Holger Badstuber verlässt den FC Bayern. Das Eigengewächs schließt sich Schalke 04 an. Der Innenverteidiger will bei Königsblau Spielpraxis sammeln.

Die Hängepartie hat ein Ende. Nationalspieler Holger Badstuber wechselt mit sofortiger Wirkung auf Leihbasis bis Saisonende vom FC Bayern zu Schalke 04.

"Ich bin dankbar, dass der FC Bayern meinem Wunsch nachgekommen ist. Ich möchte auf Schalke die Spielpraxis sammeln, die ich jetzt brauche, und freue mich auf meine Zeit in Gelsenkirchen", sagte der 27-Jährige, der in den kommenden Tagen den Medizincheck auf Schalke absolvieren wird. 

Franck Ribery bedauerte den Abgang des häufig verletzten Innenverteidigers: "Es ist sehr schade, weil er ein super Spieler und ein richtig guter Junge ist. Er hat eine schwere Zeit hinter sich. Jetzt ist er endlich wieder fit, will spielen und Spaß haben."

Der Mittelfeld-Star der Bayern hofft auf eine baldige Rückkehr Badstubers: "Ich wünsche ihm viel Glück und hoffe, dass er bald wieder zurück kommt." Badstubers aktueller Vertrag bei den Bayern läuft im Sommer aus. 

"Wünschen ihm nur das Beste"

Die Münchner wollten ihrem wechselwilligen Abwehrspieler keine Steine in den Weg legen, wie Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge verdeutlichte: "Holger ist ein verdienter Spieler. Er war oft verletzt, jetzt ist er aber wieder körperlich fit und möchte zu mehr Einsätzen kommen. Daher hat er uns gebeten, auf Leihbasis zu Schalke 04 wechseln zu dürfen. Diesem Wunsch haben wir gerne entsprochen. Wir hoffen, dass Holger in den kommenden Monaten viele Einsatzminuten sammelt, und wünschen ihm nur das Beste."

Badstuber richtete sich in den sozialen Medien auch an die Bayern-Fans: "Liebe Bayern-Fans, jetzt ist es raus: Ich werde den Verein vorerst verlassen", schrieb er: "Ihr habt mir immer die Treue gehalten. Euch trage ich in meinem Herzen, egal wo ich bin. Für Eure Unterstützung nochmals ein großes Danke!"

Und weiter: "Ich war oft gut darin, positiv nach vorne zu schauen. Das möchte ich auch jetzt tun und ich freue mich, Schalke im nächsten halben Jahr helfen zu können und nicht zuletzt einfach nur aufs Fußball spielen."

Keine Vertragsdetails bekannt

Am Vormittag hatte Badstuber im Trainingslager der Bayern in Doha/Katar noch allergisch auf Nachfragen bezüglich seiner Zukunft reagiert.

"Es gibt nichts zu vermelden. Es ist nichts fix", sagte er da noch.

Nun ist der Transfer perfekt. Vertragsdetails wurden nicht bekannt.

Lob von Heidel

Schalke-Manager Christian Heidel hatte betont, der 31-malige Nationalspieler Badstuber sei "in der Spieleröffnung einer der besten Innenverteidiger, die ich kenne. Jetzt ist er topfit und kann voll trainieren."

Im Gespräch mit SPORT1 hatte Heidel erklärt, warum S04 noch einen Innenverteidiger braucht: "Weil wir wie zum Beispiel gegen Bayer Leverkusen mit Johannes Geis als Innenverteidiger spielen mussten, weil die anderen ausgefallen sind. Mit Tilo Kehrer haben wir vier Innenverteidiger, aber es kann immer etwas passieren und darauf wollen wir vorbereitet sein." 

Am Vortag hatten die Königsblauen schon Zweitliga-Toptorjäger Guido Burgstaller vom 1. FC Nürnberg verpflichtet.

Schalkes Trainer Markus Weinzierl konnte sich nur 24 Stunden später nun auch über eine Verstärkung seiner anfälligen Abwehr freuen.

Denn der leidgeplagte Badstuber befindet sich nach zahlreichen schweren Verletzungen offenbar gerade in glänzender körperlicher Verfassung.

Badstuber sucht Spielpraxis

Bayern-Coach Carlo Ancelotti hatte einem temporären Wechsel zugestimmt.

"Wenn er sich dafür entscheidet zu gehen, weil er sechs Monate kontinuierlich spielen will, darüber können wir reden. Aber er wird nicht verkauft", sagte der Italiener.

In München kommt Badstuber im Moment an Mats Hummels genausowenig vorbei wie an Javi Martinez oder einem fitten Jerome Boateng.

"Ich will spielen, das ist das A und O", sagte Badstuber in Katar. Imstande wäre der gebürtige Memminger. Ancelotti beurteilt seine Fitness positiv.

"Er ist in einer guten Verfassung, er wird von Tag zu Tag besser", sagte der Coach.

Geplagt von Verletzungen

Badstuber selbst will endlich wieder richtig auf die Beine kommen nach einer Leidensgeschichte, bei der andere längst das Handtuch geworfen hätten.

Kreuzbandrisse, Sehnenriss, Muskelriss im Oberschenkel, Sprunggelenksbruch - die Verletzungen lesen sich wie ein ausführlicher Auszug aus einem medizinischen Wörterbuch.

"Es war das letzte Mal, dass ich zurückkomme. Das habe ich beschlossen. Ich arbeite daran, dass ich gesund bleibe und dauerhaft auf dem Platz stehe und funktioniere", hatte Badstuber nach seinem jüngsten Comeback Ende Oktober 2016 im DFB-Pokal gegen den FC Augsburg gesagt. Bei Schalke kann er nun den Nachweis erbringen. 

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