München - Uli Hoeneß nennt Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann als möglichen Bayern-Trainer der Zukunft. Den 29-Jährigen könnte es aber auch zu anderen Vereinen ziehen.

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Uli Hoeneß verkörpert den FC Bayern wie kaum ein anderer. Aber aktuell schlägt das Herz des FCB-Patriarchen auch noch für einen anderen Klub.

Seine Lieblingsmannschaft? Das sei derzeit die TSG Hoffenheim, verriet Hoeneß am vergangenen Mittwoch: "Weil die so einen tollen, unbekümmerten Fußball spielen."

Das hat für Hoeneß besonders einen Grund: TSG-Trainer Julian Nagelsmann.

"Vor einem Jahr, als Julian Nagelsmann dort als Trainer übernommen hat, war Hoffenheim Abstiegskandidat. Und jetzt sind sie drauf und dran, in die Champions League einzuziehen", schwärmte Hoeneß im SPORT1-Interview.

Hoffenheim rangiert aktuell auf Tabellenplatz vier, Nagelsmann ist der Architekt des Erfolgs.

Der 29-Jährige machte einen Abstiegskandidaten zum Champions-League-Aspiranten. Und sich selbst zum begehrtesten deutschen Trainer.

Kandidat bei Bayern

Nach seinem Amtsantritt als jüngster Bundesligatrainer der Geschichte im Februar 2016 brauchte Nagelsmann nur ein Jahr, um sich in einen erlauchten Kreis zu katapultieren: Die Liste der Trainerkandidaten für den FC Bayern.

"Er ist sicherlich einer der Trainer, die irgendwann einmal für Bayern infrage kommen", verriet Hoeneß beim Champions-League-Spiel der FCB-Frauen gegen Paris Saint-Germain am SPORT1-Mikrofon.

Einer für Bayern? Ein riesiges Lob ist das für Nagelsmann, vielleicht sogar ein Ritterschlag.

Nagelsmann weilt in München

Doch vielleicht genau so bemerkenswert wie Hoeneß' Loblied ist, dass der Jungtrainer beim Spiel der Bayern-Frauenmannschaft prompt auf der Tribüne des Stadions an der Grünwalder Straße saß. Nur eine Reihe über Hoeneß.

Gab es etwa schon Gespräche zwischen Nagelsmann und den Bayern-Bossen?

Julian Nagelsmann (rechts oben) saß eine Reihe über Uli Hoeneß
Julian Nagelsmann (rechts oben) saß eine Reihe über Uli Hoeneß © SPORT1

Hoeneß beschwichtigte: "Nein, dann würden wir das nicht so vor aller Öffentlichkeit machen." 

Der 65-Jährige lobte stattdessen die Arbeit des aktuellen Bayern-Trainers Carlo Ancelotti - der übrigens im Stadion direkt neben Hoeneß saß: "Wir sind sehr zufrieden mit Carlo Ancelotti, vielleicht bleibt er ja noch fünf Jahre", sagte der Präsident: "Wir brauchen uns darüber im Moment gar keine Gedanken machen."

Abgang aus Hoffenheim?

Nagelsmann selbst wird sich aber sicherlich Gedanken über seine eigene Zukunft machen.

Sollte Hoffenheim tatsächlich die Qualifikation für die Champions League oder die UEFA Europa League schaffen, könnte Nagelsmann nächste Saison die Früchte seiner Arbeit ernten und erstmals Erfahrung im internationalen Geschäft sammeln.

Andererseits könnte es auch weiser sein, schnell den Absprung zu schaffen: Zu viele unerfahrene Mannschaften brachen bereits unter der ungewohnten Dreifachbelastung ein. Darunter könnte auch der Ruf des Trainers leiden.

Zudem hat die TSG Probleme, die aktuelle Mannschaft zusammen zu halten. Die Leistungsträger Niklas Süle und Sebastian Rudy beispielsweise werden den Verein verlassen – sie zieht es nach München.

SPORT1-Experte Thomas Strunz geht trotzdem davon aus, dass Nagelsmann nach dieser Saison noch nicht den Verein wechseln wird. Er sagte am Sonntag im Volkswagen Doppelpass: "Ich glaube, dass er auch nächstes Jahr noch Trainer in Hoffenheim ist. Man wird dann sehen, welcher große Verein dann eine Vakanz auf der Trainerposition hat."

Spekulationen in England

Ein Trainerposten bei einem Topklub könnte jedoch bereits diesen Sommer sehr verlockend für Nagelsmann sein.

In Dortmund wurde schon des Öfteren über angebliche Unstimmigkeiten zwischen Trainer Thomas Tuchel und der Führungsetage spekuliert. Der Coach könne den BVB deswegen ein Jahr vor Vertragsende verlassen.

Unter Chefcoach Tuchel arbeitete Nagelsmann auf seiner ersten Station als Trainer: Im Jahr 2008 analysierte er für ihn die Gegner der Reserve des FC Augsburg. Könnte er in Dortmund der Nachfolger seines einstigen Förderers werden?

Oder zieht es Nagelsmann sogar auf die Insel? Beim FC Arsenal ist immer noch nicht klar, ob Teammanager Arsene Wenger nach 21-jähriger Regentschaft seinen Hut nehmen wird. Englische Medien nannten den jungen Deutschen bereits als Nachfolgekandidaten.

Der Schritt zu einem Spitzenklub der Premier League könnte aber noch etwas zu früh für ihn kommen.

Leverkusen sucht einen Trainer

Dann vielleicht doch lieber zu einem Bundesligaklub mit gehobenen Ansprüchen. Bei Bayer Leverkusen ist man immer noch auf der Suche nach einem Trainer für die neue Spielzeit.

Die Werkself könnte ein kluger Zwischenschritt für Nagelsmann sein.

Lucio, Ze Roberto, Michael Ballack: Viele Akteuere fanden den Weg über Leverkusen nach München. Auch Trainer Jupp Heynckes. Er kam 2011 von Bayer zu den Bayern. Zwei Jahre später gewann er mit den Münchnern das Triple.

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