Peter Bosz (l.) und Marc Bartra haben in Sachen Defensivabstimmung noch Arbeit vor sich © Imago

Bad Ragaz - Nach dem Asien-Trip bezieht Borussia Dortmund mit seinem neuen Trainer Peter Bosz sein erstes wirkliches Trainingslager. Und hat dort einiges zu erledigen.

von Christoph Küppers

Wenn Peter Bosz am Mittwochabend sein erstes richtiges Trainingslager mit Borussia Dortmund bezieht, wird der Niederländer neben den eigenen Sachen für die sechs Tage in Bad Ragaz (Schweiz) einige weitere Herausforderungen im Gepäck haben.

19 Tage nach dem Trainingsstart steht Bosz vor seiner bislang wohl wichtigsten Aufgabe: Der neue BVB-Coach muss das Team nach kurzer Anlaufperiode endlich in seine Spur für die neue Saison bringen.

Bisher gelang das noch nicht - freilich auch aufgrund der sehr kurzen Kennenlernphase sowie einer anstrengenden (und aus sportlicher Sicht sicher fragwürdigen) Asien-Reise.

Langsam müssen Bosz und der BVB allerdings auf Touren kommen: in der System-Frage, in der Defensive, der Kader-Zusammensetzung und im zentralen Mittelfeld.

Bosz und sein 4-3-3

In Bad Ragaz ist damit zu rechnen, dass Peter Bosz seine "Beobachtungsphase" beendet. 25 Tage vor dem Liga-Start gegen den VfL Wolfsburg wird der BVB-Trainer wohl intensiver in die Übungen eingreifen.

Bislang hatte der Niederländer meist seine Assistenten Hendrie Krüzen und Albert Capellas die Trainingsformen leiten lassen. Mit konzentriertem Blick und verschränkten Armen verfolgte Bosz dann das Training, beobachtete Details, bewertete Spieler.

Jetzt steht für den BVB in Bad Ragaz allerdings Basisarbeit an: Bosz, Verfechter des 4-3-3-Systems, muss den zuletzt von Thomas Tuchel erfolgreich aufs 3-5-2 getrimmten BVB-Kader an das neue System gewöhnen.

Immerhin: Die Grundanforderungen bleiben ähnlich. Wie Tuchel will auch Bosz druckvolles Pressing mit hoher Spielfreude und Laufintensität sehen.

Problemzone Abwehr

Sein Hauptaugenmerk wird Bosz zunächst allerdings vor allem auf die Abwehr legen müssen. Nicht nur in der vergangenen Saison war sie die größte Schwachstelle im offensivgeprägten BVB-Angriffsfußball (40 Gegentore) – auch in der bisherigen Vorbereitung kristallisierte sich die Defensive als Problemzone heraus.

Sorgen bereitet vor allem die linke Außenverteidigerposition. Nach den Verletzungen von Marcel Schmelzer (Außenband-Teilriss) und Raphael Guerreiro (Knöchelbruch) würde eigentlich Ex-Nationalspieler Erik Durm als Ersatz parat stehen.

Der 25-Jährige präsentierte sich im letzten Testspiel gegen den VfL Bochum allerdings derart unsicher, dass plötzlich der junge Neuzugang Dan-Axel Zagadou zur ersten Wahl werden könnte. Bosz meinte zu ihm nach dem erfolgreichen Test gegen den AC Mailand (3:1): "Er hat das auf der ungewohnten Position sehr gut gemacht."

Auch in der Innenverteidigung konnte bislang kein Duo überzeugen. Ömer Toprak kämpft nach dem Wechsel aus Leverkusen mit überraschenden Eingewöhnungsproblemen. Neven Subotic spielt in den bisherigen Planungen nur eine untergeordnete Rolle. Momentan läuft alles auf das Duo Marc Bartra und Sokratis heraus. 

Wer muss noch gehen?

Ein weiterer Defensivspezialist wird unterdessen vielleicht gar nicht erst mit nach Bad Ragaz reisen: Mikel Merino könnte den BVB in den kommenden Tagen verlassen.

Aus der spanischen Heimat halten sich hartnäckig Gerüchte um einen Wechsel zu Athletic Bilbao. Der BVB würde den defensiven Mittelfeldspieler, der auch in der Innenverteidigung spielen kann, aber gerne erst einmal nur verleihen. Der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach sollen interessiert sein.

Darüber hinaus werden wohl drei bis vier weitere Spieler den immer noch aufgeblähten BVB-Kader verlassen müssen. Ein Wechselkandidat bleibt Emre Mor, der sich nach starken Kurzzeit-Einsätzen auf der Asienreise zuletzt wieder extrem verspielt und eigensinnig zeigte.

Auch Sebastian Rode konnte sich bislang nicht nachhaltig für einen Kaderplatz empfehlen. Bad Ragaz bietet für beide wohl die letzte Chance, Trainer Bosz von sich zu überzeugen.

Neuer Mittelfeld-Antreiber

Auf Rodes Position im defensiven Mittelfeld hat unterdessen ein Spieler die Oberhand gewonnen, der in der vergangenen Saison kaum eine Rolle spielte: Nuri Sahin. Von Ex-Trainer Tuchel im DFB-Pokalfinale noch aus dem Kader hinauskomplementiert, blüht Sahin unter Bosz wieder auf.

Das ist aber auch dringend nötig, fehlt es im zentralen BVB-Mittelfeld bislang noch an Tiefe. Zwar stehen mit Julian Weigl und Linksverteidiger Guerreiro zwei prominente Alternativen im Kader, beide sind aktuell aber noch verletzt und fallen wochenlang aus.

Hoffnung setzen die BVB-Verantwortlichen deshalb auch in Mo Dahoud. Der 10-Millionen-Euro-Neuzugang aus Mönchengladbach ist nach seinem Urlaub nach der U21-Europameisterschaft seit vergangenem Freitag im Training.

Er braucht in Bad Ragaz sicherlich noch Zeit, um sich an seine neuen Mannschaftskammeraden zu gewöhnen. Zeit, die der BVB und Neu-Trainer Bosz eigentlich nicht mehr haben.

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