München - Einmal mehr wird es keinen internationalen Titel für eine deutsche Mannschaft geben. Doch warum hinkt die Bundesliga in Europa derart hinterher?

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Als am Freitag in Nyon die Kugeln für die Halbfinals in Champions- und Europa-League gezogen wurden, musste die Bundesliga am Fernseher zuschauen.

Falls es denn überhaupt noch jemanden der Beteiligten interessiert hat.

Zu groß ist die Enttäuschung in Dortmund, München und Gelsenkirchen nach dem Aus im Viertelfinale - zum ersten Mal seit zwölf Jahren steht kein Bundesligist mehr in der Vorschlussrunde des Europapokals.

Wieder kein Titel für Deutschland

Aller Enttäuschung zum Trotz: Blamiert haben sich die deutschen Vertreter auf internationalem Parkett in diesem Jahr zumindest nicht.

Vor dem Hintergrund der Attacke auf den Mannschaftsbus des BVB, die das Sportliche bei den Schwarzgelben in diesen Wochen sowieso relativ erscheinen lässt, schieden die Borussen erhobenen Hauptes gegen die Himmelsstürmer aus Monaco aus. Auch Diskussionen über die von Trainer Thomas Tuchel gewählte Taktik sind da nur nachrangig.

Auch der FC Bayern fightete in Madrid trotz massiver Verletzungssorgen und merkwürdiger Schiedsrichterentscheidungen bis zur letzten Sekunde um seine Chance.

Bei den Schalkern sah es am Donnerstag sogar lange danach aus, als könne man die Pleite aus Amsterdam noch umbiegen - bis ein Pressschlag in der 111. Minute die Aufholjagd der Königsblauen jäh beendete.

Trotzdem bleibt aber unter dem Strich: Wieder wird es keine deutsche Mannschaft schaffen, eine internationale Trophäe nach Hause zu bringen.

Eine Trophäe in 16 Jahren

In den letzten 16 Jahren blieb dies lediglich dem FC Bayern vergönnt, als im rein deutschen Finale 2013 Borussia Dortmund niedergerungen wurde.

Sechs Europapokal-Finals deutscher Teams gingen seit dem Münchner Champions-League-Sieg 2001 gegen Valencia verloren. Dortmund zog zweimal den Kürzeren (2013 gegen Bayern und 2002 im Uefa Cup gegen Feyenoord Rotterdamm), Bayer Leverkusen verlor ebenfalls 2002 unglücklich gegen Real Madrid.

© iM Football

2009 war es dann Werder Bremen, das gegen Schachtjor Donezk den Titel in der Verlängerung verspielte. 2010 gegen Jose Mourinhos Inter Mailand und 2012 im Finale dahoam mussten sich die Bayern wiederum geschlagen geben.

Zu wenig Wettbewerb?

Ein Titel also in sechs Anläufen. Zum Vergleich: In der gleichen Zeit gingen alleine elf (!) Titel an Real Madrid, den FC Barcelona oder den FC Sevilla, insgesamt ganze 15 nach Spanien. Englische Teams trugen sich viermal in die Siegerliste ein, italienische dreimal, sogar Russland (ZSKA Moskau und Zenit St. Petersburg) holte mit zwei Titeln doppelt so viele wie Deutschland.

Aber woran liegt die deutsche Schwäche in Europa?

Auffallend ist: Im Gegensatz zur Bundesliga, in der der FC Bayern in den letzten vier Jahren die entscheidenden Wochen des Europapokals bereits als Meister anging, hielt das Titelrennen in Spanien bis zum letzten Spieltag an. Teils konkurrierten sogar gleich drei Mannschaften mit lediglich zwei Punkten Abstand in der Endabrechnung um den Titel. Lediglich 2013 war es eine klare Angelegenheit, Barca wurde mit 15 Punkten Vorsprung Meister.

Der Vorteil: Bis zum Saisonende wurde die Spannung auch im Ligaalltag bei den Topteams hochgehalten, alle drei Tage war eine Topleistung gefordert. Das hält die Sinne geschärft für den Europapokal.

"Kleine Details" hätten das Viertelfinale der Münchner gegen Madrid entschieden, da waren sich Carlo Ancelotti und Zinedine Zidane einig. Die paar Prozent, die dem FC Bayern ob der zurückgefallenen Konkurrenz in der Bundesliga fehlten?

Klopp: England ist intensiver

Auch in England sei der Wettbewerb größer, wie Jürgen Klopp im SPORT1-Interview zu bedenken gab: "Die Liga ist super intensiv. Zur Bundesliga ist da nochmal eine Schippe draufgepackt. Weil es mehr Mannschaften gibt und die Teams, mit denen du um die Top-Positionen kämpfst, eine Riesenqualität im Kader haben."

Fakt ist: In der Fünfjahreswertung wird die Bundesliga durch das frühe Ausscheiden der Teams die Saison mit ihrem schlechtesten Wert aller einfließenden Jahre beenden. Heißt: Spanien an der Spitze kann seine Führung weiter ausbauen, der Vorsprung auf Frankreich als Fünften bleibt aber gleich. Der vierte Startplatz für die Champions League ist also in absehbarer Zeit wenigstens noch nicht in Gefahr.

Im nächsten Jahr starten der FC Bayern und Co. dann den nächsten Anlauf auf Europas Krone. Mit einer spannenderen Liga an der Spitze könnte es dann endlich auch mit einem internationalen Titel wieder etwas werden.

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