München - Carlo Ancelotti startet beim FC Bayern München in seine zweiten Saison - nicht ohne Irritationen. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Auftakt.

Sechs Wochen Urlaub in Kanada - ab jetzt ein neuer Angriff auf Europas Spitze.

Carlo Ancelotti ist am Samstag in seine zweite Saison als Trainer des FC Bayern München gestartet. Eine Saison, in der Druck und Erwartungshaltung gestiegen sind. Nur die Meisterschaft sei auf Dauer "ein bisschen zu wenig", hatte Präsident Uli Hoeneß betont. Ancelotti muss den hohen Ansprüchen jetzt gerecht werden.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen nach dem Trainingsauftakt der Bayern.

Ab wann hat Ancelotti seinen Kader beisammen?

Bei der ersten Einheit am Samstag konnte Ancelotti gerade einmal acht Profis um Superstar Franck Ribery und die Weltmeister Mats Hummels und Thomas Müller begrüßen.

Der neue Rekord-Transfer Corentin Tolisso (Olympique Lyon/41,5), Arjen Robben und Robert Lewandowski steigen am 10. Juli ein. Die Confed-Cup-Teilnehmer Sebastian Rudy, Niklas Süle und Serge Gnabry mischen ab dem 29. Juli mit

Wobei: Ob Gnabry in der kommenden Saison das Bayern-Trikot tragen wird, bleibt abzuwarten.

Was wird aus Serge Gnabry?

"Er wird bei uns starten. Nach der Vorbereitung werden wir eine Entscheidung treffen. Wir werden sehen, ob er bleibt", sagte Ancelotti.

Zuletzt gab es angesichts der großen Konkurrenz auf den Außenbahnen (Ribery, Arjen Robben, Kingsley Coman) immer wieder Gerüchte um ein Leihgeschäft mit dem Neuzugang aus Bremen. Als einziger Spieler hat er noch keine offizielle Rückennummer. Favorit auf eine Leihe ist die TSG Hoffenheim.

Möglicherweise hängt dies aber auch davon ab, was aus Douglas Costa wird, dessen Transfer zu Juventus Turin noch hakt.

Wird es Neuzugänge geben?

Ancelotti zeigte sich beim Auftakt mit dem Kader "glücklich", es könnte sich bis zum Transferschluss am 31. August aber noch etwas tun.

"Vielleicht kommen noch ein oder zwei Neue", betonte er, "wenn nicht, ist der Kader auch stark."

Der umworbene Schalker Leon Goretzka wird wohl ebenso noch ein Jahr bei seinem Klub bleiben wie Leverkusens Julian Brandt. Nach wie vor wird aber Alexis Sanchez vom FC Arsenal mit den Bayern in Verbindung gebracht.

"Alexis ist ein großer Spieler, aber nicht der Einzige", sagte Ancelotti, schloss aber gleichzeitig einen Wahnsinnstransfer aus: "Ich frage nicht nach Spielern, die nur für verrückte Summen kommen werden." Sanchez wird kaum für eine nicht verrückte Summe zu haben sein.

Sind alle Spieler fit?

Angeschlagen sind nach wie vor Torwart Manuel Neuer und sein Ersatz Sven Ulreich. Vor allem bei Neuer könnte es bis zum ersten Pflichtspiel am 5. August, wenn es gegen DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund um den Supercup geht, eng werden.

Wenigstens ist Javi Martinez (Schlüsselbeinbruch) wieder fit. Weltmeister Jerome Boateng, der sich im Saisonfinale eine Muskelverletzung zugezogen hatte, trainierte am Samstag individuell.

Warum attackierte Ancelotti die Berater von Robert Lewandowski?

Lewandowski hatte in der Sommerpause öffentlich Frust über mangelnde Unterstützung seiner Teamkollegen beim Kampf um die Torjägerkanone geschoben.

Die bemerkenswerte Klageruf sorgte für Unruhe, wurde gar als Vorbote eines möglichen Abgangs interpretiert. Bayerns Bosse hatten schon klargestellt, dass ein Verkauf kein Thema ist.

Ancelotti nahm sich nun explizit Lewandowskis Berater vor, die er als Urheber des Störfeuers wähnt ("Es gibt immer wieder Agenten, die viel zu viel reden. Es ist nicht das erste Mal, dass Berater in Zeitungen etwas Falsches sagen.")

Eine klare Ansage des sonst meist diplomatischen Coachs, dass er sich solche Spielchen nicht bieten lassen will - bei der er Lewandowski selbst elegant schonte, indem er die Schuld nur bei seinem Umfeld suchte.

Welche Unruheherde bleiben?

Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Ancelotti und Joshua Kimmich wird weiter spannend zu beobachten sein. Am Wochenende machte noch eine kleine Spitze Kimmichs in Richtung des Coachs während des Confed Cups Schlagzeilen ("Wenn man einen Trainer hat, der immer auf einen setzt, dann ist es normal, dass man ein gewisses Selbstvertrauen bekommt").

Eine große diplomatische Krise wird sie nicht auslösen, er und Ancelotti haben sich nach der vergangenen Saison ausgesprochen. Wie es weitergeht, wird davon abhängen, ob der Coach fortan auch häufiger auf Kimmich setzen wird.

Eine gewisse Pikanterie hat auch die Besetzung des Assistenten-Jobs. Willy Sagnol ist gewiss kein reiner Zuarbeiter, die Bayern-Legende ist soll auch ein Bindeglied zwischen Ancelottis italienischem Trainer-Stab und der Führungsebene sein. Man kann auch sagen: ein Aufpasser.

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus etwas heikel, dass Ancelotti beim ersten gemeinsamen Arbeitstag gleich verriet, dass er Philipp Lahm oder Xabi Alonso lieber an seiner Seite gehabt hätte.

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