Armin Veh kennt Heribert Bruchhagen aus der gemeinsamen Zeit in Frankfurt
Armin Veh kennt Heribert Bruchhagen aus der gemeinsamen Zeit in Frankfurt © Getty Images

SPORT1-Experte Armin Veh analysiert die Gründe für Heribert Bruchhagens Rückkehr zum HSV. Den Rauswurf von Dirk Schuster in Augsburg kann er nachvollziehen.

Hallo Fußball-Freunde,

beim Hamburger SV übernimmt mein alter Weggefährte Heribert Bruchhagen.

Heribert ist so lange dabei in diesem Geschäft, er kann nicht anders. Er liebt den Fußball.

Er hat jetzt ein paar Monate nichts gemacht. Nichts gegen seinen Wohnort Harsewinkel - aber ich glaube, wenn du in Großstädten gelebt hast, brauchst du dieses Flair. 

Es ist aber eine schwierige Phase, weil er beim HSV im Abstiegskampf steckt und jetzt neue Strukturen aufbauen muss. Das braucht Zeit. Das kann er natürlich nicht im Winter durch Handauflegen machen.

Es ist trotzdem wichtig, Entscheidungen jetzt zu treffen, weil er die Personalpolitik im Winter machen muss. Dafür gibt es nicht ewig Zeit. Die Transferperiode ist relativ kurz.

Wie beim HSV hat auch mein Heimatklub FC Augsburg den Trainer entlassen. Der FCA war bisher eigentlich nicht bekannt dafür, ein Trainer-Killer zu sein.

Wenn sie jetzt aber in der Führung der Überzeugung waren, dass es keine Zukunft mit Dirk Schuster gibt, dann muss man ihnen das zugestehen. Ich glaube nicht, dass Augsburg das willkürlich gemacht hat. Sondern, dass sie überzeugt waren, die richtige Entscheidung zu treffen.

Natürlich war es angesichts der Tabellensituation ungewöhnlich. Aber ich persönlich bin Überzeugungstäter: Wenn ich an etwas glaube, dann muss ich das auch tun. Auch, wenn es vielleicht dem einen oder anderen nicht passt.

Ich schaue die Geschichte vielleicht ein bisschen anders an, weil ich Augsburg und die Leute dort ein bisschen besser kenne. Als Trainer muss ich mich auch an eine Mannschaft anpassen. Thomas Tuchel hat zum Beispiel in Mainz ganz anders gespielt, als er es jetzt in Dortmund tut.

Apropos Dortmund: Beim Remis bei der TSG Hoffenheim gab es Ärger wegen des Tores von Sandro Wagner, der zuvor Sven Bender weggeschoben hatte.

Ich glaube Wagner, wenn er sagt, er habe das in der Situation überhaupt nicht gemerkt. Alle arbeiten im Strafraum gegen den Ball.

Wenn ich allerdings Verantwortlicher beim BVB wäre, würde ich mich über die Szene richtig aufregen und sagen: Das war ein klares Foulspiel! Für mich war schnell erkennbar, dass Wagner mit beiden Armen dem Abwehrspieler keine Chance gelassen hat.

Trotz der unbefriedigenden Tabellensituation sehe ich aber nicht schwarz für den BVB.

Natürlich hat die Mannschaft einen Umbruch gehabt, wichtige Spieler sind gegangen. Aber ich bin überzeugt: Sie haben eine Mannschaft für die Zukunft.

Mit diesem neuen Kader, der sich erst entwickeln muss, sind sie trotzdem noch die zweitbeste Mannschaft Deutschlands hinter den Bayern.

Die Problematik ist: Der BVB hat zu wenig Punkte. Sie haben Glück, dass Klubs wie Schalke, Leverkusen und Wolfsburg noch hinten dran stehen.

Die Verantwortlichen werden jedoch schon damit gerechnet haben, dass sie ein Jahr brauchen, um das Team zu entwickeln. Für die Zukunft bin ich mir sicher, dass Dortmund wieder ein absoluter Konkurrent für Bayern und auch für Leipzig wird.

Bis demnächst,
Euer Armin Veh

Armin Veh kann auf eine erfolgreiche Laufbahn als Trainer zurückblicken. Mit dem VfB Stuttgart gewann er 2007 die deutsche Meisterschaft. Mit Eintracht Frankfurt stieg er in der Saison 2012/13 in die Bundesliga auf und qualifizierte sich anschließend für die UEFA Europa League. Seit dieser Saison begleitet Veh als Experte den Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

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