München und Bad Ragaz - Die Umstellungen auf den Stil des niederländischen Trainers machen Borussia Dortmund mehr zu schaffen als anfänglich gedacht. SPORT1 beleuchtet die Ursachen.

von Christoph Küppers

In genau vier Tagen wird es ernst für Peter Bosz. Zwar steht für Borussia Dortmund "nur" der sportlich eher unbedeutende Supercup gegen Meister Bayern München (Sa., 20.30 Uhr im LIVETICKER) auf dem Programm.

Doch auch Boszs Spieler sind heiß auf eine wirkliche Standortbestimmung. Wie der Trainingszusammenstoß zwischen Ousmane Dembele und Schlussmann Roman Bürki belegt, ist beim BVB nämlich derzeit reichlich Feuer drin.

Der Coach betonte kurz vor Ende des zweiten BVB-Trainingslagers in Bad Ragaz daher auch überraschend offensiv: "Dieses Spiel ist mir wichtig. Es ist ein Titel und man muss versuchen, den zu gewinnen!" Eine klare Ansage.

Gegen die Bayern wird sich nun zeigen, welche ersten Ergebnisse Boszs Arbeit mit der neuen Mannschaft schon zu Tage fördert.

Gravierende Umstellungen 

Aktuell überwiegt leichte Skepsis, wie weit der BVB in dieser Vorbereitung wirklich ist - auch wenn die Schlagzeilen, wonach die BVB-Spieler Boszs Taktik nicht kapieren würden, sicher etwas überzogen sind.

Fest steht aber: Die taktischen und fußballerischen Umstellungen des Niederländers sind gravierender als zunächst vielleicht angenommen. Mit seinem typischen 4-3-3-System, das Bosz bislang bei allen Trainerstationen spielen ließ, tut sich der prominent besetzte BVB-Kader noch schwer.

Torwart Roman Bürki merkte im Trainingslager offen an: "Wir sind noch in einer Anpassungsphase der neuen Philosophie. Da ist klar, dass wir noch nicht hundertprozentig eingespielt sind." Der Schweizer Schlussmann gab zu: "So wie wir spielen wollen, kannten die meisten das noch nicht."

Bosz greift intensiver ein

Bosz verlangt viele neue Dinge von seinen Spielern. Das Positionsspiel unterscheidet sich deutlich von dem unter Vorgänger Thomas Tuchel. Speziell das intensive Gegenpressing erfordert neben einer hohen spielerischen Intelligenz nicht nur enorme Lauf-, sondern auch Taktikarbeit. Die Mannschaft muss im Spiel deutlich mehr agieren - und sich obendrauf vom tuchel'schen Dominanzfußball verabschieden.

Mittlerweile hat der neue Trainer seine anfängliche Zurückhaltung abgelegt. In den ersten Wochen seiner Amtszeit hatte Bosz in Trainingseinheiten und Testspielen vor allem beobachtet und seine Eindrücke anschließend in stundenlangen Sitzungen sortiert und analysiert.

Jetzt versucht er dem BVB-Kader seine fußballerischen Vorstellungen bestmöglich und intensiv einzuimpfen. Dazu lässt Bosz in den Übungseinheiten in Videositzungen voranalysierte Spielzüge und Verhaltensmuster einüben.

Klappt etwas nicht, schreitet Bosz ein. Dann verschiebt er Spieler auf ihren Positionen, zeigt Laufwege - bislang ungewohnt lautstark gibt er Kommandos. Immer wieder zeigt sich in diesen Situationen sein Fokus: das extreme Gegenpressing mit frühen Attacken, schnellen Balleroberungen und zügigen Wegen zum Tor.

Erste Anzeichen auf Startaufstellung

Dass der BVB die Vorstellungen seines Trainers noch nicht zufriedenstellend umsetzen kann, bewies der Testkick am vergangenen Freitag gegen Espanyol Barcelona. Bei der 0:1-Niederlage offenbarte der BVB, dass er bislang lediglich Ansätze des angedachten Angriffsfußballs beherrscht.

Nicht umsonst sagte der Trainer im Anschluss, die Partie sei nicht schlecht, aber auch nicht gut gewesen. "Ich nehme aus diesem Spiel sehr gute Sachen mit, aber auch sehr viele Sachen, die wir besser machen müssen", befand Bosz.

Es wartet also weiterhin eine Menge Arbeit auf den Niederländer - auch wenn sich langsam ein Aufstellungsgerüst herauskristallisiert. Etwa mit dem Innenverteidiger-Pärchen Sokratis/Marc Bartra. Oder mit Nuri Sahin, dem großen Gewinner des Trainingslagers, auf der zentralen Mittelfeldposition.

Eine letzte Test-Gelegenheit vor dem Supercup am Samstag bleibt Bosz an diesem Dienstag. Dann trifft der BVB (ab 19.30 Uhr im LIVETICKER) zum Abschluss des Trainingslagers in Bad Ragaz auf Atalanta Bergamo.

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