vorkaufsrecht zusichern ließ.

Das wurde von Werder zwar dementiert, ein knappes Jahr später aber zog Gnabry eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag bei den Hanseaten und verkündete wenig später - Überraschung! - seinen Wechsel zum FC Bayern.

Titel bei der U-21 EM in Polen

Manch einer fragte sich, ob dieser Schritt für den 21-Jährigen nicht etwas zu früh komme. Gnabry konterte mit einem Tor im Auftaktspiel der UEFA U-21 EM gegen Tschechien und holte wenig später mit den DFB-Junioren den Titel.

Plötzlich aber scheint Gnabrys kometenhafter Aufstieg zu stocken - und das liegt nicht in erster Linie daran, dass Gnabry in den letzten Partien der U-21 EM nur bedingt überzeugen konnte.

Der Knackpunkt trägt den Namen Douglas Costa, wechselte vor zwei Jahren für 30 Millionen Euro von Schachtjor Donezk zum FC Bayern und sollte nach einer wenig überzeugenden Saison 2016/17 eigentlich verkauft werden.

Das Problem: Die Münchner werden Costa derzeit nicht los.

Zwischenzeitlich schien mit Juventus bereits alles klar, offenbar will der Champions-League-Finalist nun aber doch nicht die von den Bayern aufgerufene Ablösesumme zwischen 40 und 50 Millionen Euro zahlen.

Costa zu Inter statt Juventus?

Das hat zwei Gründe: Zum einen sind 40 Millionen Euro viel Geld für einen Edelreservisten, auch wenn er vom FC Bayern kommt. Zum anderen dürfen die Vereine der Serie A pro Saison nur zwei Nicht-EU-Ausländer verpflichten.

Einen hat Juventus in dem Uruguayer Rodrigo Bentacur bereits geholt, nun soll zudem Costas Landsmann Danilo von Real Madrid in Turin auf dem Zettel stehen.

Klar: Noch ist das Transferfenster gut acht Wochen geöffnet, mit Inter Mailand soll auch schon der nächste Interessent für Costa bereit stehen.

Von ihren Forderungen aber werden die Münchner nicht abrücken. "Wir haben viel Geld bezahlt, deshalb wollen wir auch jetzt mehr haben", betonte Bayern-Präsident Uli Hoeneß Anfang der Woche noch einmal.

Gnabry bei Bayern noch ohne Nummer

Was heißt das für Gnabry?

Aktuell hat der Jung-Nationalspieler nicht einmal eine Rückennummer beim Rekordmeister. Als einziger Profi mit gültigem Kontrakt übrigens.

Auch Carlo Ancelotti scheint noch nicht restlos begeistert vom Neuzugang: "Nach der Vorbereitung werden wir eine Entscheidung treffen. Wir werden sehen, ob er bleibt", sagte der Bayern-Coach jüngst.

Sollte unter Gnabrys Wunschnummer 11 auch weiterhin der Namenszug "Costa" prangen, spricht daher vieles für eine Ausleihe.

Erster Interessent soll die TSG Hoffenheim sein. Die Kraichgauer wollten Gnabry vor einigen Wochen angeblich schon fest verpflichten, hätten dafür dem Vernehmen nach aber die Bayern-Klausel in dessen Vertrag übernehmen müssen.

Hoffenheim als Ausweg für Gnabry?

Bei einer Leihe würden sich die Hoffenheimer nun die Ablösesumme sparen und hätten zudem Planungssicherheit.

Die hat Gnabry, der nach der U-21 EM und einem Auftritt beim Benefizspiel "Champions for Charity" nun seinen Urlaub genießt, derzeit noch nicht.

Seiner Zukunft kann er dennoch gelassen entgegenblicken, schließlich spielt er in der kommenden Saison auf jeden Fall bei einem Champions-League-Teilnehmer - auch wenn die Hoffenheimer bereits in der Quali ran müssen.

Gnabrys rasanter Aufstieg findet also eine Fortsetzung. Die Frage ist nur, wie schnell es diesmal voran geht. Und bei welchem Verein.

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