Rumänien-Trainer Christoph Daum über Tayfun Korkut als neuer Trainer von Bayer Leverkusen
Christoph Daum (l.) startete 1981 seine Trainerkarriere beim 1. FC Köln, Tayfun Korkut 2007 bei der U19 von Real Sociedad © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago

München - Der frühere Bundesliga-Trainer Christoph Daum bewertet bei SPORT1 die Trainerentscheidung bei Bayer Leverkusen - und outet sich als Fan von Tayfun Korkut.

von

Die Nachricht, dass Tayfun Korkut bei Bayer Leverkusen der Nachfolger von Roger Schmidt wird und bis zum Saisonende als Trainer bei der Werkself übernehmen wird, überraschte viele Beobachter.

Auf den früheren Coach des 1. FC Kaiserslautern und von Hannover 96 wären die Wenigsten gekommen. Einer, der die Entscheidung aber nachvollziehen kann und absolut positiv sieht, ist Christoph Daum.

Der 63-Jährige kennt das Umfeld in Leverkusen ganz genau, war von 1996 bis 2000 als Bayer-Trainer tätig - und beobachtet auch Korkuts Werdegang schon seit vielen Jahren.

"Ich habe seine Entwicklung als Spieler und dann auch als Trainer zum Teil aus nächster Nähe mitbekommen", sagt Daum, der aktuell Rumäniens Nationalmannschaft trainiert, im Gespräch mit SPORT1.

Daum wollte Korkut holen

Daum arbeitete in der Türkei für die Istanbuler Klubs Fenerbahce und Besiktas sowie bei Bursaspor. Der erfahrene Fußballlehrer wollte Korkut in der Saison 2001/2002 als Spieler zu Besiktas holen.

Korkut absolvierte 42 Länderspiele für die Türkei und war in der Saison 2012/13 Co-Trainer der türkischen Nationalmannschaft.

"Ich hätte jederzeit gerne mit Tayfun zusammengearbeitet, weil ich glaube, dass gerade solche jungen Trainer ganz wichtige Impulse setzen können", erklärt Daum.

Was Daum besonders an Korkut begeistert: Er gehöre zu "dieser jungen Trainer-Generation, die hoch motiviert an eine neue Aufgabe herangehen."

Von daher gratuliert er den Verantwortlichen in Leverkusen zu der Entscheidung, Korkut als Zwischenlösung zu installieren: "Tayfun wird neue Impulse setzen und Dinge, die Roger Schmidt sehr erfolgreich eingeführt hat, fortsetzen. Nach einer genauen Analyse, die sicher notwendig sein wird, wird Tayfun dorthin kommen, um die Mannschaft etwas auszubalancieren."

"Korkut wird Mannschaft ausbalancieren"

Korkut war am Bosporus fünf Jahre als Spieler aktiv, spielte im Mittelfeld auch unter Joachim Löw - und zwar so gut, dass er eine Einladung zur türkischen Nationalmannschaft erhielt. Korkut überzeugte sofort und war fortan erst unter Fatih Terim, später unter Mustafa Denizli ein Schlüsselspieler.

Bei zwei Europameisterschaften - 1996 und 2000 - spielte er an der Seite von Stars wie Hakan Sükür und hatte vor allem in Belgien und den Niederlanden großen Anteil am ersten Viertelfinaleinzug der Türkei.

Kein Wunder, dass Korkut in der Branche einen sehr guten Ruf genießt. Er sei ein Trainer, findet Daum, "der Bayer Leverkusen zum jetzigen Zeitpunkt einfach gut tut".

Angriff auf internationale Plätze

Auf seiner Antritts-Pressekonferenz am Montagmittag erklärte der 42-Jährige, er wolle mit Bayer die internationalen Plätze angreifen und "ganz nahe bei der Mannschaft sein".

"Das Entscheidende ist, dass man den Turnaround schafft und zumindest noch die Qualifikation für die Europa League erreicht. Von den Möglichkeiten, die der Verein hat, sollte das möglich sein", findet Daum.

Auch Bayer-Sportdirektor Rudi Völler lobte bereits vorab die Qualitäten des neuen Mannes auf der Trainerbank, wenn er auch zugab, dass er gerne mit Roger Schmidt weitergearbeitet hätte. Nach den letzten Misserfolgen sei der Druck jedoch "leider zu groß" gewesen.

Korkut macht das Rennen

Dass Völler auf der Suche nach einer Alternative auf Korkut kam, sei eine wohl überlegte Entscheidung gewesen, glaubt Daum. "In so einer Situation gibt es eine Reihe von Kandidaten. Ich kenne Rudi Völler und Michael Schade sehr gut und weiß, dass sie die einzelnen Kriterien und das Anforderungsprofil mit möglichen Kandidaten abgeglichen haben und viele der Kriterien auf Tayfun gepasst haben."

Ein wichtiger Punkt sei sicher auch gewesen, "dass er kurzfristig verfügbar war und sich dazu bereit erklärt hat, das auch nur bis zum Saisonende zu machen", meint Daum.

Und ist sich sicher, dass Korkut diese Zeit jetzt nutzen werde, "um zu zeigen, welche Qualitäten er hat".

Weiterlesen