München - Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick nimmt sich im Volkswagen Doppelpass einige deutsche Traditionsvereine vor. Bei Borussia Dortmund amüsiert ihn das Stadionheft.

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Das Modell RB Leipzig wird von Fußball-Traditionalisten kritisch gesehen. Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick hat nun mit einigen deutschen Traditionsvereinen abgerechnet.

Im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 stellte der 58-Jährige zunächst klar: "Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren ein paar Dinge nicht ganz falsch gemacht. Und trotzdem: Das Argument, dass es hier Startvoraussetzungen gab, die andere Vereine nicht haben, ist absolut richtig."

Dann nahm sich Rangnick Borussia Dortmund vor. Beim Gastspiel im Signal Iduna Park war es Anfang Februar zu Anfeindungen gegen RB gekommen. Die Fans auf der Dortmunder Südtribüne zeigten zahlreiche teils auch beleidigende Banner. Vor dem Stadion wurden Fans der Gäste attackiert.

Zu viel Werbung im BVB-Stadionheft?

Rangnick berichtete: "Vor der Partie bei Borussia Dortmund saß ich eine Stunde vor Anpfiff in der Kabine und hatte mal Zeit mir dieses Büchlein anzusehen. Denn das Stadionheft in Dortmund ist kein Heft, das ist ein Buch. Das hat 120 Seiten. Und ich habe festgestellt, dass von den 120 Seiten 55 Seiten Werbung waren. Die letzten 29 waren nur Werbung. Und dann habe ich noch festgestellt, als ich vorne drauf geschaut habe, dass sie dieses Büchlein für zwei Euro verkaufen. Ja klar, es ist eine Aktiengesellschaft!"

Leipzigs Sportdirektor weiter: "Für mich ist Borussia Dortmund eigentlich das Vorzeigebeispiel und auch ein Vorbild, wie man sowas optimal performt. Einen Verein, eine solche Marke. Aber dann so zu tun, als würden wir etwas furchtbar Ekliges machen, das etwas anderes ist als die anderen Vereine - da komme ich nicht mehr mit!"

"50+1-Regel gibt es de facto nicht mehr"

Die 50+1-Regel, nach der es Investoren nicht erlaubt ist, die Stimmenmehrheit in den Vereinen zu übernehmen, existiert für Rangnick nur noch auf dem Papier: "Die 50+1 gibt es doch de facto schon gar nicht mehr. Beispiele: VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen, Hoffenheim, wir, Hannover 96."

Auch zu Zweitligist 1860 München, bei dem der jordanische Investor Hasan Ismaik zuletzt immer wieder für Irritationen sorgte, hat Rangnick eine klare Meinung:

"Nehmen wir jetzt mal 1860 München. Also, ich meine: Die Zustände, die da jetzt herrschen, die finde ich ja selbst bei Leeds United in England nicht. Und da ist wirklich jemand am Ruder, wo die Fans jeden Tag das Kreuz machen. Fragen sie mal den Leeds-United-Fan, wie es ihm damit geht! Aber wir sind mit Sechzig ja nicht weit entfernt."

Kritischer Blick auf den HSV

Leeds United wurde 2014 vom umstrittenen italienischen Geschäftsmann Massimo Cellino gekauft, ein Großteil der Fans steht aber nicht hinter ihm.

Rangnick sieht auch den Hamburger SV kritisch, der immer wieder Millionendarlehen bei Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne aufnahm: "Wir können uns auch den HSV zu Gemüte führen", sagte Rangnick: "Jetzt sind sie im Moment wieder in guten Händen. Aber die letzten Jahre haben sie mehr Trainer und Sportdirektoren verschlissen als kaum ein anderer Verein."

Bei der Partie zwischen Hertha BSC und dem BVB am Samstag (2:1) sorgte die Schauspieleinlage von Herthas Mitchell Weiser nach Foulspiel von Dortmunds Ousmane Dembele für Wirbel. Zu heftigen Reaktionen der Fans wie nach der Schwalbe von RB-Spieler Timo Werner gegen Schalke im Dezember werde es bei Weiser aber nicht kommen, glaubt Rangnick: "Da wird nichts passieren. Er spielt ja bei einem Traditionsverein."

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