Leipzig - RB-Sportdirektor Ralf Rangnick spricht im exklusiven SPORT1-Interview über das Spitzenspiel beim FC Bayern, den Wandel von Uli Hoeneß und Leipzigs Tugenden.

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Ralf Rangnick kennt die Situation. 2008 reiste er mit 1899 Hoffenheim am letzten Spieltag vor der Winterpause als Spitzenreiter zum FC Bayern - und verlor.

Diesmal kommt es am Mittwoch zum Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig.

Vorab spricht RB-Sportdirektor Rangnick im exklusiven SPORT1-Interview über die bevorstehende Begegnung, den Wandel von Bayerns zurückgekehrtem Präsidenten Uli Hoeneß, Leipzigs Entwicklung und wichtige Prinzipien.

Ralf Rangnick über:

…seine Antwort, wenn ihm 2012 jemandem den Aufstieg mit Leipzig prophezeit hätte:

"Wahrscheinlich hätte ich ihn gefragt, ob er zu viel Red Bull getrunken hat (schmunzelt). Als ich 2012 hier zugesagt habe, konnte ich mir schon vorstellen, mal Bundesliga zu spielen. Dass es so schnell gehen würde, hätte niemand für möglich gehalten."

…das Projekt RB Leipzig:

"Viel weiter nach oben als im Moment geht es ja nicht. Wir müssen schauen, dass wir uns stabilisieren und unseren Prinzipien treu bleiben. Wir unterscheiden uns von anderen Klubs, schauen auf das Alterssegment, holen keinen, der älter ist als 23 oder 24. Wir achten auch auf unser Gehaltsgefüge und sehr stark auf die Mentalität der Spieler. Wir wissen, je weiter wir nach oben kommen, umso schwerer wird es."

…das Gehaltsprinzip von RB Leipzig:

"Finanziell werden wir uns Schritt für Schritt entwickeln, die Gehälter sind nicht mehr die gleichen wie in der Zweiten und 3. Liga. Das sollte aber alles so geschehen, dass alle die Chance haben, diesbezüglich zu profitieren."

…die Partie gegen den FC Bayern:

"Wir könnten unsere Spielweise gar nicht verändern, so sehr sind die Spieler darauf gepolt. Wir bereiten uns natürlich auf jedes Spiel ganz speziell vor. Bayern wird sich nicht nach uns orientieren, sondern nach dem Motto Mia san Mia auftreten.

Unsere Art zu spielen ist auf Ball jagen, Ball erobern ausgerichtet. Wenn wir damit in München punkten wollen, müssen wir richtig einen raushauen. Das Spiel drei Tage vor Heiligabend ist für uns ein absolutes Highlight mit europaweiter Aufmerksamkeit. Wir können nur gewinnen, selbst wenn wir verlieren."

…den Vergleich zu dem Spiel mit Hoffenheim in München 2008:

"Von der Tabellensituation gibt es Parallelen, was die Mannschaft angeht weniger. Bayern hat eine stärkere Mannschaft, damals waren sie verwundbar. Hoffenheim hat von der Qualität der Einzelspieler gelebt, nicht so sehr vom Teamspirit. Da unterscheidet sich Leipzig."

…die Rückkehr von Uli Hoeneß zum FC Bayern:

"Natürlich tut er der Liga gut. Ich glaube, dass Uli Hoeneß den FC Bayern verkörpert wie kaum ein anderer. Auf mich wirkt er durch diese Zeit auch als Mensch verändert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er vor vier Jahren den Spruch vom neuen Feind in neuen Rivalen abgeändert hätte. Ich glaube, dass das schon etwas mit ihm gemacht hat."

…die Rolle von Uli Hoeneß:

"Man wird abwarten, wie die Aufgaben zwischen ihm, Karl-Heinz Rummenigge und auch Michael Reschke verteilt sein werden. Wenn dann noch ein Sportdirektor dazu kommt, sind es vier wichtige Personen im Verein, die sich die Aufgaben aufteilen müssen."

…FCB-Chefscout Michael Reschke:

"Ich bin mir sicher, dass die Verpflichtung von Joshua Kimmich von ihm mitinitiiert wurde. Sie haben damit alles richtig gemacht."

…Philipp Lahm und den möglichen Job als Sportdirektor:

"Das kommt auf das Aufgabenfeld an. Ich bin in sehr viele Abteilungen und Prozesse involviert, das ist ein sehr großes Tätigkeitsfeld. Ich kann mir vorstellen, dass jemand wie Philipp sich bei einem Verein wie dem FC Bayern nicht um alles kümmern muss. Philipp hat so viel Erfahrung, ist ein intelligenter Mann. Es wird bei ihm dann nicht allzu lange dauern, bis er da hineinwächst. Er hat mit Hoeneß, Rummenigge und Reschke Mitarbeiter, die ihm dann helfen können."

…den möglichen Zeitpunkt von Lahms Rücktritt:

"Er muss selbst entscheiden, wann er die Karriere beendet. So wie er es mit der Nationalmannschaft geschafft hat, als er auf dem absoluten Höhepunkt aufgehört hat. Das spricht auch für ihn."

 …einen möglichen Wechsel des jetzigen Salzburger Profis Dayot Upamecano nach Leipzig:

"Im Moment tut ihm die Spielpraxis gut, er fühlt sich in Salzburg sehr wohl. Man wird von Saison zu Saison sehen müssen."

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