Vfl Wolfsburg
Valerien Ismael (l.) erhofft sich von Yunus Malli (M.) Verstärkung für die Offensive © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago

Frankfurt am Main und München - Nach dem Draxler-Verkauf war kein Klub auf dem Transfermarkt so umtriebig wie der VfL Wolfsburg - eine Chance für Trainer Valerien Ismael.

von Frank Hellmann

Die Winterpause in der Bundesliga endet am Freitag - welche Klubs zeigen im neuen Jahr ein anderes Gesicht?

SPORT1 blickt jeden Tag auf einen Klub, bei dem es in der Pause größere Veränderungen gab. Heute: der VfL Wolfsburg.

- Welche Schwachstellen hat die Hinrunde offenbart?

Fußballerisch wirkten die Wölfe bieder, dazu offenbarten sich Mängel in der Einstellung.

Weil Dieter Hecking die Talfahrt nicht stoppte, musste der Trainer nach sieben Spieltagen (sechs Punkte, nur ein Sieg) gehen.

Auch unter Nachfolger Valerien Ismael, der zunächst auf Bewährung arbeitete, setzte sich der Schlingerkurs fort, ehe die Siege gegen Eintracht Frankfurt (1:0) und bei Borussia Mönchengladbach (2:1) vor Weihnachten für Ruhe sorgten.

Weil das Verhältnis zwischen Mannschaft und Manager Klaus Allofs belastet war, verlor auch der VfL-Geschäftsführer noch seinen Job.

Allofs' früherer Assistent Olaf Rebbe hat den Posten des Sportdirektors bekommen - der 38-Jährige zieht im Hintergrund die Fäden und tritt deutlich geräuschloser als sein Vorgänger auf. Das passt zu den bescheidenen Zielen für die Rückrunde - schnell dem Abstiegskampf entfliehen.

- Wer wurde neu verpflichtet?

Der VfL hat schon rund 33 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben - mit am Abstand am meisten von allen Klubs. Als Königstransfer gilt Yunus Malli, der für 12,5 Millionen Euro mitten während des Trainingslagers vom FSV Mainz 05 verpflichtet wurde.

Der technisch beschlagene Deutsch-Türke kennt die Liga, wollte vergangenen Winter (zu Borussia Dortmund) bereits wechseln und besaß für den Sommer eine Ausstiegsklausel.

Der VfL brauchte nach dem Verkauf von Julian Draxler und wegen der ungewissen Zukunft von Daniel Didavi (Knieprobleme) einen neuen Zehner. Ebenfalls einen Stammplatz könnte der flinke Franzose Paul-Georges Ntep (fünf Millionen/Stade Rennes) als offensiver Außenbahnspieler ergattern.

Das niederländische Talent Riechedly Bazoer (zwölf Millionen/Ajax Amsterdam) braucht noch Zeit, ebenso der Nigerianer Victor Osimhen (3,5 Millionen/Ultimate Strike Academy).

Die beiden letzteren Transfers hatte noch Allofs eingefädelt. Verteidiger Aymen Abdennour, der bei Werder Bremen mal grandios durchfiel, dann aber über den FC Toulouse und AS Monaco zum FC Valencia kam, wurde dem VfL angeboten. Möglicherweise legt Wolfsburg auf dieser Position noch nach.

- Wer ging? Wer könnte noch gehen?

Julian Draxler wechselte einen Tag vor Weihnachten für 42 Millionen Euro Ablöse zu Paris Saint-Germain, der Nationalspieler überzeugte beim neuen Arbeitgeber auf Anhieb.

Sein Talent hielt der 23-Jährige im Wolfsburg zurück; weder seiner Ablöse (36 Millionen) noch seinen Ansprüchen wurde er dort gerecht. Die vielen wechselwilligen Spieler bezeichnete Urgestein Marcel Schäfer im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 als das Problem für das Binnenklima im vergangenen Sommer.

Deshalb war die Trennung für alle Seiten die beste Lösung. Verkaufskandidat könnte noch der unzufriedene Portugiese Vieirinha werden. Auch Bruno Henrique und Philipp Wollscheid dürfen gehen. Bei Ricardo Rodriguez müsste schon ein exzellentes Angebot eines Topvereins vorliegen, was bisher nicht der Fall ist.

"Wenn bis zum 31. Januar etwas kommt, wird man sich unterhalten“, so der Schweizer Linksverteidiger. Mittelfeldabräumer Luiz Gustavo wird wohl zumindest bis Sommer bleiben, er spielt neuerdings in einer Dreierkette.

- Warum ist die Mannschaft jetzt besser aufgestellt?

Trainer Ismael hat im Trainingslager in Spanien dreimal täglich trainiert und die Zügel merklich angezogen. Der Deutsch-Franzose hat die Winterpause gemeinsam mit der Mannschaft zum Neustart genutzt.

Die Stimmung ist verbessert, nun geht es darum, dauerhaft als Mannschaft aufzutreten, die ihre hohe individuelle Qualität beispielsweise bei Mittelstürmer Mario Gomez nutzt. Talente wie Paul Seguin sind auf dem Vormarsch, der nach seinem Halswirbelbruch vollkommen genesene Joshua Guilavogui könnte der neue Stabilisator im 3-5-2-System werden. 

Auch nicht ganz unwichtig: Es gibt keine Alibis mehr, die die Spieler noch anführen können. Die gesamte sportliche Leitung ist bereits ausgetauscht. Richtungsweisend werden die ersten Heimspiele gegen den Hamburger SV (21. Januar) und FC Augsburg (28. Januar).

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