München - Wie teuer wird die Trennung von Thomas Tuchel für Borussia Dortmund, welche Gründe gab es und wer wird Nachfolger? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

von

Am Ende ging alles ganz schnell: Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund.

Dies ist das Ergebnis des lange geplanten Krisentreffens am Dienstagmittag mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc.

Tuchel bestätigte dies kurz danach auf seinem erst wenige Stunden zuvor eröffneten Twitter-Account.

"Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht", wird Tuchel dort zitiert:

"Danke an die Fans, an die Mannschaft, an den Staff und an alle, die uns unterstützt haben. Wünsche dem BVB alles Gute. TT."

Treffen dauerte nur 20 Minuten

Das Meeting, an dem auch Tuchels Berater Olaf Meinking teilnahm, war bereits nach rund 20 Minuten beendet - weil die Trennung schon vorher feststand.

Ungeachtet des Pokal-Triumphs in Berlin, eines noch bis 2018 laufenden Vertrags und des jüngsten Bekenntnisses von Tuchel zum BVB war das Verhältnis zu den Vereinsbossen nicht mehr zu kitten.

Wie geht es nun weiter? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

- Wie teuer wird die Trennung?

Allein Tuchel soll rund vier Millionen Euro pro Jahr verdient haben plus Erfolgsprämien (u.a. 500.000 Euro für den Pokalsieg).

Hinzu kommt sein Trainerteam mit Assistent Arno Michels, Athletik-Trainer Rainer Schrey und Video-Analyst Benjamin Weber, für das es ebenfalls keine Zukunft mehr gibt.

Nach Angaben der Bild-Zeitung ist eine Abfindung von 2,9 Millionen Euro vertraglich festgeschrieben, die WAZ hingegen schreibt von weniger als zwei Millionen Euro.

- Welche Rolle spielte die Mannschaft?

Die meisten Spieler, allen voran die Routiniers, waren schon seit längerem mit Tuchels Personalführung nicht mehr einverstanden und sollen sich auch mehrfach bei Watzke und Zorc beschwert haben.

Einige sollen sogar mit ihrem Abschied gedroht haben, wenn der Trainer bleibt. Meldungen, dass er dem Team kürzlich die Vertrauensfrage gestellt und keinen Widerspruch geerntet habe, musste Tuchel - angeblich auf Druck der Mannschaft - am Samstagabend dementieren.

"Das mit der Vertrauensfrage ist Blödsinn", sagte er nach dem DFB-Pokalfinale gegen Frankfurt. Zu diesem Zeitpunkt war das Verhältnis zum Team bereits endgültig zerrüttet.

Grund: Die überraschende Ausbootung von Nuri Sahin. Danach stellte sich Kapitän Marcel Schmelzer deutlich gegen den Coach: "Wir alle stehen hinter Nuri."

- Welche Konsequenzen hat die Trennung für die BVB-Bosse?

Vor allem der ohnehin bei vielen Anhängern umstrittene Watzke dürfte heftig in der Kritik stehen. Schließlich hat Tuchel mit Pokalsieg und Champions-League-Teilnahme die Saisonziele übererfüllt und ist statistisch sogar erfolgreicher als Vorgänger Jürgen Klopp.

Negativ wird der Vereinsführung zudem von einigen Seiten der Aderlass aus dem Trainerstab vorgehalten. Nach David Wagner verlor der BVB im Herbst Hannes Wolf, der gleich mit dem VfB Stuttgart aufstieg, und aktuell U-23-Coach Daniel Farke, der zum englischen Zweitligisten Norwich City geht.

Watzkes offener Brief an die Fans, in dem er deutlich mit Tuchel abrechnet, ist daher ein Versuch, das verloren gegangene Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

- Was wird aus Tuchel?

Angeblich soll Bayer Leverkusen bereits bei Tuchels Berater angefragt haben, ob Interesse am vakanten Trainerposten besteht - laut Rheinischer Post soll sich der Noch-Coach des BVB sehr interessiert gezeigt haben.

Ein schneller Wechsel könnte Tuchel helfen, seinen durch die Entwicklungen in Dortmund etwas angekratzten Ruf wieder aufzupolieren. Leverkusens Team hat Potenzial und die Top-Jobs im Ausland sind derzeit ohnehin besetzt, zumal auch Arsene Wenger bei Arsenal vor der Vertragsverlängerung steht.

Denkbar ist jedoch auch eine Auszeit wie schon vor seinem Engagement in Dortmund.

- Wer wird Nachfolger in Dortmund?

Nach Angaben der WAZ sollen die Borussen über Mittelsmänner bei Julian Nagelsmann angefragt haben, dieser zeigte sich grundsätzlich interessiert, sagte aber mit Blick auf seinen laufenden Vertrag in Hoffenheim ab.

Als Favorit gilt nun Lucien Favre sein, der in Mönchengladbach erfolgreich mit Marco Reus und BVB-Neuzugang Mo Dahoud zusammenarbeitete und schon häufiger seine Wertschätzung für die Dortmunder zum Ausdruck gebracht hat.

Allerdings besitzt der Schweizer bei OGC Nizza noch einen Vertrag bis 2019 und Sportchef Julian Fournier hat SPORT1 gegenüber mehrfach bekräftigt: "Favre wird nächste Saison unser Trainer sein."

In jedem Fall müssten die Dortmunder eine Ablöse zahlen, im Gespräch sind bis zu fünf Millionen Euro. Zusammen mit der Abfindung für Tuchel und sein Trainerteam enorm viel Geld, zumal auch Favre als eher schwieriger Charakter gilt.

Für Aufsehen sorgte zudem das fast zeitgleich zur Trennung von Tuchel bekannt gegebene Aus des ehemaligen BVB-Profis Paul Lambert beim englischen Zweitliga-15. Wolverhampton Wanderers.

Allerdings ist ein Wechsel des Schotten auf den Dortmunder Chefposten nahezu ausgeschlossen.

Als Alternativen werden derzeit zahlreiche Namen gehandelt, allen voran Peter Bosz (Ajax Amsterdam), Peter Stöger (Köln), Niko Kovac (Frankfurt) sowie die Ex-Dortmunder Paulo Sousa (AC Florenz) und David Wagner (Huddersfield) - bei allen sprechen aber unter anderem die laufenden Verträge ebenfalls gegen eine schnelle Einigung.

Weiterlesen