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München - Das Trainerkarussell dreht sich so schnell wie nie. Wer zittert noch, wer springt wieder auf? SPORT1 blickt auf alle Brennpunkte in Liga 1 und 2.

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BVB-Boss Hans Joachim Watzke nennt es einen "Wahnsinn", Leverkusens Sportchef Rudi Völler "Hysterie".

Noch nie zuvor gab es bereits nach dem 16. Bundesliga-Spieltag so viele Trainer-Entlassungen. Viktor Skripnik (Werder Bremen), Bruno Labbadia (Hamburger SV), Dieter Hecking (VfL Wolfsburg), Markus Kauczinski (FC Ingolstadt), Norbert Meier (SV Darmstadt 98), Dirk Schuster (FC Augsburg) und Andre Schubert (Borussia Mönchengladbach).

Schon sieben Übungsleiter mussten ihren Hut nehmen. Zumindest Hecking hat schnell wieder Anschluss gefunden, beerbt nun Schubert in Gladbach.

Auch andere Trainer-Stühle wackelten bereits, wenngleich sich am letzten Spieltag vor der Weihnachtspause ein paar von ihnen stabilisierten. Und noch nicht jeder Klub hat nach dem Rauswurf einen Nachfolger gefunden.

Wie geht es weiter an den Trainer-Brennpunkten der ersten und zweiten Liga? SPORT1 wirft einen genauen Blick auf die Lage.

- VfL Wolfsburg

Eigentlich sah nach dem 14. Spieltag bereits alles nach einem baldigen Aus für Hecking-Nachfolger Valerien Ismael aus, eine Trennung spätestens in der Winterpause schien beschlossene Sache zu sein.

Doch nach zwei Siegen sitzt der Franzose wieder fester im Sattel. Die Verantwortlichen sprachen ihm schon vor dem letzten Spiel in Gladbach das Vertrauen aus.

Das Pikante: Nach SPORT1-Informationen verhandelte der VfL bereits mit David Wagner vom englischen Zweitligisten Huddersfield, der dann überraschend absagte - auch wenn VfL-Aufsichtsrat Hans-Gerd Bode das bestreitet, um Ismaels Autorität nicht weiter zu schwächen.

Ismael muss in der Rückrunde dennoch schnell liefern, sonst ist sein Aus nur aufgeschoben und nicht aufgehoben.

- Bayer Leverkusen

In Leverkusen verhält es sich ähnlich wie in Wolfsburg: Der wackelnde Trainer Roger Schmidt darf nach dem 1:1 im Rheinderby beim 1. FC Köln auch im neuen Jahr auf der Bank sitzen - trotz der zuletzt schwelenden Debatten um seine Person, die auch innerhalb des Klubs geführt wurden.

"Der Trainer steht nicht zur Diskussion. Er hat die Mannschaft gut eingestellt. Mit dem Tabellenplatz sind wir aber natürlich nicht zufrieden", sagte Bayer-Geschäftsführer Michael Schade.

Auch Sportchef Rudi Völler - Schmidts großer Fürsprecher - bestätigte, dass man mit ihm weiter machen werde. Auch bei Bayer jedoch gilt: Schmidt muss das Rest-Vertrauen schnell zurückzahlen.

- Darmstadt 98:

Nach dem Doppel-Aus von Trainer Norbert Meier und Sportchef Holger Fach steht der Verein momentan ohne sportliche Führung da. Interimstrainer Ramon Berndroth versucht derzeit, zu retten, was zu retten ist.

Doch trotz zeitweise guter Leistungen holte der 64-Jährige in den drei Partien vor der Winterpause keinen Punkt - und geht bald in den Ruhestand, statt zur Dauerlösung zu werden.

Als heißer Kandidat auf seine Nachfolge beim Tabellenletzten gilt Holger Stanislawski, zuletzt in der Saison 2012/13 Trainer beim 1. FC Köln und seitdem TV-Experte und Geschäftsführer eines Supermarkts im Hamburg.

Nach SPORT1-Informationen ist aber auch Kosta Runjaic am Böllenfalltor im Gespräch. Der 45-Jährige wurde zuletzt nach nur fünf Monaten beim Zweitligisten 1860 München entlassen. Von 2010 bis 2012 war Runjaic schon einmal Trainer bei den Lilien und schaffte mit dem Verein 2013 den Aufstieg in die 3. Liga.

- FC Augsburg:

Nach der überraschenden und vieldiskutierten Entlassung von Dirk Schuster in der vergangenen Woche hat Interimstrainer Manuel Baum (früher Co-Trainer und Teamchef bei der SpVgg Unterhaching) zunächst das Sagen. Und seine Bilanz kann sich sehen lassen: Gegen Mönchengladbach (1:0) und beim BVB (1:1) holte der FCA unerwartet vier Zähler.

Nach SPORT1-Informationen darf der 37-Jährige deshalb im neuen Jahr auch offiziell als Chefcoach weitermachen, wenngleich Geschäftsführer Stefan Reuter derzeit noch auf Zeit spielt. Die Gründe für seine Beförderung liegen auf der Hand - Baum kennt den Verein in und auswendig, hat zuvor schon viele Jahre erfolgreiche Jugendarbeit geleistet.

- Karlsruher SC:

Nach dreiwöchiger Suche und zwei Absagen ist der neue alte KSC-Sportchef Oliver Kreuzer bei der Suche nach einem Nachfolger für Tomas Oral fündig geworden.

Zwei Tage vor Weihnachten präsentierten die Nordbadener Mirko Slomka als neuen Mann an der Seitenlinie. "Ich kenne ihn sehr gut aus unserer gemeinsamen Zeit in Hamburg und bin mir sicher, dass er beim KSC erfolgreich arbeiten wird", sagte Kreuzer über seinen früheren Weggefährten.

"Es gab viele Gespräche - aber nur eine konkrete Verhandlung und zwar mit Slomka. Es gab, ich nenne es mal so, einen Interressenaustausch mit mehreren Trainern. Aber richtig eingestiegen in die Verhandlungen sind wir nur bei Mirko", sagte Kreuzer zu SPORT1.

Zum Kandidatenkreis zählten neben Slomka auch Franco Foda und Dirk Schuster.

- FC St. Pauli:

Tabellenletzter der 2. Bundesliga, 11 Punkte aus 17 Punkten: Trotzdem stemmt sich ausgerechnet der Kiez-Klub gegen den Trend. Ewald Lienen ist und bleibt Trainer.

Sportchef Andreas Rettig hat Lienen eine Job-Garantie für den Rückrundenstart gegeben. Man sei überzeugt, "dass wir mit ihm die größte Chance haben, unser Ziel Klassenerhalt zu erreichen", sagte Rettig dem kicker. So unhysterisch muss man in dieser Situation erstmal sein.

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