SV Darmstadt 98 v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga
Aytac Sulu (r.) erzielte den Führungstreffer für Darmstadt © Getty Images

Darmstadt - Abstiegskandidat Darmstadt gewinnt überraschend in gegen Mainz. Die Lilien träumen nach dem Erfolg im Sondertrikot zu Ehren ihres Kultfans wieder vom Klassenerhalt.

Hoffnungsschimmer oder doch nur eine Eintagsfliege? Tabellenschlusslicht SV Darmstadt 98 hat nach zuletzt drei Niederlagen nacheinander wieder gewonnen.

Am 24. Spieltag der Bundesliga setzten sich die Lilien gegen den 1. FSV Mainz 05 mit 2:1 (2:1) durch. Ob der vierte Erfolg in dieser Spielzeit aber auch als Initialzündung für eine Aufholjagd taugt, muss zumindest angezweifelt werden.

Blitzstart und Platzverweis

Abwehrchef Aytac Sulu (5.) sowie Sidney Sam (12.) erzielten in einer spektakulären Anfangsphase die schnellste Zwei-Tore-Führung der Darmstädter Bundesliga-Historie, für Mainz traf einzig Robin Quaison (45.+3).

Das Darmstädter Team von Trainer Torsten Frings, nach Gelb-Rot für Mario Vrancic ab der 59. Minute dezimiert, belegt zwar immer noch den letzten Platz (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER).

Der Sieg könnte den Glauben an ein Wunder aber zumindest ein wenig zurückbringen. "Die Tabelle sieht zwar immer noch beschissen aus, und wir müssen einen Berg besteigen, der höher ist als der Mount Everest. Aber wir wissen jetzt, dass wir gewinnen können," sagte der Ex-Bundesligaspieler.

Dies hatten die Südhessen zuletzt viel zu selten getan, trotz teilweise ansprechender Leistungen ging Darmstadt vor der Partie am Samstag nur einmal in 15 Versuchen als Sieger vom Platz. (Tabelle der Bundesliga).

Kult-Fan beflügelt Darmstadt

Kampflos geschlagen geben wollten sich die Südhessen am Samstag vor 17.400 Zuschauern aber nicht - das Spiel fand schließlich im Zeichen des vor einem Jahr verstorbenen Kult-Anhängers Jonathan Heimes statt. Letztlich war es nicht zuletzt ein Sieg für ihn. Das Team lief sogar in Sondertrikots zu Ehren von Johnny auf.

Die Gastgeber, denen neben Schlussmann Michael Esser und Mittelfeldspieler Jan Rosenthal kurzfristig auch noch Angreifer Antonio-Mirko Colak fehlte, gingen mit der ersten Chance des Spiels in Führung.

Kapitän Sulu höchstpersönlich, der mittlerweile auch in Mainz für seine Kopfballstärke bekannt sein sollte, kam nach einem Eckball nahezu ungestört zum Abschluss.

"Wir haben bis zum Umfallen gekämpft und uns endlich belohnt. Das tut gut", sagte der 31-Jährige.

© iM Football

Nachdem der Mainzer André Ramalho ungeschickt zu Werke gegangen war, verwandelte Sam den fälligen Strafstoß - Standing Ovations waren die Folge.

Umstrittene Entscheidungen

Die beiden Treffer spielten den Darmstädtern in die Karten, aus einer kompakten Defensive heraus versuchten sie, das Geschehen zu kontrollieren.

Trotz einiger Unkonzentriertheiten insbesondere im Spielaufbau gelang das fast perfekt: Bis kurz vor der Halbzeitpause kamen die harmlosen Mainzer kaum einmal gefährlich vor das Darmstädter Tor, praktisch mit dem Halbzeitpfiff verkürzte dann aber Quaison.

Zuvor hatte Schiedsrichter Frank Willenborg (Osnabrück) dem FSV einen Handelfmeter verwehrt (41.).

Nach dem Seitenwechsel hätten die Lilien den alten Abstand wieder herstellen und ein bisschen Ruhe in die nun hektische Partie bringen können, doch sowohl der starke Vrancic (51.) als auch Sven Schipplock (52.) vergaben aus aussichtsreicher Position (Die Statistiken des Spiels).

"Der Sieg gibt uns Kraft für die nächsten Wochen", sagte Schipplock nach der Partie.

Der Platzverweis für Vrancic erschwerte den Kampf um den Sieg für die Hausherren erheblich, die Mainzer witterten spätestens jetzt ihre Chance

Mit teilweise vier Spielern auf einer Linie in vorderster Reihe drängten die Gäste auf den Ausgleich, einzig die zündenden Ideen fehlten zum Ausgleich. Auf der anderen Seite erfolgten die Entlastungsangriffe der Darmstädter immer seltener. Der Mainzer Stefan Bell sah in der 89. Minute Gelb-Rot.

Mainz rutscht in den Abstiegskampf

Durch die überraschende Niederlage gegen das Bundesliga-Schlusslicht wird es jetzt tatsächlich nochmal eng um Mainz.

"Irgendwann wird es wohl zu einhundert Prozent ankommen, dass es rein um den Klassenerhalt geht in dieser Saison. Das muss man annehmen, so wie heute Darmstadt, die uns als Vorbild für die nächsten Spiele dienen können," erklärte Mainz-Coach Martin Schmidt bei Sky.

"Jetzt gilt es, dass wir eine Reaktion zeigen. Wir müssen das im Heimspiel gegen Schalke wieder hinbiegen."

Darmstadt hat durch den Sieg nun 15 Punkte auf der Habenseite - nur 15, weil sie alle daheim geholt und in der Fremde bislang noch keinen einzigen Zähler erkämpft haben.

Was der Sieg am Böllenfalltor wert ist, wird sich daher erst in der kommenden Woche nach dem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg zeigen (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga).

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