Die Testspiel-Niederlage in Essen zeigt, dass Trainer Peter Bosz und Borussia Dortmund noch viel Arbeit vor sich haben. Auch außerhalb des Platzes gibt es Baustellen.

von Christoph Küppers

90 Minuten lang hielt sich Peter Bosz zurück. Mit konzentriertem Blick verfolgte der neue Trainer von Borussia Dortmund auf der Trainerbank die 2:3-Niederlage im Testspiel bei Regionalligist Rot-Weiß Essen.

Nach Abpfiff legte Bosz diese Zurückhaltung aber schnell ab: "Das war enttäuschend. Ein Verein wie Borussia Dortmund muss gegen einen Viertligisten gewinnen. Wir werden jetzt hart arbeiten müssen."

38 Tage bleiben dem Niederländer bis zum ersten Bundesligaspiel beim VfL Wolfsburg. SPORT1 nennt die dringendsten Aufgaben.

- Das Defensivverhalten

Natürlich darf man die Testspiel-Niederlage nicht überbewerten. Vier Tage zuvor war Bosz mit der neuen Mannschaft in intensive Trainingseinheiten gestartet.

Aber: Das fehlerhafte Defensivverhalten gestandener Bundesligaspieler wie Ömer Toprak, Sokratis oder Marcel Schmelzer in Essen entschuldigt das nicht. Bei allen drei Gegentoren funktionierten Abstimmung oder Zuordnung in der Defensive nicht perfekt. Dazu kamen viele einfache Ballverluste im Mittelfeld.

Schmelzer gab nach dem Spiel zu: "Das Spiel hat einige Dinge aufgezeigt, an denen wir arbeiten müssen." Konkret werden wollte der Linksverteidiger nicht: "Der Trainer wird uns in der Nachbearbeitung sagen, was er nicht gut fand. Er hat eine andere Philosophie als in den letzten Jahren. Deshalb lasse ich mich da überraschen."

Bosz wird den Fokus in den kommenden Wochen auch auf die Defensive legen müssen. Denn schon in der vergangenen Saison kassierte der BVB 40 Gegentore - zu viel, um höchsten Ansprüchen zu genügen.

- Die Spielphilosophie

"Dass die Spieler meine Philosophie schon kennen, ist noch nicht möglich. In vier Tagen geht das nicht", sagte Bosz in Essen. Die Eingewöhnungszeit beim BVB läuft also.

In Essen ließ der Trainer seine Mannschaft im 4-3-3-System mit klassischer Viererkette, einem etwas zurückgezogenen Sechser (zunächst Sahin, dann Bender) und zwei etwas offensiveren Achtern spielen. Boszs bisherige Trainer-Stationen geben Grund zur Annahme, dass er bei diesem System bleibt.

Jetzt muss die spielerische Idee mit Leben gefüllt werden. Die erste Hälfte in Essen missfiel Bosz noch: "Das war alles zu langsam, nicht aggressiv genug." Heißt: Bosz will schnellen, offensiven und druckvollen Fußball sehen.

- Der Kader

Weiterhin ein Problem: Der BVB hat zu viele Spieler. 31 Akteure zählt der Kader nach der Ausleihe von Talent Dzenis Burnic (VfB Stuttgart) und dem wahrscheinlichen Abschied von Joo-Ho Park (trainiert schon bei der U23).

Das Casting unter Bosz läuft auf Hochtouren. Zwar wird der Trainer den Kader aufgrund der langfristigen Verletzungen von Julian Weigl, Marco Reus und Raphael Guerreiro nicht radikal verschlanken.

Spätestens nach der Asienreise, wenn auch die U21-EM-Teilnehmer Mo Dahoud, Maximilian Philipp und Mikel Merino zurückkehren, wird es aber weitere Abgänge geben. Kandidaten bleiben Neven Subotic, Sebastian Rode oder Emre Mor.

Dazu steht nach wie vor ein riesiges Fragezeichen hinter Top-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang. Geht oder bleibt der Superstar? Bei einem Abgang stellt sich die Frage nach einem möglichst starken Ersatz.

- Die Asienreise

Eine Herausforderung ist auch die Asienreise der Borussia. Um 15.45 Uhr bricht der BVB-Tross von Dortmund über Frankfurt zum siebentägigen Trip durch Japan und China auf. Es ist die dritte schwarzgelbe Asienreise in Folge.

Perfekt passt die Reise nicht in die wichtige Anfangszeit der Saisonvorbereitung, in der sich Trainer und Team finden müssen. Neben äußerst knappen Regenerationsphasen (gut 22.000 Flugkilometer, über 29 Flugstunden), macht das asiatische Klima intensive Trainingseinheiten fast unmöglich.

Der japanerprobte Bosz (spielte eineinhalb Jahre bei JEF United) beschwert sich aber nicht. "Ich nehme die Sachen, wie sie sind. Als ich kam, stand das Programm schon fest – also machen wir das", sagte Bosz auf SPORT1-Nachfrage: "Ich weiß, dass es dort jetzt heiß ist. Aber wir werden das schon schaffen."

Marcel Schmelzer, der schon 2015 und 2016 in Asien dabei war, sieht das ähnlich: "Es ist schwierig bei den Bedingungen Konditionseinheiten zu machen. Aber natürlich kann man dort gut an der Taktik und ein paar Abläufen arbeiten."

Wie häufig der BVB in Asien trainiert, steht nach SPORT1-Informationen noch nicht fest. Die äußeren Umstände (Wetter, Klima) entscheiden über Häufigkeit und Intensität. Neben Sponsoren- und Marketing-Verpflichtungen stehen zwei Testspiele gegen Urawa Reds (15.07.) und den AC Milan (18.07., live auf SPORT1) auf dem Programm.

Eine Woche nach der Rückkehr am kommenden Mittwoch geht es dann in ein zweites, lauf- und arbeitsintensiveres, Trainingslager nach Bad Ragaz in die Schweiz (26.07.-02.08.).

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