Doha - Der Rekordmeister landet in Katars Hauptstadt Doha und will sich dort auf die Rückrunde vorbereiten. SPORT1 ist vor Ort und benennt die Winter-Baustellen der Bayern.

von Christoph Küppers

Von den äußeren Umständen her haben sie schon einmal alles richtig gemacht.

Knappe fünf Stunden, nachdem der FC Bayern am Dienstag um 11.57 Uhr im Sonderflieger mit leichter Verspätung aus dem verschneiten München gestartet ist, landete die Mannschaft in einer anderen Welt.

Angenehme 20 Grad - und das am Abend. In Katar können die Münchner nun sogar die ganze Woche lang mit Kaiserwetter rechnen.

Während des achttägigen Aufenthaltes residiert der Rekordmeister im noblen Fünf-Sterne-Tempel Mövenpick Hotel Al Aziziyah.

Knifflige Aufgaben für Ancelotti 

Alles in Butter also? Nein! Bei den Bayern ist (noch) nicht alles Gold, was glänzt.

Zwar grüßt der Rekordmeister nach der 3:0-Machtdemonstration gegen Verfolger RB Leipzig wieder von der Tabellenspitze. Bisher haben die Münchener aber noch nichts erreicht.

Ob es eine erfolgreiche Saison wird, entscheidet sich erst im Frühjahr.

Reporter Christoph Küppers ist für SPORT1 in Doha vor Ort
Reporter Christoph Küppers ist für SPORT1 in Doha vor Ort © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/SPORT1/Getty Images

Auf Trainer Carlo Ancelotti warten vor dem letzten Spiel der Rückrunde am 20. Januar gegen den SC Freiburg ein paar knifflige Aufgaben.

SPORT1 benennt die die Winter-Herausforderungen der Bayern:

- DIE TAKTIK

Dass Carlo Ancelotti eine Mannschaft auf den Punkt fit machen kann, hat die 3:0-Klatsche für RB Leipzig im Dezember gezeigt.

Nun muss der Coach allerdings nachlegen. In Katar gilt es, die Grundlage für die so wichtige zweite Saisonhälfte zu legen.

Denn: In den vergangenen Jahren schwächelte die Mannschaft in der Rückrunde teilweise - etwa in den wichtigen Champions-League-Halbfinalspielen gegen Real oder Atletico Madrid. Ancelotti will diesen Trend umkehren.

Dafür nahm er kleinere Rückschläge in der Hinrunde in Kauf. Jetzt will er durchstarten.

In Katar warten auf den Italiener nun elementare taktische Fragen: Wie plant Ancelotti mit Kapitän Philipp Lahm, den er in der Hinrunde immer wieder pausieren ließ?

Wie sieht die ideale Besetzung auf den offensiven Außen aus?

Und was ist die perfekte Rolle für Thomas Müller, dessen Wirkung in der Hinrunde auf der Außenbahn verpuffte und der erst im Zentrum wieder zu alter Form fand?

Auf Ancelotti wartet eine Menge Arbeit.

- DIE VERLETZTEN

Ein absoluter Leistungsträger trat die Reise nach Katar gar nicht erst an: Jerome Boateng laboriert weiter an den Folgen seiner Brustmuskel-OP. Der Nationalspieler wird dem Rekordmeister in der Rückrunde zunächst fehlen.

Anders als Kingsley Coman: Der junge Franzose soll in Doha nach überstandener Knöchelverletzung wieder an die Mannschaft herangeführt werden und den Konkurrenzkampf auf den offensiven Außen anheizen.

Angesichts des straffen Programms im Januar und Februar mit Bundesliga, DFB-Pokal-Viertelfinale und Champions-League-Achtelfinale eine wichtige Personalie.

- DIE ZUKUNFT

Regelmäßig brodelt im Januar die Gerüchteküche - auch beim FC Bayern.

Unklar ist, was genau mit Holger Badstuber passiert. Peter Duvinage, Berater des Innenverteidigers, erklärte: Mit den Bayern-Bossen habe man sich auf eine Ausleihe geeinigt.

Doch wo zieht es Badstuber hin? Der Hamburger SV hat laut Badstubers Berater angefragt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der 27-Jährige dem HSV anschließen werde, sei aber "sehr gering". 

Zumal: Badstubers Vertrag bei Bayern läuft im Sommer aus. Eine Ausleihe würde nur Sinn ergeben, wenn er vorher beim FCB verlängert.

Spekulationen gibt es auch um Arturo Vidal. Der FC Chelsea soll interessiert sein, in der vergangenen Woche befeuerte der Chilene mit einem umstrittenen Instagram-Like dieses Gerücht.

Und da ist noch der im Sommer auslaufende Vertrag von Arjen Robben. Seit Wochen pokern die Bayern mit Robbens Vater Hans um eine Verlängerung.

Darüber hinaus bastelt Kader-Manager Michael Reschke weiter am Kader der Zukunft - und wird auch aus Katar wieder einige Telefonate führen.

Heiße potenzielle Neuzugangs-Kandidaten: Sebastian Rudy und Niklas Süle aus Hoffenheim, Serge Gnabry aus Bremen oder Faouzi Ghoulam vom SSC Neapel.

- DIE MORAL

Zum siebten Mal reisen die Bayern nun schon nach Katar. Dennoch gibt es immer noch Kritik am Trainingslager in Doha. Der Grund: Menschenrechte werden im Emirat teilweise immer noch mit Füßen getreten.

Dennoch schloss der Rekordmeister im vergangenen Jahr einen millionenschweren Sponsoring-Deal mit dem Flughafen Katar ab.

Kritik kommt nicht nur von Teilen der eigenen Fans, sondern auch von Korruptions-Experten wie Sylvia Schenk von Transparency International.

"Boykott ist zwar nur ein Mittel, wenn nichts mehr geht. Allerdings dürfen Probleme nicht totgeschwiegen werden", so Schenk in der Abendzeitung.

Ihre Forderung: "Es wäre wichtig, sich mit der Situation in Katar auseinanderzusetzen und eine Haltung deutlich zu machen!" 

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