Pierre-Emerick Aubameyang zeigt sich vor der Dortmunder Südkurve von seiner emotionalen Seite. Dank lukrativer Angebote wird ein Transfer im Sommer immer wahrscheinlicher.

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Als Pierre-Emerick Aubameyang vor den 81.000 BVB-Fans die Torjägerkanone in den Himmel reckte, kullerten beim notorischen Spaßvogel die Tränen über die Wangen.

Freudentränen, "lacrime di gioia", seien das vor der Südkurve gewesen, wie der Stürmer von Borussia Dortmund später glaubhaft versicherte. Für den gemeinen Beobachter wehte bei der Szene jedoch bereits ein Hauch von Abschied durch den Signal Iduna Park, was auch die Aussagen im Anschluss verdeutlichten.

"Nach dem Pokalfinale spreche ich mit dem Verein - und dann entscheide ich", so lautete die offizielle Verlautbarung von Sprecher Massimo Mariotti, als er Aubameyangs Worte frei interpretiert übersetzte.

In Wahrheit sagte Aubameyang aber auf italienisch, er wisse es noch nicht, "das werden wir im Laufe der Woche sehen". Das war als Aussage dann selbst dem Übersetzer zu heikel, weshalb er diese kurzerhand eigenmächtig entschärfte. 

Für SPORT1-Experte Steffen Freund sind die Worte des Angreifers nicht nachzvollziehen. "Es ist wirklich erstaunlich, dass er ankündigt, seine Entscheidung vor dem wichtigsten Spiel der Saison bekanntzugeben", so der Ex-BVB-Profi in der Telekom Spieltaganalyse

Auba Dortmunds Mr. Unverzichtbar

Zuvor schoss Dortmunds Mr. Unverzichtbar allerdings seinen Verein in die Champions League und krönte sich zum ersten Mal in seiner Karriere zum Torschützenkönig in der Bundesliga.

31 Treffer gelangen Aubameyang in dieser Saison, damit stellte der 27-Jährige sogar den Vereinsrekord von Lothar Emmerich aus der Saison 1965/66 ein, 118 Tore in 185 Pflichtspielen stehen nun insgesamt zu Buche.

Doch die Zeichen, dass das Pokalfinale am Samstag gegen Frankfurt Aubameyangs letztes Spiel im Trikot der Schwarz-Gelben sein wird, verdichten sich. Trotz Vertrages bis 2020. Zu lukrativ scheinen die Optionen für den begehrten Gabuner.

China und PSG locken

Interesse gibt es allen voran von Tianjin Quanjian, wo Geld nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint.

Laut France Football sollen die Chinesen bereit sein, über 80 Millionen Euro für den Torjäger zu zahlen, womit die selbst auferlegte finanzielle Schmerzgrenze beim BVB erreicht wäre.

"Ich finde nicht, dass Aubameyang ein Spieler ist, der jetzt schon nach China gehen sollte", sagt SPORT1-Experte Thomas Strunz in der Telekom Spieltaganalyse zwar. "Ich glaube aber, dass er nach dem Pokalfinale bekanntgeben wird, dass er den Verein wechselt."

Dass den BVB-Bossen bei einem Gespräch mit Aubameyang angesichts der kursierenden 40 Millionen Euro Jahresgehalt schnell die Argumente ausgehen könnten, dafür braucht man wahrlich kein Prophet zu sein.

Rund vier Millionen Euro verdient Aubameyang derzeit beim BVB pro Jahr, Peanuts im Vergleich zu den exorbitanten Summen aus dem Reich der Mitte. 

Mindestens verdoppeln könnte Aubameyang sein BVB-Gehalt auch bei Paris Saint-Germain.

Der Scheich-Klub ist nach der Meisterschaft des AS Monaco ebenfalls stark am Gabuner interessiert und will mit einer Verpflichtung des Ausnahmestürmers wieder an den Monegassen vorbeiziehen.

Mailand der lachende Dritte?

Aber es gibt noch einen Dritten im Bunde beim Kampf um den BVB-Stürmer: Den AC Mailand.

Die Italiener wollen durch den Einstieg von chinesischen Investoren wieder zu altem Glanz zurückfinden.

Zwar hat das einstige Aushängeschild Italiens in den letzten Jahren an Strahlkraft verloren, in Aubameyangs Leben spielt die Modemetropole aber eine übergeordnete Rolle, was zum Joker für den Traditionsklub werden könnte.

Immer wieder jettet Aubameyang zum Shoppen und Feiern nach Milano, wo auch Teile seiner Familie, unter anderem Bruder Willy wohnen. Derartige Ausflüge nahm man beim BVB in der Vergangenheit immer wieder zähneknirschend zur Kenntnis. Dazu kommt: Bei den Rossoneri wurde Aubameyang groß, spielte im Verein bis zu seinem 22. Lebensjahr.

So oder so: Alle drei Optionen wären für Lebemann Aubameyang finanziell ein Quantensprung.

Einziges Trostpflaster für den BVB: Real Madrid, der erklärte Wunschverein Aubameyangs, soll durch das Veto von Trainer Zinedine Zidane vorerst Abstand von einer Verpflichtung genommen haben.

Wer könnte Aubameyang ersetzen?

Also: Der BVB, und danach sieht es nach jetzigem Stand aus, muss sich im Sommer wohl um einen Ersatz für seinen Topstürmer bemühen.

Alexandre Lacazette, der dabei ganz oben auf der Liste stehen soll, wird es zumindest schon einmal nicht werden.

Wie Lyons Präsident Jean-Michel Aulas verriet, soll sich der französische Nationalstürmer mit Atletico Madrid einig sein. Lediglich die drohende Transfersperre für die Colchoneros könnte einen Transfer noch verhindern.

Dem BVB droht also ein erneuter Umbruch im Sturmzentrum, wie vor drei Jahren, was jedoch gründlich in die Hose ging.

Beim BVB entschied man sich damals für Ciro Immobile als Ersatz für Robert Lewandowski. Folge: Man landete vorerst im Tabellenkeller, Aubameyang schließlich im Sturmzentrum und Immobile kehrte in seine Heimat zurück.

Favre steht in den Starlöchern

Personell beginnen beim BVB nun also die heißen Wochen, alles andere als ein Abschied von Trainer Thomas Tuchel wäre eine große Überraschung.

Zumindest auf dieser Position scheint sich der BVB aber bereits auf Lucien Favre festgelegt zu haben.

Sollte der Schweizer, aktuell noch beim OGC Nizza unter Vertrag, tatsächlich ab Sommer übernehmen, wäre seine erste Amtshandlung im Gespann mit Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dann gleich eine Mammutaufgabe: Einen Nachfolger für Pierre-Emerick Aubameyang zu finden.

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