Reiner Calmund (l.) sieht Thomas Tuchel als Kandidat bei Bayer Leverkusen
Reiner Calmund (l.) sieht Thomas Tuchel als Kandidat bei Bayer Leverkusen © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago

München - Wo kann Thomas Tuchel nach dem Aus beim BVB arbeiten? Reiner Calmund sieht ihn als möglichen Leverkusen-Coach. Bei SPORT1 erklärt er, worauf der Klub achten müsste.

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Reiner Calmund, langjähriger Manager von Bayer Leverkusen, kann sich Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel gut als neuen Coach der Werkself vorstellen.

"Für beide Seiten wäre das eine attraktive Lösung. Für Tuchel wäre es der attraktivste Bundesliga-Klub, den er kriegen kann", sagte Calmund SPORT1: "Und für Leverkusen wäre Tuchel einer der attraktivsten Trainer. Es gibt sicherlich noch ein paar andere. Man müsste sehen, ob beide wollen und ob die Chemie stimmt."

Der 68-Jährige weiter: "Bayer Leverkusen ist trotz der unbefriedigenden Saison bei der Trainersuche in der absoluten Pole Position. Dortmund ist der attraktivere Verein. Aber danach würde es jedem Trainer, der sich für die Bundesliga interessiert, nicht schwer fallen, nach Leverkusen zu gehen. Die Trainerposten bei den Klubs unter den ersten sechs, sieben sind alle besetzt."

"Eine denkbare Lösung"

Leverkusen hatte sich nach dem letzten Saisonspiel von Interimstrainer Tayfun Korkut getrennt. Calmund sieht Bayer trotz Platz 12 in der abgelaufenen Saison immer noch als Top-Klub: "Leverkusen ist trotz der schlechten Saison ein erstklassiger Klub. Auch mit vielen Möglichkeiten, wieder ins internationale Geschäft zu kommen. Und Tuchel ist ein erstklassiger Trainer. Ob das zwischen den beiden passt, das müssten die Protagonisten erörtern. Es wäre eine denkbare Lösung."

Tuchel war trotz einer erfolgreichen Saison in Dortmund am Dienstag entlassen worden, BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte danach erklärt, man habe sich "in der Zusammenarbeit mit dem Trainerteam auch aufgerieben".

Ob es aufgrund von Tuchels Persönlichkeit auch in Leverkusen schwierig werden könnte? Calmund sieht Bayer-Sportdirektor Rudi Völler in der Verantwortung, das Risiko früh abzuschätzen: "Worauf Rudi Völler mit seinem Team achten müsste, ist: Wie ist es zwischenmenschlich? Was gibt es da für Probleme?"

Calmund: Tuchel "wurde nicht beschädigt"

Durch die Entlassung und das Zerwürfnis mit den BVB-Bossen ist Tuchels Image für Calmund nicht beschädigt worden: "Er wurde nicht beschädigt. Er hat seinen Erfolg gehabt. Es hat eben zwischenmenschlich nicht geklappt, das passiert in den besten Familien."

Der Ex-Manager sieht Tuchel als exzellenten Fußball-Fachmann: "Als Trainer ist er für mich eigentlich unantastbar, die rein persönlichen Dinge könnte man sicherlich bei den Sondierungsgesprächen erörtern. Dann könnte man sagen: Ist das für uns akzeptabel?"

Über Tuchels Aus in Dortmund meinte Calmund: "Man sollte das jetzt auch nicht übertreiben. Ich habe oft mit ihm zu tun gehabt. Bei so etwas gibt es immer zwei Schuldige. Seine zwei Jahre in Dortmund waren positiv und fruchtbar. Er hat keinen aufgefressen oder silberne Löffel geklaut!"

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