TSG 1899 Hoffenheim v Borussia Dortmund - Bundesliga Ousmane Dembele
Ousmane Dembele von Borussia Dortmund beim Spiel gegen 1899 Hoffenheim © Getty Images

München - Thomas Tuchel klagt über die Vielzahl der Fouls gegen Borussia Dortmund - und hat Recht. Die Statistik zeigt: Die Zermürbungstaktik der BVB-Gegner hat Erfolg.

von

Die Fouls, die Fouls und immer wieder: die Fouls.

Es ist das Thema, das Borussia Dortmund in dieser Saison verfolgt. Auch wenn Trainer Thomas Tuchel erklärtermaßen selbst die Nase voll davon hat, "dass alle paar Wochen die Sau durch das Dorf getrieben wird, obwohl ich nur eine Statistik vorlese".

Aber er liest die Statistik eben doch immer wieder vor. Und, was noch schwerer wiegt: Sie stimmt ja auch.

Kein Team öfter gefoult als der BVB

Die Spieler des BVB werden "öfter gefoult, als die unfairste Mannschaft der Liga foult", hielt Tuchel bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Augsburg fest (ab 19.30 Uhr in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

272 Mal wurden die Dortmunder in ihren 15 Spielen dieser Saison gefoult, 15 Mal häufiger als der HSV austeilte - der Foul-Schurke, auf den Tuchel anspielte. 18,1 Mal pro Partie steckte Dortmund ein - kein Team trifft es häufiger (Die komplette Foul-Statistik im SPORT1-Datencenter).

© SPORT1

Und was diese Erkenntnis noch problematischer für die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel macht: Die illegalen Manöver haben eine spürbare Auswirkung auf Dortmunds Tabellenlage.

Nicht nur der Blick in die Foul-Statistik nach dem umkämpften 2:2 bei der TSG Hoffenheim am vergangenen Freitag belegt: Jeder Gegner, der dem BVB Punkte abgeknöpft hat, hat dabei überdurchschnittlich viele Fouls begangen. Größtenteils deutlich.

Unfaire Attacken zeigen Wirkung

14,11 Fouls pro Team und Spiel sind in dieser Saison Liga-Standard, nicht nur die Hoffenheimer (22) haben ihn überschritten, auch die Kölner (25), die Schalker, Herthaner und Leverkusener (je 21), die Ingolstädter und Frankfurter (je 18) und auch RB Leipzig (16).

Zum Vergleich: Die andere Borussia aus Mönchengladbach langte nur sieben Mal zu - verlor aber auch 1:4.

"Die anderen Mannschaften haben erkannt, dass du Dortmund mit Aggressivität und Zweikampfhärte beikommen kannst", stellte der frühere Dortmunder Steffen Freund am Montag in der Telekom Spieltaganalyse auf SPORT1 korrekt fest.

Nicht umsonst haben Tuchel und andere Verantwortliche des Klubs die Menge der gegnerischen Fouls in dieser Saison wiederholt zum Thema gemacht. "Sie kennen meine Meinung, dass 20 Fouls pro Spiel für mich die Grenze ist", sagte Tuchel zuletzt nach dem Remis gegen Köln. Und bei der Augsburg-PK nahm er sich auch diejenigen vor, die seine Meinung mit Stichwörtern wie "Männerfußball" kontern: "Das ist keine gesunde Härte, wenn du Foul spielst. Das ist halt eine Regelübertretung."

Auch Dortmund zieht die Zügel an

Wobei es nicht so ist, dass die Dortmunder das nicht auch können: Der BVB scheint inzwischen Watzkes Worte nach dem Leverkusen-Spiel ("Vielleicht sollten wir mal auf den Fairness-Preis verzichten") zu beherzigen.

Zwar ist Dortmund mit 168 Fouls (11,2 pro Spiel) immer noch das zweitfairste Team hinter Bayern (140). In den jüngsten Partien gegen Köln (18) und Hoffenheim (17) aber schlug auch der BVB über die Stränge.

"Um hier etwas mitzunehmen, gab es aber keine Alternative", begründete Marcel Schmelzer nach dem Hoffenheim-Spiel. Als Musterbeispiel für die Devise "Wer einsteckt, muss auch austeilen können" darf Verteidiger Sokratis gelten, der zugleich der am meisten gefoulte (28) als auch der am häufigsten foulende Dortmunder (18) ist.

Zurückfoulen kein Allheilmittel

Ein Allheilmittel ist das Zurückfoulen allerdings nicht, wie der Blick auf die Foul-Daten vergangener Jahre zeigt. Erfolgreiche und spielerisch starke Teams wie Bayern und Dortmund liegen in den Statistiken zu den begangenen Fouls in der Regel weit hinten.

Hinzu kommt: Teams, bei denen es spielerisch gut läuft, sind oft auch seltener Opfer von Fouls. Der FC Bayern wurde in der Saison 2015/16 am wenigsten irregulär gestoppt. Die Gegner kamen oft einfach nicht dazu, die Ballstafetten der Guardiola-Bayern aufzuhalten, egal ob fair oder unfair.

Das System Tuchel funktioniert bei allen Parallelen zu Vorbild Guardiola etwas anders: Es ist mehr auf Eins-zu-eins-Situationen ausgelegt, lebt von den dort starken Spielern wie Aubameyang, Reus und Dembele.

Dass die Dortmunder Gegner das Rezept gegen genau diese Stärke gefunden haben, ist für Tuchel das eigentlich beunruhigende.

Weiterlesen