Michael Zorc (l.) und Michael Reschke (r.): Die Kaderplaner in Dortmund und München © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago/ Davina Knigge

München - Der Vorwurf ist nicht totzukriegen, dass die Bayern mit ihren Transfers die Liga-Konkurrenz schwächen wollen. Quantitativ sind aber andere Klubs deutlich aktiver.

von

In über 50 Jahren Bundesliga hat sich so manches Vorurteil über den FC Bayern München angesammelt, das die Kritiker dem Rekordmeister gerne unter die Nase reiben.

Der Bayern-Dusel ist längst sprichwörtlich, dazu kommen Schiedsrichter-Hilfen, falls das Glück doch mal aufgebraucht ist.

Und: Der FC Bayern kauft die Liga leer!

"In Deutschland gewinnt Bayern München die Liga schon im Sommer", sagte Jose Mourinho im Februar, bezog sich aber explizit auf den größten Rivalen:

"Jedes Jahr kaufen sie Borussia Dortmund die besten Spieler weg. Einmal gehen sie hin und kaufen sich Robert Lewandowski. Im Jahr davor holten sie Mario Götze. Und im nächsten Jahr ist es dann Mats Hummels."

Allgemein ist das Vorurteil aber hinfällig, nachdem bereits Dusel und Schiri-Gunst wissenschaftlich als Märchen entkräftet wurden.

Ein Blick auf die Transferhistorie verrät nämlich, dass die Münchner beim Spieler-Wegschnappen von anderen Bundesligaklubs nur im Mittelfeld liegen. 

Bayern grast Ligamarkt nur mäßig ab

Zwar hat der FC Bayern für die anstehende Spielzeit mit Niklas Süle, Sebastian Rudy (beide Hoffenheim) und Serge Gnabry (Werder Bremen) den hiesigen Markt schon ordentlich abgegrast, doch in der Summe waren anderen Vereine deutlich aktiver.

So stehen im jetzigen FCB-Kader insgesamt acht Profis, die von einem anderen Bundesligaklub an die Isar gewechselt sind.

Im Vergleich zur nationalen Konkurrenz eine überschaubare Größe.

Ganz anders sieht die Bilanz von Borussia Dortmund aus, das sich für den aktuellen Kader bei der Konkurrenz nicht weniger als 13 Mal bediente. 

Die Schwarzgelben, die in der aktuellen Transferperiode bislang Ömer Toprak (Leverkusen), Mahmoud Dahoud (Gladbach) und Maximilian Philipp (Freiburg) verpflichteten, setzen offenbar noch deutlich mehr auf Bundesliga-erprobte Profis, als es der FC Bayern tut.

Ganz oben auf der Liste der "kaufwütigen" Vereine steht jedoch kein Eliteklub der Bundesliga - sondern der FC Augsburg.

Die Schwaben holten am Dienstag mit Michael Gregoritsch vom Hamburger SV ihren 15. Spieler von einem Bundeligakonkurrenten.

Augsburg auf Schnäppchenjagd

Allerdings bewegt sich der FCA bei den Transferaufgaben naturgemäß in ganz anderen Sphären, als es Dortmund und Bayern tun.

Während Augsburg mit insgesamt 24,3 Millionen Euro für seine 15 Spieler eher im Schnäppchenmarkt unterwegs war, kommt der BVB für seine 13 Profis auf die stattliche Summe von 167 Millionen Euro.

Mit großem Abstand Platz eins vor den Bayern (105 Millionen Euro)

Schlusslichter der Rangliste sind Leipzig und Bremen, die nur jeweils zwei Spieler im Kader haben, die sie der Ligakonkurrenz weggeschnappt haben.

Über 100 Millionen Euro Ausgaben

Übrigens: Die Bayern gaben für ihre acht Spieler, die sie von anderen Bundesligisten wegkauften, 105 Millionen Euro aus - und das, obwohl Robert Lewandowski und Sebastian Rudy zum Nulltarif an die Säbener Straße wechselten.

Im Schnitt blätterte der Rekordmeister also 17,5 Millionen Euro für einen Neuzugang aus der Bundesliga hin, und damit weit mehr, als es die Konkurrenz tat.

In letzter Konsequenz dürfen die Bayern-Gegner also zumindest behaupten, dass die Münchner die teuersten Profis holen - wenn sie schon nicht die Liga quantitativ leer kaufen.

Weiterlesen