Marcel Reif (l.) hinterfragt die Mentalität der Wolfsburger Profis © SPORT1 / Getty Images

SPORT1-Experte Marcel Reif bewertet in seiner Kolumne den dramatischen Abstiegskampf. Über den abgetretenen Philipp Lahm ist er voll des Lobes.

Hallo Fußball-Freunde,

an diesem 34. Spieltag ist ein ganz großer Spieler von der Fußball-Bühne abgetreten. Die Lücke, die Philipp Lahm hinterlässt, wird deutlich spürbar werden - für den FC Bayern, aber auch für den deutschen Fußball insgesamt. 

Der hat nicht einen eitlen Pass gespielt in seiner Karriere. Diese Fähigkeit, sich so zurückzunehmen und sich für die Mannschaft einzubringen, ist das Einzigartige an diesem Spieler. Ein Lahm neigt nicht zu Überreaktionen. Der weiß immer, was er tut. Wer immer ihm nachfolgen will, muss nicht nur sein Talent, sondern auch seine Mentalität haben. 

Ein ganz anderes Thema des Saisonfinales: der dramatische Abstiegskampf. Nun hat es also den VfL Wolfsburg erwischt, der noch irgendwie versuchen muss, sich in der Relegation zu retten.

Wer Mario Gomez nach dem Spiel in Hamburg zugehört hat, hat vernommen, was das Problem der Mannschaft ist: Er hat den eigenen Kollegen nicht mangelnde Leidenschaft, sondern fehlende Mentalität vorgeworfen. Das sagt vieles aus. 

Es ist nicht verwerflich für einen Profi-Fußballer, dahin zu gehen, wo man viel Geld verdient. Die Frage ist: Was machst du daraus, wenn du einmal da bist? Und hier sehe ich bei vielen Spielern - ähnlich wie Gomez - ein großes Problem mit der Mentalität. Wird man das los, wenn man in die Zweite Liga absteigt und Leute wie Rodriguez 'Auf Wiedersehen' sagen? Das bezweifle ich stark. 

Der HSV hat einmal mehr Glück gehabt. Das Foul von Kyriakos Papadopoulos an Maximilian Arnold in der Nachspielzeit ist versuchte Körperverletzung. Dafür darf man auch Elfmeter pfeifen. Und dann gleich Gelb-Rot hinterher. Erst für das Foul und den Elfmeter und dann für diesen Zirkus, den Gegner auch noch zu beschimpfen. Ein Foul kann immer mal passieren. Aber der Zirkus danach, da sage ich: Noch eine Gelbe und raus. So lange, bis so etwas aufhört.

Zum Abschluss noch ein Wort zum Schiedsrichter: Der DFB hat Manuel Gräfe mit dieser Aufgabe sicherlich keinen Gefallen getan. Ein schwierigeres Spiel als dieses kann es gar nicht geben. Dafür hat er es prima gemacht.

Die Begründung, andere Schiedsrichter nicht in so ein schwierigeres Spiel schicken zu wollen, zählt für mich aber nicht. Die strittigen Szenen kann man auch anders bewerten. Wenn das jetzt Thema wäre, hätte Gräfe ein größeres Problem.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit dieser Saison begleitet Marcel Reif als Experte den Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

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