Marcel Reif (l.) bewertet das Duell zwischen Herthas Mitchell Weiser und BVB-Angreifer Ousmane Dembele nach Ansicht weiterer TV-Bilder anders © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1

München - SPORT1-Experte Marcel Reif hat nach eigener Ansicht im Doppelpass und seiner Kolumne eine Fehleinschätzung abgegeben. Diese möchte er korrigieren.

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Die Auseinandersetzung zwischen Dortmunds Ousmane Dembele und dem Berliner Mitchell Weiser war eine der meistdiskutierten des vergangenen Wochenendes. Auch SPORT1-Experte Marcel Reif äußerte sich dazu im Volkswagen Doppelpass und in seiner SPORT1-Kolumne, versah dabei den Herthaner mit deutlicher Kritik.

Dafür entschuldigt sich der langjährige TV-Kommentator am Montag. Im Gespräch mit SPORT1 bleibt Reif aber dabei, dass sich die Umgangsformen miteinander auf dem Feld ändern müssen.

SPORT1: Herr Reif, Sie haben Mitchell Weiser am Sonntag im Doppelpass und in Ihrer Kolumne heftig kritisiert. Das möchten Sie korrigieren. Was hat dazu geführt, dass Sie Ihre Meinung geändert haben?

Marcel Reif: Ich hatte die Szene mit Ousmane Dembele und Mitchell Weiser nur in der Totale gesehen und habe dabei einen zum großen Teil falschen Eindruck bekommen. Am Sonntagabend hat mir jemand einen Link zukommen lassen, über den ich die Szene in der Großaufnahme anschauen konnte. Da war auch für mich deutlich zu erkennen, dass Dembele Weiser massiv tritt und auch trifft. Auf Basis dieser Perspektive wäre für mich glatt Rot für Dembele wegen einer üblen Tätlichkeit korrekt gewesen, dazu Gelb für Weiser wegen Ballwegschlagens. Darüber hinaus kann man über eine weitere Gelbe Karte wegen übertriebener Theatralik diskutieren, die Weiser ja auch selbst eingeräumt hat. Es tut mir leid, ich habe die Szene im Doppelpass nicht richtig beurteilt und deshalb möchte ich mich bei Mitchell Weiser entsprechend entschuldigen.

SPORT1: Ändert sich dadurch auch etwas am grundsätzlichen Tenor Ihrer Kolumne?

Reif: Nein. Mir geht es darum, dass wir in der Bundesliga auf einem schlimmen Weg sind. Dieses ständige Gezetere bei jedem Einwurf, das andauernde Simulieren, der Ellbogeneinsatz beim Kopfball - das haben wir in Deutschland inzwischen auf einem ziemlich exklusiven Level. Das sind für mich klare Zeichen für den mangelnden Respekt vor dem Spiel, den Schiedsrichtern und den Kollegen. In England wäre ein solches Verhalten schon bei den eigenen Fans verpönt. Bei uns dagegen ist es inzwischen schlimmer als in Italien oder Spanien.

SPORT1: An wem sollten sich die Bundesligaprofis aus Ihrer Sicht eher orientieren?

Reif: Am eigenen Anstand. Wir sollten uns vielleicht mal einen Blick zum Rugby gönnen. Dieser Sport ist körperlich mindestens so intensiv wie Fußball. Aber mit welchem Respekt voreinander und mit welcher Fairness die Spieler dort miteinander umgehen, halte ich für beispielhaft.

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