Mario Götze wurde von Borussia Dortmund aus dem Training genommen
Mario Götze wurde von Borussia Dortmund aus dem Training genommen © Getty Images

München - Warum kamen die Docs von BVB, Bayern und DFB den Stoffwechselproblemen nicht früher auf die Spur? Ein Sportmedizin-Experte erklärt SPORT1 das Problem.

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Was ist los mit Mario Götze?

Lange Zeit schien das eine rein sportliche Frage zu sein, die womöglich meistdiskutierte unter Deutschlands Fußballfans. Nun ist es eine medizinische Frage.

Borussia Dortmund hat den WM-Finaltorschützen wegen "Stoffwechselstörungen" aus dem Spiel- und Trainingsbetrieb genommen.

Eine schwammige Diagnose, hinter der sich vieles verbergen kann. Inzwischen scheint etwas mehr Licht ins Dunkel gekommen zu sein.

Eine Erklärung für vieles

Bei Götzes Krankheit handele es sich anscheinend um eine Myopathie, wie Berichte von Bild und Süddeutsche Zeitung nahelegen, eine Erkrankung der Muskulatur, die direkt mit einem gestörten Energiehaushalt zusammenhängt - nicht nur indirekt dadurch, dass die Stoffwechselprobleme dem Körper mehr Anstrengung abverlangen und damit das Verletzungsrisiko erhöhen.

Die häufigen Muskelverletzungen Götzes, die fehlende Spritzigkeit, die er oft ausstrahlt, die Gewichtsprobleme, die er offensichtlich mit sich schleppte, obwohl er andererseits perfekt austrainiert wirkte und er sich auch ohne Fehl und Tadel geschunden haben soll: Es würde vieles erklären.

Eine Frage, die sich viele Fans nun stellen: Warum sind die Experten nicht früher darauf gekommen? Waren die Symptome nicht schon länger zu beobachten? Und hatte Götze nicht ständig mit den Top-Sportmedizinern des Landes zu tun - beim BVB, bei Bayern, in der Nationalmannschaft?

"DFB-Internist nimmt nicht ständig Blut ab"

"Das dürfen Sie nicht überschätzen", erklärt Hans-Georg Predel, Professor am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Sporthochschule Köln, im Gespräch mit SPORT1: "Physiotherapie und orthopädische Untersuchungen und Eingriffe bei Verletzungen sind das eine, aber eine Komplettuntersuchung gibt es vielleicht einmal im Jahr - und auch die beinhaltet keine umfassende Untersuchung des gesamten Stoffwechsels."

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Hans-Georg Predel ist Professor am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Sporthochschule Köln © Sporthochschule Köln

Nötig sei das auch nicht unbedingt, führt der Sportmediziner aus: "Bei jungen Profisportlern funktioniert der Stoffwechsel meistens sehr gut, deswegen nimmt auch der DFB-Internist Prof. Tim Meyer nicht permanent Blut ab, um dem Stoffwechsel der Nationalspieler in allen seinen Facetten nachzugehen - erst wenn es dazu medizinische Anhaltspunkte gibt."

Die gab es zwar bei Götze. Das Tückische allerdings: Götze wurde Berichten zufolge zwar Blut abgenommen, das Blutbild hätte aber zunächst keine Auffälligkeiten gezeigt. Erst Spezialuntersuchungen, zu denen der BVB-Doc Markus Braun der SZ zufolge im Winter drängte, hätten Abhilfe geschafft.

Nur für Profisportler ein großes Problem

Die Myopathie, unter der Götze angeblich leidet, ist per se keine schwere Krankheit - zumal die Art, unter der Götze leiden soll, nicht erblich ist. Wäre Götze kein Profisportler auf Höchstniveau, sie würde sich womöglich gar nicht groß bemerkbar machen.

Dass er als solcher aber auf einen perfekt funktionierenden Körper angewiesen ist, steht eine längere Therapie vor ihm, laut Bild bei einem Spezialisten in Baden-Württemberg, bei dem er fünf bis sechs Wochen in Behandlung bleiben soll.

Diese Behandlung ist tückisch, denn der Stoffwechsel ist auch für Experten ein komplexes Thema. "Das füllt Lehrbücher", sagt Predel.

Längerer Behandlungsprozess steht bevor

Auf Götzes konkrete Situation möchte der Professor aus der Ferne nicht eingehen.

Er erklärt aber, dass fast jede Form von Stoffwechselerkrankung Zeit braucht, um behoben zu werden: "Man muss zunächst diagnostizieren, was genau die Ursache der Störung ist und dann Abhilfe schaffen - durch Medikamente, Ernährungsumstellung, die Möglichkeiten sind vielfältig. In der Regel ist das aber eine langwierigere Geschichte, wir reden von mehreren Monaten, nicht von einer Woche."

Götze hat also noch etwas Leidenszeit vor sich. Aber auch eine realistische Aussicht, dass danach vieles besser sein wird.

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