FBL-GER-BUNDESLIGA-HOFFENHEIM-INGOLSTADT
1899 Hoffenheim ist seit zwölf Heimspielen ungeschlagen © Getty Images

Sportlich läuft es für Hoffenheim blendend. Gegen Ingolstadt macht die TSG aus einem Rückstand einen Kantersieg. Allein das Zuschauerinteresse sorgt für Kopfzerbrechen.

Julian Nagelsmann war nach dem fulminanten Endspurt Richtung Europa so euphorisch, dass er nicht einmal vor Scherzen auf Kosten der Medienvertreter zurückschreckte.

"Schickes Hemd, übrigens", unterbrach der gut gelaunte Trainer der TSG Hoffenheim einen verdutzten Fragesteller im karierten Holzfäller-Outfit - und hatte im Anschluss an das 5:2 (1:1) gegen den FC Ingolstadt die Lacher auf seiner Seite.

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Nach zwei Dritteln der Saison spricht vieles dafür, dass den Kraichgauern das Lachen bis zum Ende der Spielzeit nicht mehr vergehen wird. Angesichts von acht Punkten Vorsprung auf Platz sieben dürfen die TSG-Verantwortlichen langsam aber sicher die erste Europacup-Teilnahme der Klubgeschichte planen. (SERVICE: Die Bundesliga-Tabelle)

Hoffnungen auf die Champions League

Eine Schlussphase wie gegen den FCI mit drei Treffern in den letzten elf Minuten nährt beim Tabellenvierten sogar die Hoffnung auf die Champions League.

"Wir wollen weiter in alle Spiele gehen, um sie zu gewinnen. Wenn dieser Fall eintritt, werden wir mindestens Vierter. Dagegen würde sich keiner wehren", sagte Sportchef Alexander Rosen. Die gleiche Rechnung stellte Nagelsmann an, auch wenn der Coach einschränkte: "Zu rechnen ist das relativ einfach, aber das Umsetzen wird eher schwierig."

Fast mühelos sah es allerdings aus, wie die Hoffenheimer einen Rückstand gegen den Vorletzten aus Ingolstadt noch in einen Sieg verwandelten. Nach einer Stunde lagen die Schanzer durch den Treffer des Israeli Almog Cohen (38.) und ein Eigentor von TSG-Innenverteidiger Niklas Süle (60.) mit 2:1 vorne - Ingolstadt hatte das Spiel nach der Hoffenheimer Führung durch Kapitän Sebastian Rudy (17.) gedreht.

Doch dann gaben die Gastgeber, die noch nie ein Pflichtspiel gegen den FCI verloren haben, mächtig Gas. Der Ungar Adam Szalai mit einem Doppelpack (62., 79.), der eingewechselte Kroate Andrej Kramaric (77.) und der Ex-Ingolstädter Benjamin Hübner (88.) sorgten dafür, dass die Hoffenheimer ihren Heimrekord auf zwölf ungeschlagene Spiele in Folge ausbauten.

"Kein Verständnis" für Zuschauer

Dass die famose Schlussphase aber von lediglich 23.028 Besuchern in der Rhein-Neckar-Arena bejubelt wurde, drückte kurzzeitig sogar bei Nagelsmann die Stimmung. "Dafür habe ich kein Verständnis, das muss ich einfach sagen. Das ist mir schleierhaft. Da bin ich offen und ehrlich", äußerte der 29-Jährige, der schon zuletzt immer wieder die mäßige Zuschauer-Resonanz angeprangert hatte: "Die Region ist nicht gerade strukturschwach, mehr Spiele gewinnen kann man nicht. Aber vielleicht müssen wir ja zwölf Tore schießen."

Während die Hoffenheimer also nur mit Problemen abseits des Platzes kämpfen müssen, sieht es bei Ingolstadt ganz anders aus. Warum die Schanzer binnen weniger Minuten die Kontrolle über das Spiel verloren hatten, konnten sich weder die Profis noch Trainer Maik Walpurgis so richtig erklären.

"Das tut weh, auf einmal hat die ganze Mannschaft nicht mehr funktioniert", sagte Torschütze Cohen: "Das nächste Spiel gegen den 1. FC Köln müssen wir unbedingt gewinnen." Walpurgis weiß, dass er in den nächsten Tagen gefordert ist: "Ich bin alles andere als enttäuscht von der Mannschaft. Dennoch geht es für uns jetzt darum, die Spieler wieder aufzubauen."

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