Mahmoud Dahoud wird in der kommenden Saison im BVB-Dress spielen © Credit: Getty Images

Mit Dahouds Wechsel von Gladbach zum BVB wird die Nahrungskette der Bundesliga deutlich. SPORT1 zeigt jedoch, dass die Top-Klubs das Recht des Stärkeren nur moderat ausüben.

von , Robin Schmidt

Als am Donnerstagmittag Mahmoud Dahouds Wechsel von Mönchengladbach nach Dortmund vermeldet wurde, fühlten sich die Darwinisten unter den Fußballexperten mal wieder bestätigt. (So viel kann Dahoud den BVB kosten)

"Bis auf den FC Bayern müssen alle Vereine Spieler abgeben", philosophierte Trainer Dieter Hecking bei der Bekanntgabe des Deals. "Aber Borussia hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie solche Abgänge gut kompensieren kann."

Nach dem Motto "fressen und gefressen werden", scheint die Nahrungskette in der Bundesliga seit Jahrzehnten in Stein gemeißelt. Die (finanz)stärkeren Vereine greifen ganz oben ins Transfermarkt-Regal, weniger potente Klubs bedienen sich in den unteren Abteilungen.

Die Nahrungskette der Bundesliga © iM Football

Hummels und Götze wechseln die Fronten

Oder etwa doch nicht? Blickt man auf die Transferströme in den vergangenen zehn Jahren, ist diese Theorie zumindest zu hinterfragen. So gehören nicht etwa Leverkusen oder Gladbach zu den bevorzugten Fanggründen der Schwarzgelben - sondern sie ziehen Spieler des FC Bayern München an Land.

Von keinem anderen Klub bediente sich der BVB häufiger als vom deutschen Rekordmeister. So zog es Mats Hummels (2008), Sebastian Rode und Mario Götze (beide 2016) von der Isar an die Ruhr, wobei Hummels im vergangenen Sommer den Weg wieder zurückging.

Und genau hier steckt der Teufel im Detail: Zwar wechselten ebenso viele Dortmunder nach München wie umgekehrt, doch Zeitpunkt und Qualität der Transfers sprechen eindeutig für das Recht des Stärkeren - in dem Fall des FC Bayern.

BVB bedient sich in Rennes, Bayern in Hoffenheim

Als Hummels nach Dortmund ging, hatte er noch ein ganz anderes Standing als bei seiner Rückkehr an die Isar. Umgekehrt verhielt es sich bei Götze, dem bei seinem Aufbruch nach München die Fußballwelt zu Füßen lag. Drei Jahre später, als er wieder bei der Borussia aufschlug, war sein Marktwert eingebrochen.

Robert Lewandowski und Sebastian Rode sind die beiden anderen Spieler, die in den vergangenen zehn Jahren die Fronten wechselten. Auch hier ist der Fall klar: Vorteil Bayern!

Insgesamt betrachtet schnappen sich die Münchner ihre Zugänge am liebsten aus Hoffenheim. Nach Luiz Gustavo und Tom Starke wechseln im Sommer auch Sebastian Rudy und Niklas Süle an die Säbener Straße.

Der BVB holte in diesem Zeitraum dagegen seine Spieler auch noch von fünf weiteren Klubs, die nicht gerade zur Elite gehören:

Stade Rennes (Alexander Frei, Damien Le Tallec, Ousmane Dembele), Mainz 05 (Neven Subotic, Markus Feulner, Joo-Ho Park), Werder Bremen (Nelson Valdes, Patrick Owomoyela, Sokratis), 1860 München (Lars Bender, Moritz Leitner, Julian Weigl) und der KSC (Giovanni Federico, Antonio da Silva, Tamas Hajnal).

Erst Reus, dann Dahoud

Der darwinistische Ansatz ist demnach weniger quantitativ zu sehen, als vielmehr qualitativ. Die Top-Klubs kaufen ganz gezielt bei den Vereinen, die eine Stufe unter ihnen stehen. Nicht übermäßig viel, aber umso hochwertiger. Die Schwächung des Konkurrenten ist für den aufnehmenden Verein ein angenehmer Nebeneffekt. 

Um bei Dahoud zu bleiben: Vor dem Deal mit dem Deutsch-Syrer hat der BVB seit der Saison 2006/07 mit Marco Reus lediglich einen Gladbacher geholt - doch dieser Abgang war noch schmerzhafter. Auch hier wird es die Fohlen kaum trösten, dass die andere Borussia ansonsten die Finger von ihren Spielern ließ.

Bei der Suche nach Ersatz führte Gladbach die Nahrungskette schon oft nach Hoffenheim, wo man unter anderem Fabian Johnson und Tobias Strobl an den Niederrhein lotste. Glaubt man den Gerüchten, könnte Nadiem Amiri der Nachfolger von Dahoud in Gladbach werden. Und somit den Kreislauf in Gang halten.

Weiterlesen