Hoffenheims Erfolgstrainer Julian Nagelsmann hat in Hoffenheim noch einen Vertrag bis 2019 © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

Sinsheim - Hoffenheims Erfolgstrainer Julian Nagelsmann spricht bei SPORT1 über seinen Aufstieg mit Hoffenheim und mögliche Optionen für einen Wechsel zum FC Bayern.

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Julian Nagelsmann ist momentan der heißeste Trainer auf dem Bundesliga-Markt.

Nach dem Triumphzug mit der TSG Hoffenheim von einem Abstiegsrang auf einen Champions-League-Platz innerhalb nur eines Jahres reißt sich fast die ganze Welt um den 29-Jährigen.

Das gilt vor allem für die Medien von Japan bis in die USA, aber auch für andere Vereine. So kamen die jüngsten Lobeshymnen von Bayern-Präsident Uli Hoeneß wenig überraschend.

Für SPORT1 nahm sich der jüngste Coach der Liga-Historie viel Zeit zum exklusiven Interview, in dem er über Ziele und seine Zukunft spricht.

SPORT1: 13 Monate sind Sie jetzt Cheftrainer in Hoffenheim. Wie blicken Sie zurück?

Julian Nagelsmann: Ich habe selbstverständlich nicht damit gerechnet, dass alles so wird. Ich hatte schon die Idee und die Hoffnung, dass wir guten Fußball spielen können, wir hatten aber auch in der einen oder anderen Situation das Glück auf unserer Seite. Zudem hatten Schalke, Wolfsburg und Leverkusen, die eigentlich in die obere Region der Tabelle gehören, in dieser Saison bislang schwächere Phasen. Das ist sicher mitunter ein Grund, warum wir aktuell auf Platz vier stehen.

Reinhard Franke und Julian Nagelsmann
SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) besuchte Julian Nagelsmann im Kraichgau © SPORT1

SPORT1: Was würde die Champions-League-Qualifikation für die TSG bedeuten?

Nagelsmann: Es würde natürlich unglaublich vielen etwas bedeuten - nicht zuletzt auch Dietmar Hopp. Für die Akzeptanz der TSG in der Fußball-Welt leisten wir in dieser Saison sicher schon einiges, aber die Champions League zu erreichen, wäre natürlich etwas ganz Besonderes. Der Nicht-Abstieg war ohnehin nie mein oder unser Ziel. Wir wollen natürlich mehr als Platz neun und bleiben fokussiert, konzentriert und versuchen schon, da oben zu bleiben.

SPORT1: Wären Sie enttäuscht, wenn es am Ende nur die UEFA Europa League wird?

Nagelsmann: Es wäre ja geradezu Irrsinn, die Europa League als Enttäuschung zu bezeichnen. Doch während die Europa League für mich schon eine tolle Sache wäre, würde die Qualifikation für die Champions League einem kleinen Wunder gleich kommen, das wäre überragend.

SPORT1: Spüren Sie jetzt gestiegenen Druck?

Nagelsmann: Wir haben jetzt natürlich auch Druck, aber einen positiven Druck und der ist deutlich angenehmer als in dem Moment, als ich im Abstiegskampf das Amt übernahm. Da war es eine sehr prekäre Lage. Einen Punkt weniger und es wäre die Relegation gewesen, so hat es aber am Ende gereicht. Es ist für mich bisher sehr gut gelaufen und die Arbeit mit den Jungs macht großen Spaß.

SPORT1: War Ihre mutigste Entscheidung die, bei der TSG im Abstiegskampf als Cheftrainer zu beginnen?

Nagelsmann: Viele behaupten ich hatte nichts zu verlieren, aber das ist natürlich Quatsch. Ich hatte jede Menge zu verlieren. Ich hatte im Verein einen prima Job bei der U19 und war da sehr erfolgreich. Wenn wir mit den Profis abgestiegen wären, dann wäre meine Karriere bestimmt anders verlaufen und garantiert auch nicht weiter gegangen im Profi-Bereich. Ich hatte aber keine Angst, dass ich es nicht schaffe. Natürlich hatte ich Bedenken, ob wir in der Liga bleiben, aber die Fantasie drinzubleiben, war da.

SPORT1: Was zeichnet Sie aus?

Nagelsmann: Ich bin vielleicht ein Trainer, der eine gewisse Portion Mut mitbringt. Ich denke nicht groß über Konsequenzen nach. Ich denke an die aktuelle Situation und was uns in dem Moment helfen kann. Ob das dann für Außenstehende eine waghalsige oder langweilige Entscheidung ist, das ist für mich nicht entscheidend. Mir ist nicht bange vor Negativ-Schlagzeilen und auch nicht vor einer Entlassung, die es bestimmt mal geben wird.

SPORT1: Wie sieht Ihre nähere Zukunft aus? Sind Sie nächste Saison noch Trainer in Hoffenheim?

Nagelsmann: Ja. Es gibt natürlich viele Spekulationen. Und ich habe auch einen Berater, der nicht jede Anfrage weiterleitet. Jeder Klub weiß, dass ich bis 2019 Vertrag habe. Natürlich gibt es Interesse, ich habe aber mit keinem Verein gesprochen. Nochmal: Nächste Saison bin ich Trainer in Hoffenheim.

SPORT1: Wollen Sie Ihren Vertrag in Hoffenheim erfüllen?

Nagelsmann: Ich habe ihn unterschrieben, um ihn zu erfüllen. Es ist trotzdem blauäugig, in diesem Geschäft alles planen zu wollen. Wenn der Verein will, dass ich den Vertrag erfülle, weil man zufrieden ist mit meiner Arbeit, dann wird das so kommen. Wenn ich sechs Spiele in Folge verliere, dann bin ich vielleicht gar nicht mehr da. Fußball ist in diesem Bereich sehr schwer planbar. Wenn nächste Woche Real Madrid anruft und mich will, dann würde ich Dietmar Hopp vielleicht fragen, ob er mich gehen lässt. Aber sie werden nicht anrufen.

SPORT1: Was wäre, wenn Uli Hoeneß bei Herrn Hopp anrufen würde? Er hat Ihren Namen ja bereits genannt als möglichen Bayern-Trainer.

Nagelsmann: Noch gab es keinen Anruf. Natürlich freut es mich, wenn ich das Interesse von einem der größten Klubs in Europa wecke. Es wäre doch Schwachsinn zu sagen, dass ich mich nicht darüber freuen würde. Ich finde aber, dass man über einen Nachfolger sprechen sollte, wenn der Vorgänger weg ist. Und Carlo Ancelotti macht bei Bayern einen hervorragenden Job. Wenn Bayern mich irgendwann mal haben will und die Situation passt, dann kann man sicherlich darüber nachdenken. Das ist logisch.

SPORT1: Herr Hopp hat jetzt den Wunsch geäußert, dass er Sie über das Vertragsende hinaus binden möchte. Ist seine Hoffnung sinnlos?

Nagelsmann: Nicht sinnlos, aber ich habe meinen Vertrag doch gerade erst vor einem Jahr unterschrieben und es gibt keinen Grund für mich jetzt schon wieder zu verlängern. Und es gibt dazu auch keinen Grund für den Verein. Finanziell wird es für Hoffenheim schlechter sein als jetzt, wenn ich einen neuen Vertrag unterschreibe. Der Klub soll lieber die paar Euro sparen und in meine Spieler investieren, in einen guten Kader. Und dann kann man sich 2018 über eine Verlängerung unterhalten.

SPORT1: Wäre als nächster Schritt auch das Ausland möglich oder lieber die Bundesliga, also Bayern oder Borussia Dortmund?

Nagelsmann: In meinem Kopf ist der nächste Schritt schon die Bundesliga. Das ist eine hervorragende Liga. Ich habe nicht als Lebensziel, im Ausland trainieren zu müssen. Ich bin sehr heimatverbunden, aber ganz ausschließen kann man auch da nichts. Wie gesagt, Fußball-Karrieren sind schwer planbar.

SPORT1: In Hoffenheim ist es doch eher ruhig. Wären Sie bereit für mehr medialen Druck beim BVB oder beim FC Bayern?

Nagelsmann: Die Entwicklungschancen für einen jungen Trainer sind in Hoffenheim super. Es gibt nicht dieses extreme Interesse wie in München, aber ich denke, dass ich mit den Medien grundsätzlich gut kann. Ich bin medienaffin und hätte kein Problem damit, wenn fünf Kamera-Teams mehr da wären.

In Teil 2 des SPORT1-Interviews spricht Julian Nagelsmann am Donnerstag über seine Person, den Job des Bundestrainers und eine mutige Entscheidung.  

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