München - Uli Hoeneß sinniert über Mega-Transfers. Berater werden an der Säbener Straße vorstellig. Bei Bayern wird es ernst in Sachen Transfers. SPORT1 analysiert die Planspiele.

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Zu Mobiltelefonen pflegt Uli Hoeneß nicht das innigste Verhältnis. Als der Bayern-Präsident das letzte Mal über Handys und Smartphones herzog, fielen drastische Worte wie "ein totaler Scheiß". Gut möglich, dass Hoeneß' Beziehung zu technischem Equipment schon bald eine andere sein wird. 

Wenn der FC Bayern den Transfermarkt im Sommer nur annähernd so aufmischt, wie sich Mitte Mai andeutet, dann werden die Bosse in den kommenden Wochen ziemlich viel zu besprechen haben - mit neuen Stars, ihren Beratern, untereinander. Und das geht nicht immer von Angesicht zu Angesicht.

Mitte der Woche wollen sich die Verantwortlichen zum Gipfel treffen, danach verabschiedet sich Trainer Carlo Ancelotti erstmal in den Urlaub.

Die personelle Zukunft des Rekordmeisters wird sicher auch am Telefon entschieden - und spätestens da will Hoeneß ein Wörtchen mitreden. SPORT1 bewertet die Planspiele und möglichen Zugänge.

Wettbieten um Alexis Sanchez

Eine Frage, die Fans und Beobachter dieser Trage umtreibt: Nimmt der FC Bayern zur neuen Saison im großen Stil Geld für neue Spieler in die Hand?

Im Vergleich zu internationalen Top-Klubs haben sich die Münchner diesbezüglich in den vergangenen Jahren zurückgehalten. Jetzt, da sich der sportliche und wirtschaftliche Konkurrenzkampf zuspitzt, findet offenbar ein Umdenken der Verantwortlichen statt. 

"Wir haben einen Kader, wenn man den verstärken will, muss man schon ziemliche Granaten kaufen", verkündete Hoeneß im Bayerischen Rundfunk

Eine dieser Granaten ist Alexis Sanchez. Der Chilene, derzeit in Diensten des FC Arsenal, würde perfekt ins Anforderungsprofil des Klubs passen. Er käme nicht nur als adäquater Ersatz für Mittelstürmer Robert Lewandowski in Frage. Sanchez könnte je nach Bedarf auch als hängende Spitze oder auf dem Flügel agieren. 

Das Problem: Der 28-Jährige zählt zu der Sorte von Superstars, für die laut Hoeneß "Summen bezahlt werden, die wir nicht für möglich gehalten haben".

Aus Branchenkreisen ist zu hören, die Bayern seien bereit, 65 Millionen Euro Ablöse zu zahlen. Ein Preis, den das Festgeldkonto problemlos bereit hielte. Größere Probleme dürften den Münchnern da schon Sanchez' Gehaltsvorstellungen bereiten.

In englischen Medien war zuletzt zu lesen, der Spieler verlange jährlich 22 Millionen Pfund für seine Dienste. Die Summe entspräche knapp 26 Millionen Euro. Ein solches Salär hat der Rekordmeister bislang noch keinem Spieler gezahlt. 

Und doch sinnierte der Präsident im ZDF-Sportstudio: "Vielleicht wird es etwas geben, was es beim FC Bayern bisher noch nicht gegeben hat." Wenn Hoeneß einen großen Deal wittert, will er eben bis zum Schluss mitzocken.

Für Sanchez' Landsmann Arturo Vidal ist die Sache klar. "Als Bayern mich gefragt hat, habe ich gesagt, dass er ein Spieler ist, der hier spielen muss", wird Vidal in der spanischen Zeitung Sport zitiert.

Verratti als idealer Alonso-Ersatz

Seitdem Xabi Alonso am Samstag unter tosendem Beifall seinen Dienst quittierte, läuft das Nachfolger-Casting im Mittelfeld auf Hochtouren.

Joshua Kimmich trauen sie die Rolle auf der Sechs intern nicht zu. Zumindest nicht in der Form, wie sie der Spanier ausgefüllt hat. Andernfalls wäre die Diskussion um einen möglichen Abgang des Nationalspielers erst gar nicht so hochgekocht. 

Wer aber soll es dann machen? Ein in München ansässiger Kolumnist schrieb kürzlich: "Ein Xabi-Alonso-Ersatz? Der lässt sich nicht kaufen." 

Im Volkswagen Doppelpass brachte Christoph Metzelder dennoch zwei Alternativen ins Spiel: "Marco Verratti oder Adrien Rabiot von Paris wären Kandidaten für diese Position."

Der Name Verratti fällt in München häufiger in letzter Zeit. Abgesehen von dieser Saison war der Italiener Serienmeister mit PSG. Was den 24-Jährigen bei Bayern so begehrt macht: Er vereint die Aggressivität eines Jeremies, die Leader-Fähigkeiten eines van Bommels und die spielgestalterischen Fähigkeiten eines Alonsos in einer Person. Nicht wenige sehen in ihm den perfekten Sechser. 

Den Ausschlag für einen Wechsel könnte sein guter Draht zu Ancelotti geben. Unter seinem Landsmann als Trainer gewann Verratti 2012/13 den Titel. 

Wie sagte Christoph Metzelder im Volkswagen Doppelpass? "Es liegt am Trainer, welche Spieler kommen. Und die Aussicht, die Champions League zu gewinnen." Bei beiden Angelegenheiten hätte Verratti in München nicht die schlechtesten Bedingungen. 

Goretzka als Zukunftsinvestition

Was immer Spielerberater Jörg Neubauer unter der Woche mit seinem Besuch an der Säbener Straße bezweckte, das Gerede um seinen Klienten Leon Goretzka wird er nicht mehr aus der Welt bekommen. 

Der Schalker befindet sich offenbar schon in fortgeschrittenen Verhandlungen mit den Bayern, auch wenn Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge beteuerte: "Er ist ein Spieler von Schalke 04 bis 2018 und das werden wir immer respektieren!" 

Tatsächlich wäre Goretzka mal wieder eine dieser Nachwuchshoffnungen, die Bayern der nationalen Konkurrenz wegschnappt. In einer desaströsen Schalker Saison war der 22-Jährige der einzige Lichtblick. Da die Knappen das internationale Geschäft verpasst haben, gibt es nicht mehr viel, das ihn auf Schalke hält. 

Im Volkswagen Doppelpass sagte der frühere S04-Profi Metzelder vielsagend: "Das Problem ist, dass die Spieler ihre Verträge nicht mehr verlängern. Die Spieler schauen darauf, wer demnächst geholt wird, welche Stars kommen. Und dann gehen sie, wenn sie keine Perspektive mehr sehen." Er spielte vor allem auf Goretzka an.

Im Schatten von Thiago, Robben, Ribery und womöglich auch bald Sanchez könnte sich das Offensivtalent an internationales Top-Niveau herantasten, um dann zur Stelle zu sein, wenn bei Bayern der ganz große Umbruch ansteht.

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