Dortmund - Mario Götze steigt bei Borussia Dortmund in die Vorbereitung ein. Doch beim Comeback des WM-Helden ist einiges unklar. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

von Christoph Küppers

Ziemlich genau vor fünf Monaten stand Mario Götze zum letzten Mal im Kader von Borussia Dortmund. 4. Februar 2017, Heimspiel gegen RB Leipzig. Der BVB gewann 1:0.

Anschließend erlebte Götze die wohl schwerste Zeit seiner Karriere. Kein BVB-Spiel. Erst verletzt, dann stellten Ärzte eine Stoffwechselerkrankung fest. Therapie, Pause, langwierige und harte Arbeit am Comeback.

Jetzt will der Nationalspieler die Leidenszeit endlich beenden. "Ich bin auf einem guten Weg und freue mich bald in unserem Tempel wieder Fußball zu spielen", teilte er am Donnerstag seinen 8,2 Millionen Instagram-Followern in einem emotionalen Post mit.

Doch trotz aller Vorfreude bei ihm selbst sowie bei Fans, Verantwortlichen und Mitspielern – vor dem Götze-Comeback bleiben einige Fragen. Vorsorglich warnte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Donnerstag: "Ich freue mich sehr für Mario und natürlich auch für unseren BVB. Angesichts der schweren Monate, die hinter ihm liegen, sollten wir alle eine realistische Erwartungshaltung an den Tag legen."

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Mario Götze.

Wie fit ist Götze?

Es ist wohl das größte Fragezeichen: Kann Götze sofort die große Belastung einer intensiven Vorbereitung mitgehen?

Der Nationalspieler wirkt jedenfalls fest entschlossen. Die Therapie der Stoffwechselerkrankung scheint anzuschlagen. Nebenher habe er über fünf Monate ein sportliches und medizinisches Reha-Programm absolviert, erklärte Götze.

Auch körperlich präsentiert sich der Offensivspieler fit lange nicht mehr. Urlaubsbilder zeigten ihn zuletzt beim Lauftraining in Los Angeles. Dort hatte er sich intensiv auf die Saison vorbereitet.

Der 25-Jährige wirkt austrainiert wie zu Profi-Anfangszeiten, mit definiertem Oberkörper und muskulösen Beinen. Ganz anders als noch vor seiner Erkrankung, als Götze immer wieder mit Gewichts-Problemen zu kämpfen hatte.

Vielleicht liegt sein neues Erscheinungsbild auch ein bisschen am privaten Glück: Die schwere Zeit schweißte den Star und Langzeitfreundin Ann-Kathrin Brömmel noch enger zusammen. Im Sommer verlobte sich das Paar.

Wann greift Götze wieder voll an?

Der 25-Jährige wird an diesem Freitag an den internen Leistungstests des BVB in Dortmund teilnehmen - und dann am Wochenende auch die ersten Trainingseinheiten dieser Saison mit der Mannschaft bestreiten.

Endlich könne er in die dritte Phase seines Reha-Programms einsteigen, so Götze. "Das bedeutet: Mit den BVB-Teamkollegen den Leistungstest zu absolvieren und dann in den nächsten Tagen ins Training einzusteigen. Ich freue mich, wieder auf dem Platz zu stehen."

Es ist eine Rückkehr nach 134 Tagen ohne Training beim BVB. Eine lange Zeit, in der viel passiert ist: Champions-League-Achtelfinale, Bombenanschlag aufs Team, interne Querelen, DFB-Pokalsieg, Trainerentlassung.

Jetzt starten der BVB und Götze gemeinsam in ein neues Kapitel. Manager Michael Zorc verkündete im kicker, Götze werde sofort komplett in den Kader integriert.

Wo sieht Peter Bosz Götze?

Wenn der BVB am Freitag als letzter Bundesligist in die Saison startet, sehen die Bosse Götze (wie auch Andre Schürrle) als eine Art "internen Neuzugang".

In den fünf Wochen bis zum Bundesligastart in Wolfsburg soll der 25-Jährige allerdings nicht bloß ans Team herangeführt, sondern gleich zur ernsthaften Alternative werden. In Marco Reus (Kreuzbandriss) und Julian Weigl (Verrenkungsbruch des Sprunggelenks) fallen zwei Stammspieler langfristig aus - Götze ist gleich gefordert. Doch wo?

Vermutlich wird Neu-Trainer Peter Bosz wie bei seinen bisherigen Stationen das niederländisch geprägte 4-3-3-System spielen lassen. Bei Ajax Amsterdam setzte Bosz auf schnelle, druck- und laufstarke Außen. Trotz Götzes verbessertem Fitnesszustand eher nicht dessen präferierter Spielstil.

Wahrscheinlicher, dass Bosz den WM-Siegtorschützen deshalb als 8er oder 10er in einem Dreier-Mittelfeld einplant. Auch hier müsste Götze allerdings viel und intensiv arbeiten. Bosz ist ein Verfechter der "Fünf-Sekunden-Regel". Nach Ballverlust soll das Spielgerät in kürzester Zeit zurückerobert und umgeschaltet werden.

Vor wenigen Monaten hätte man sich Mario Götze in dieser Rolle nicht vorstellen können. Dass er sie aber ausfüllen kann, hat er schon bewiesen - in seiner bisher vielleicht erfolgreichsten Saison 2010/11 unter Jürgen Klopp.

Ein fitter, unverbrauchter Götze absolvierte damals 2540 Bundesliga-Minuten. Ein bis heute von ihm nie mehr erreichter Wert. Das soll sich jetzt ändern.

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