Carlo Ancelotti (M.) muss mit dem FC Bayern einen Umbruch bewältigen © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Getty Images/iStock

München - Nach dem Aus in der Champions League gegen Real Madrid steht beim FC Bayern ein Umbruch an. Auf Trainer Carlo Ancelotti warten dabei einige Baustellen.

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Als Bayern-Trainer Carlo Ancelotti Xabi Alonso in der 75. Spielminute zur Auswechslung rief, hielt es im Santiago Bernabeu niemanden mehr auf seinem Sitz.

In seinem ehemaligen Wohnzimmer verabschiedeten 80.000 Zuschauer den ehemaligen Real-Profi mit Standing Ovations.

Thomas Müller betrat für ihn das Feld, mit 27 Jahren auch kein Jungspung mehr. Dennoch symbolisierte die Auswechslung den Generationswechsel, der beim FC Bayern nach dieser Saison anstehen wird.

Denn neben Alonso beendet mit Philipp Lahm ein weiterer Weltstar im Sommer die Karriere.

"Einige Spieler sind in einem Alter, wo man nicht mehr lange auf diesem Niveau Fußball spielen kann", merkte der Kapitän auch mit Blick auf Arjen Robben und Franck Ribery zuletzt an. Deswegen werde irgendwann "ganz klar ein Umbruch anstehen".

Älteste Startelf ihrer Champions-League-Geschichte

Mit einem Altersdurchschnitt von knapp 30 Jahren stellten die Roten in Madrid die älteste Startelf ihrer Champions-League-Geschichte auf. Das erste Viertelfinal-Aus seit 2010/11 konnten auch die alten Haudegen nicht verhindern.

Die Zukunft des FC Bayern werden einige der Namen, die in dieser Saison noch im Münchner Kader stehen, nicht prägen - aus Alters- oder qualitativen Gründen. Mit den Weltmeistern Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller sowie Javi Martinez, deren Verträge allesamt bis 2021 laufen, steht das Gerüst der Mannschaft.

SPORT1 beleuchtet, wo es beim Rekordmeister Handlungsbedarf gibt:

Offensive Außenbahn

Franck Ribery und Arjen Robben befinden sich auf der Zielgeraden ihrer Karriere. Für ein Jahr unterschrieb die nicht jünger werdende Flügelzange nochmals beim Rekordmeister. Die beiden Kronprinzen Kingsley Coman und Douglas Costa stagnieren unter Ancelotti.

Auf keine 75 Minuten kommt der Brasilianer in den beiden Spielen gegen Real - ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Coman, der im Vorjahr noch Juventus Turin aus dem Wettbewerb schoss, durfte gar nur neun Minuten ran.

Zwar stellte Karl-Heinz Rummenigge in der Sport Bild klar, dass der geliehene Franzose für die festgeschriebene Ablösesumme von 21 Millionen Euro verpflichten wird. Angesichts seiner Leistungskurve ist es aber keine Überraschung, dass auch andere Namen mit den Bayern in Verbindung gebracht werden.

Spätestens 2018 soll Jung-Nationalspieler Julian Brandt von Leverkusen nach München wechseln. Auch mit Bremens Shootingstar Serge Gnabry soll es bereits eine Vereinbarung geben.

Außenverteidiger

"Wir haben Großes vor mit ihm in der Zukunft. Er wird bei uns Nachfolger von Philipp Lahm", sagte Rummenigge kürzlich über Joshua Kimmich, der sich selbst allerdings eher im zentralen Mittelfeld sieht.

Und dahinter? Stellvertreter Rafinha hat noch einen Vertrag bis 2018, ist mit 31 Jahren aber auch nicht mehr der Jüngste. Auf der linken Seite ist David Alaba in dieser Saison eine Unkonstante. Auch Juan Bernat ließ zu oft internationale Klasse vermissen, ein Abschied im Sommer ist nicht ausgeschlossen.

Zur neuen Saison kommt Nationalspieler Sebastian Rudy aus Hoffenheim, der jedoch nur zu seiner Zeit beim VfB Stuttgart Erfahrung in der Königsklasse sammeln konnte. Der Leverkusener Benjamin Henrichs, um den sich immer wieder Gerüchte ranken, wäre zudem eher eine Investition in die Zukunft, denn eine sofortige Verstärkung.

Mittelfeldzentrale

Vor zwei Jahren kam mit Arturo Vidal der letzte internationale Topstar an die Säbener Straße.

Gegen Real fiel der exzentrische Chilene aber wieder in ungeliebte Verhaltensmuster zurück. Seine Gelb-Rote Karte brach den Bayern im Rückspiel das Genick. Auch im Hinspiel war der 29-Jährige trotz Tores mit dem verschossenen Elfer das tragische Gesicht der Münchner.

Zur neuen Saison plant Ancelotti durch die Verpflichtung von Niklas Süle mit Javi Martinez im Mittelfeld.

Auch Kimmich könnte diese Rolle ausfüllen, ist aber rechts hinten eingeplant. Welche Rolle Europameister Renato Sanches spielen wird, steht dagegen in den Sternen. Ancelotti ist kein Fan des 19-Jährigen, verzichtete gänzlich auf ihn im wichtigsten Spiel der Saison gegen Real.

© iM Football

Ziehsohn Marco Verratti, mit dem Ancelotti bereits in Paris zusammenarbeitete, würde perfekt in das Schema passen. Auch wenn der Technische Direktor Michael Reschke der spanischen Zeitung El Pais sagte: "Diese Super-Transfers passen nicht zu unserer Philosophie".

Backup für Lewandowski?

Im Sturmzentrum ist Robert Lewandowski der unumstrittene Platzhirsch. Wenn der Pole fit ist - und das ist er meistens - ist er eine Tormaschine. Im Hinspiel gegen Real wurde er allerdings schmerzlich vermisst.

Von internationalen Topstars wie Antoine Griezmann oder Monacos Wunderkind Kylian Mbappe wird sich keiner der Konkurrenz Lewandowskis stellen.

Hoffenheims Sandro Wagner wäre ein Kandidat und einem Wechsel nach eigener Aussage nicht gänzlich abgeneigt.

Ancelotti der richtige Mann?

Der Italiener gilt als Moderator und Spielerfreund. Beim AC Mailand, Real Madrid und auch in Paris hatte der 57-Jährige mit fertigen Spielern stets Erfolg.

Ancelotti gilt allerdings nicht als Trainer, der Talente und eine Mannschaft entwickeln kann. Genau das braucht es jetzt aber in München. Dass der Italiener seinen Vertrag in München erfüllen wird, steht derzeit nicht in Frage. 

Als möglicher Nachfolger wird jedoch schon Julian Nagelsmann genannt, der in Hoffenheim eine Truppe aus Talenten vom Fast-Absteiger zum möglichen Champions-League-Teilnehmer formt. Ob er für die Münchner Zukunft steht? Es ist nicht auszuschließen.