Für Martin Volkmar, SPORT1-Ressortleiter Online, ist Rudi Völler das Gesicht der Bayer-Krise © Getty Images / SPORT1

Schon länger war klar, dass Roger Schmidt keine Zukunft bei Bayer Leverkusen hat. Trotzdem hielten die Bosse viel zu lange an ihm fest, allen voran der Sportchef.

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Nun soll also Tayfun Korkut Bayer Leverkusen doch noch in den Europacup zu führen.

Warum der Deutsch-Türke allerdings der richtige Mann für die Aufholjagd ist, erschließt sich nicht wirklich.

In Hannover wurde er nach einer ähnlichen Negativserie wie der, die jetzt Roger Schmidt zum Verhängnis wurde, vor knapp zwei Jahren entlassen.

Und bei Zweitligist Lautern warf er nach nur einem halben Jahr im Dezember freiwillig hin. Bleibenden Eindruck hat er bei keinem Klub hinterlassen.

So liegt der Verdacht auf der Hand, dass Korkut nur deshalb den Job beim Champions-League-Achtelfinalisten bekam, weil er gerade verfügbar war. Denn offensichtlich hatten sich die Bayer-Verantwortlichen bis Sonntag keine konkreten Gedanken über einen Schmidt-Nachfolger gemacht.

Zwar war nach der verkorksten Saison die Entscheidung gefallen, im Sommer einen Schlussstrich zu ziehen. Bis dahin wollte man aber die Spielzeit unbedingt mit Roger Schmidt zu Ende bringen und in Ruhe einen kompetenten Chefcoach suchen, da Wunschkandidaten wie der Mainzer Martin Schmidt noch anderswo unter Vertrag stehen.

Dabei hatte der ostwestfälische Sturkopf Schmidt in den vergangenen Monaten mehrfach Anlass genug für eine Trennung gegeben: Sowohl aufgrund des sportlichen Absturzes als auch mit seinen Verhaltensauffälligkeiten nach innen und außen. Etwa der Beschimpfung von Julian Nagelsmann oder der Weigerung, nach seinem Platzverweis gegen Dortmund auf die Tribüne zu gehen, was zum Spielabbruch führte.

Schon nach der Hinrunde war absehbar, dass Schmidt keine Zukunft mehr unterm Bayer-Kreuz haben wird. Doch die Vereinsspitze versäumte es im Gegensatz etwa zu Borussia Mönchengladbach, verfügbare Alternativen für einen Neuanfang nach der Winterpause wie Dieter Hecking ernsthaft zu prüfen.

Allen voran Sportchef Rudi Völler hielt bis zum bitteren Ende an Schmidt fest, obwohl dieser auch die Vereinsführung mehrfach vor den Kopf stieß. Etwa mit den absurden öffentlichen Vorwürfen seines Beraters über mangelnde Rückendeckung.

Dabei war das Gegenteil der Fall, denn Völler stellte sich fast schon in Nibelungentreue immer wieder vor seinen umstrittenen Coach.

Das spricht per se nicht gegen den früheren Weltklasse-Stürmer, ändert aber nichts an seinem gravierendsten Versäumnis: Er schaffte es bis zum Ende nicht, Schmidts Egotrip Einhalt zu gebieten und ihn von seinem Kurs ins sportliche Verderben abzubringen.

Nun stehen die Leverkusener vor einem Scherbenhaufen und müssen darauf hoffen, dass der Ex-Zweitliga-Trainer Korkut vom Schneckenrennen um Europa profitiert und zudem in kurzer Zeit alles besser macht, was zuletzt unter Schmidt schief lief.

Ansonsten dürfte die schon jetzt deutlich vernehmbare Kritik am Zauderer Völler richtig laut werden. Der frühere Publikumsliebling ist nun mal das Gesicht von Bayer Leverkusen - und daher aktuell auch das Gesicht der Krise.

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