Wohin führt der Weg von Ex-Bayern-Talent Gianluca Gaudino (M.) beim FC St. Gallen unter Trainer Joe Zinnbauer (l.)? © SPORT1-Grafik: Getty Images / Imago / Philipp Heinemann

München - Mit Gianluca Gaudino wollte der FC Bayern ein Eigengewächs bei den Profis installieren - das misslang. In St. Gallen erlebt die Leihgabe nun eine schwierige Phase.

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Dass der Weg beim FC Bayern von den Amateuren zu den Profis kein leichter ist, davon kann auch Gianluca Gaudino eine Geschichte erzählen.

Ausgebildet in der Jugend des Rekordmeisters, schaffte der Sohn von Ex-Bundesliga-Spieler Maurizio Gaudino (1992 Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart) 2014 den Sprung zu den Profis der Münchner.

Doch es folgte, was auch Lucas Scholl erlebte, das andere Bayern-Talent mit einem berühmten Vater.

Scholl spielt inzwischen in der Regionalliga bei Wacker Nordhausen, Gaudino kickt seit Januar 2016 beim Schweizer Erstligisten FC St. Gallen. Immerhin.

Kritiker schauen genau hin

Die Kritiker schauen gerade bei Gaudino genau hin. Zuletzt berichtete eine Schweizer Tageszeitung, dass er bei seinem Verein keine Rolle mehr spielen würde.

Einer, dem das gehörig stinkt, ist der frühere Trainer des Hamburger SV und jetzige St. Gallen-Coach Joe Zinnbauer.

"Gianluca konnte einen Großteil der Vorbereitung nicht mitmachen und hat noch etwas Rückstand. Und im Moment spielt die Mannschaft gut, erzielt gute Ergebnisse und da ist es für jeden Spieler schwer reinzukommen", sagt der 46-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

"Aber Gianluca wird immer besser, entwickelt sich noch, er ist ein junger Spieler, der auch mal einen kleinen Hänger haben dürfte."

Diesen habe er aber nicht mal gehabt, "er war einfach verletzt und krank und hat Nachholbedarf. Ich sehe den Jungen absolut positiv und auf einem guten Weg", so Zinnbauer.

Gaudino hatte mit seiner Grippe im Januar Pech, verpasste nach der Leisten-OP im Sommer wieder erhebliche Teile der Vorbereitung. Der Klub hat nach der Herbst-Krise längst in seinen Tritt gefunden.

Gaudinos bisherige Einsatzzeiten in der Rückrunde: null Minuten. Gegen Young Boys Bern und den FC Lugano stand der Youngster nicht mal im Kader. Gaudino also nur noch eine Randnotiz?

"Viele Ideen reingebracht"

Zinnbauer sieht das nicht so und meint: "Seit Gianluca bei uns ist, hat er viele Ideen reingebracht und war sehr wertvoll für uns, wenn er gespielt hat. Er hat in der Vorrunde auch Spiele mit uns gewonnen und war mit seinen Ideen eine Verstärkung für uns."

Auch Gaudinos Vater Maurizio kann auf SPORT1-Nachfrage die negativen Schlagzeilen über seinen Sohn zuletzt nicht nachvollziehen.

"Das Problem war, dass mein Sohn in der Vorbereitung lange verletzt war. Die ersten Spiele sind gut gelaufen, aber jetzt lässt Joe Zinnbauer die Jungs spielen, die gerade erfolgreich sind."

Der 50-Jährige fügt noch hinzu: "Das ist für meinen Sohn eine Lernphase und damit muss er lernen umzugehen. Ich sehe das nicht so kritisch. Er hat mit dem Wechsel nach St. Gallen alles richtig gemacht."

Keine Vergleiche mit Scholl Junior

Daher will auch Zinnbauer keine Vergleiche mit Scholl Junior ziehen.

"Zu Scholli kann ich nichts sagen, ich habe ihn damals bei Bayern gesehen, da war seine Entwicklung richtig gut. Gianluca ist erst 20 Jahre alt und hat noch so viel vor sich."

Ist es für Gianluca ähnlich wie bei Scholl deshalb schwieriger, weil ihre Väter berühmte Fußballer waren?

"Ich finde es unfair, die Jungs mit den Vätern in Verbindung zu bringen. Mauri und Mehmet waren Top-Fußballer, aber sie sind in einer ganz anderen Zeit groß geworden, haben viel erreicht. Wenn man das immer öffentlich thematisiert, wie stark sie mit 20 waren, wird es schwierig für die Söhne."

Immer neuer Druck

Man tue den beiden Talenten daher "keinen Gefallen, immer neuen Druck aufzubauen".

Im Juni läuft Gaudinos Leihvertrag aus. Heißt es dann wieder Koffer packen?

"Gianluca gibt Gas, trainiert gut und ist mental stark. Der Verein möchte mit den Verantwortlichen von Bayern reden", so Maurizio Gaudino. "Es gibt Interesse, das Leihgeschäft zu verlängern." 

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