München - In Hoffenheim bildeten Mäzen und Trainer einst ein Erfolgsduo. Doch es kam zum Bruch. Heute attackieren sich beide öffentlich. SPORT1 erklärt den Zoff.

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Das Wörtchen "Dissens" erlangt unter Fußballern langsam eine gewisse Berühmtheit. 

Seit kurzem steht es als Synonym für den Zoff zwischen Thomas Tuchel und Hans-Joachim Watzke. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Trainer von Borussia Dortmund am Ende der Saison genau deshalb seinen Job los ist.

Am Mittwoch nun fiel er schon wieder, dieser Begriff "Synonym". Verwendet hat ihn Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick. Er war Teil seiner Verteidigungsrede gegen seinen früheren Vorgesetzten Dietmar Hopp. Dem Mäzen von 1899 Hoffenheim attestierte Rangnick via Bild einen "offensichtlichen Dissenz in der Wahrnehmung". 

Es war die Antwort auf eine verbale Breitseite Hopps in der Sport Bild. Dort hatte der Milliardär seinem einstigen Trainer und Sportdirektor, mit dem er in Hoffenheim den Durchmarsch bis in die Bundesliga schaffte, vorgeworfen, finanzielle Mittel verprasst zu haben.

Einen 30-Millionen-Deal mit Mario Gomez, den Rangnick einfädeln wollte, soll Hopp persönlich verhindert haben. "Er hat das Geld mit vollen Händen ausgegeben", monierte Hopp in der Sport Bild und sagte in Bezug auf sein Verhältnis zu Rangnick: "Wir haben kein Verhältnis mehr zueinander."

Der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Konflikt ist der vorläufige Höhepunkt eines Zerwürfnisses zweier einstiger Weggefährten. SPORT1 erklärt die Hintergründe. 

Mit dem Absturz fing alles an

Was hatte Hoffenheim 2008 in seiner ersten Bundesliga-Saison für eine furiose Hinserie gespielt. Am Ende ging der Aufsteiger sogar als Herbstmeister in die Winterpause. 

Im neuen Jahr folgte der Einbruch. Die TSG rutschte auf Platz sieben ab, verpasste sogar das internationale Geschäft. Auch weil sich Hopp über Weihnachten gesträubt hatte, personell und finanziell nachzurüsten. 

Nach einem 0:4 in Wolfsburg im Mai 2009 polterte Rangnick: "Ich gebe mich nicht mit Mittelmaß zufrieden und bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen."

Rangnick behauptete seinerzeit: "Meine Vorgabe war, dass ich Hoffenheim in die Bundesliga führe. Mir wurde gesagt: 'Dann geht es richtig los'."

Hopp indes fühlte sich angegriffen und zählte den Coach öffentlich an: "Ich lasse mich nicht erpressen. Es ist der falsche Zeitpunkt, wenn der Trainer nach solch einer Vorstellung sein Bleiben infrage stellt." Das Verhältnis der beiden erhielt erste Risse.

Vertrauensbruch bei Gustavo-Wechsel

Fortan waren Rangnicks sportliche Ambitionen immer weniger mit den unternehmerischen Leitlinien Hopps vereinbar: Während der Trainer mit aller Macht ins internationale Geschäft strebte und dafür Geld locker machen wollte, behielt Hopp seine Maxime bei: Als Ausbilderverein war und ist Hoffenheim stets darauf bedacht, sich über Transfererlöse selbst zu finanzieren.

Zum Jahresende 2010 eskalierte der schwelende Konflikt. Der Wechsel von Luiz Gustavo zum FC Bayern wurde öffentlich. Rangnick wollte den Brasilianer unter allen Umständen halten. Dass Hoffenheim ihn dennoch verkaufte, wertete der Trainer als endgültigen Vertrauensbruch. 

Später gab er zu Protokoll: "Als Luiz Gustavo hinter meinem Rücken, entgegen unserer Absprache, im Winter verkauft wurde, habe ich Dietmar um Auflösung meines Vertrages gebeten." Hopp verharrt seit jeher auf dem Standpunkt, dass Rangnick in den Deal eingeweiht gewesen sei.

Rangnick wirbt TSG-Mitarbeiter ab

Im späten Dezember hatten beide die Nase voll voneinander. Auch Hopp von Rangnick. "Bei seinen sportlichen Verdiensten hat er es nicht verdient, entlassen zu werden. Er sollte von sich aus gehen", sagte er der Sport Bild mit Blick auf damals. 

Rangnick nahm die Einladung nach anfänglichem Zaudern an und warf am Neujahrstag 2011 hin. Doch seine Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten.

Als er als Sportdirektor bei RB anheuerte, erst in Salzburg, später in Leipzig, folgten ihm nach und nach alte Weggefährten aus Hoffenheim. "Rangnick hat ein Dutzend Mitarbeiter nach Leipzig geholt, die zuvor bei der TSG beschäftigt waren", klagte Hopp im vergangenen Herbst im kicker. Dieser Stachel sitzt offenbar noch heute tief.

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