Thiago spielt seit 2013 beim FC Bayern © Imago

München - Thiago zeigt gegen RB Leipzig sein wohl bestes Spiel für Bayern München. Die Gala in neuer Rolle erhöht auch den Konkurrenzdruck auf Thomas Müller.

"Thiago oder nix" - das war Pep Guardiolas sehnlichster Wunsch kurz nach seinem Amtsantritt als Trainer des FC Bayern im Jahr 2013.

"Nix geht ohne Thiago", war das Motto beim dominanten 3:0-Sieg der Münchner im Spitzenspiel gegen RB Leipzig.

Der Spanier zog im Heimspiel gegen den Rekord-Aufsteiger die Fäden im Mittelfeld der Münchner, zeigte in neuer, offensiverer Rolle seine wohl beste Leistung im Bayern-Trikot.

Und wird in dieser Form auch zu einem Problem für den neuen Positionskonkurrenten Thomas Müller, der Thiagos Gala von der Bank aus zusah.

Emanzipation von Guardiola

Die Entwicklung, die der 25-Jährige im vergangenen halben Jahr nahm und die in seine großartige Leistung gegen die Roten Bullen mündete - sie war nicht unbedingt vorauszusehen.

Als Guardiola den Rekordmeister vor der laufenden Saison verließ, glaubten viele, dass Ziehsohn Thiago in ein Loch fallen würde - oder Guardiola zu Manchester City folgen könnte.

Fast zehn Jahre hatte Thiago schließlich mit Guardiola zusammengearbeitet. Erst in der zweiten Mannschaft des FC Barcelona, dann eine Etage höher beim katalanischen Nobelklub und schließlich eben bei den Bayern.

Das Verhältnis war familiär. Thiagos Berater war Guardiolas Bruder Pere. Doch mittlerweile hat sich Thiago emanzipiert.

Pep Guardiola (l.) begrüßte Thiago 2013 beim FC Bayern
Pep Guardiola (l.) begrüßte Thiago 2013 beim FC Bayern © Getty Images

Thiago spricht von "Spaß am Spiel"

Thiago lässt sich inzwischen von Vater Mazinho beraten, seines Zeichens früherer Profi und Weltmeister 1994 mit Brasilien - und nicht zu verwechseln mit dem früheren Bayern-Stürmer gleichen Namens.

Auf dem Platz fühlt sich Thiago unter Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti sichtlich wohl. In der Ära Guardiola tauchte er auf dem Platz gelegentlich unter oder wirkte körperlich nicht ganz auf der Höhe. Auch unter Ancelotti hing ihm der Ruf nach, eine Künstlerseele zu sein, die dem Team nur an guten Tagen weiterhilft.

Nach seiner Show gegen Leipzig stellte Thiago dagegen zufrieden fest: "Wenn du Spaß hast am Spiel, macht dich das besser, es holt mehr aus dir heraus."

Ancelotti mit überraschender Taktik

Seiner Bilanz gegen RB zufolge hatte er mächtig Spaß in der neblig-frostigen Allianz Arena: Er hatte die meisten Ballkontakte, markierte das 1:0 selbst, das 2:0 bereitete er nicht nur mit einem überlegten Pass auf Xabi Alonso vor - er leitete die Szene auch ein, indem er Leipzigs Willi Orban beim Spielaufbau bedrängte und zu einem Fehlpass drängte. Eine echte Mia-san-mia-Aktion.

Thiagos starker Auftritt war begünstigt von Ancelottis Taktik. Überraschend setzte der Italiener auf ein 4-2-3-1-System, ließ Müller auf der Bank schmoren und beorderte stattdessen Thiago auf die zentrale offensive Mittelfeldposition.

Thiago auf der Zehn? In Guardiolas Masterplan war das nicht vorgesehen gewesen. Ancelotti aber machte Thiago gegen den Überraschungs-Zweiten zur zentralen Figur.

"Die richtige Position"

Der Trainer erklärte nach dem souveränen Sieg: "Die Idee war, dass er zwischen den Abwehrlinien spielen sollte. Das machte Thiago sehr gut. Er hatte die richtige Position auf dem Feld, und das half uns, gute Angriffe zu spielen."

Ist Thiago auf dieser Position das Modell für die Zukunft? Er selbst hielt sich dazu in den Katakomben des Münchner Stadions noch bedeckt: "Ich fühle mich wohl als Nummer zehn, aber auch auf jeder anderen Position." Auch auf die Frage, ob er sich unter Ancelotti wohler fühle als unter Guardiola, antwortete Thiago diplomatisch: "Pep hat seinen Stil und Carlo hat seinen Stil."

Verschont von Verletzungen

Fakt ist aber: Kaum ein Bayern-Spieler profitiert bisher so sehr von Ancelottis Stil und dem Vertrauen, dass der Coach ihm entgegen bringt. In 22 von 24 Pflichtspielen stand Thiago in dieser Saison auf dem Platz, meist über volle 90 Minuten. Auch weil Thiago im Gegensatz zu den vergangenen Jahren von Verletzungen verschont blieb.

Bleibt er weiter gesund, werden auch nach der Winterpause zahlreiche Einsätze dazu kommen. Überzeugt er weiter auf der Zehn, erhöht das in der Offensive den Konkurrenzdruck auf Müller, der nach seinem durchwachsenen Jahr von Ancelotti das deutliche Signal bekam, dass es inzwischen auch mal ohne ihn geht. Ebenso von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der Müller trotz dessen zuletzt ansteigender Form zu den Spielern zählte, die "2017 das ein oder andere vielleicht besser machen müssen".

Thiagos Gala bekräftigte das Signal.

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