München und Dortmund - Der "absurde" Fall Marco Reus, die Fouls, die Medien: BVB-Trainer Thomas Tuchel lässt bei der Pressekonferenz vor dem Augsburg-Spiel eine Menge Frust ab.

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Thomas Tuchel weiß, welches Risiko er mit seinen Worten eingegangen ist.

"Wenn du dir erlaubst, das zu thematisieren", sagte der Trainer von Borussia Dortmund, "bist du der, der rumheult oder der das nicht erträgt."

Tuchel, der schlechte Verlierer. Tuchel, der Jammerer. Taschen-Tuchel. Der BVB-Coach kennt die spöttischen Klischees, die über ihn in der Welt sind.

Und doch nahm er die Gefahr in Kauf, die Klischees zu bestätigen. Die Themen, die ihm auf dem Herzen lagen - der Fall Marco Reus, die Gangart der BVB-Gegner - waren ihm zu wichtig. Oder er kann halt wirklich nicht anders.

Tuchel zum Fall Reus: "Absurde Züge"

In jedem Fall sah Tuchel es als geboten an, die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Augsburg (Di., 19.30 Uhr in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) zu einer bemerkenswerten Generalabrechnung zu machen. Mit den Gegnern, den Schiedsrichtern, dem DFB, den Medien. Mit vielem.

"Absurde Züge" hat es für ihn, dass Marco Reus nach seiner gelb-roten Karte bei 1899 Hoffenheim (2:2) gegen Augsburg fehlen wird.

Und in ähnlich großem Maß stört ihn, dass sein Team gerade das meistgefoulte der Liga ist (272 Mal in 15 Spielen). Und dieser Umstand aus Sicht mancher auch noch für die Cleverness der Gegner spricht (Der PK-Ticker zum Nachlesen).

Frust über Gegner und Medien

"Wir reden dann immer, und das stört mich an der ganzen Diskussion, davon, dass das Männersport ist und man redet von einer gesunden Härte, aber das ist halt nicht der Fall", ärgerte sich Tuchel.

Seine Sicht auf die Dinge: "Das ist keine gesunde Härte, wenn du Foul spielst. Das ist halt eine Regelübertretung. Das hat mit gesunder Härte und Männersport leider nichts zu tun." Wobei Tuchel auch von den Augsburgern erwartet, dass sie sich die Hoffenheimer Gangart zum Vorbild nehmen: "Das scheint ja Standard zu sein."

Und was Tuchel ebenfalls missfällt: Dass es in der öffentlichen Meinung immer wieder auf ihn zurückfällt, wenn er das Thema anspricht. "Alle paar Wochen, wenn ich eine Aussage treffe, wird die Sau durch das Dorf getrieben, obwohl ich nur eine Statistik vorlese", stellte er fest.

"Beinahe tragischer Beigeschmack"

Es hielt ihn nicht davon ab, weitere Aussagen zu treffen, die auch nicht für Ruhe im Dorf sorgen werden.

Den umstrittenen Platzverweis für Marco Reus thematisierte er von sich aus noch einmal - und machte dabei seinem Frust über das Regelwerk Luft.

Es habe einen "ja schon beinahe tragischen Beigeschmack", wenn ein Spieler gesperrt werde, "der nachweislich nichts getan hat".

Dafür, dass die Tatsachenentscheidung gegen Reus nicht umkehrbar ist, hält sich Tuchels Verständnis "in engen Grenzen, um nicht zu sagen, ich habe keins dafür".

Der unschuldige Ladendieb

Es fühle sich an, "als wirst du vom Kaufhausdetektiv beim Ladendiebstahl erwischt, und durch die Kamera stellt sich raus, du hast gar nichts geklaut, gehst dann aber trotzdem eine Woche in den Bau, weil der Detektiv halt gedacht hat, er hat's gesehen und dann ist das halt so."

Ein Gefühl, das nichts daran ändern wird, dass Marco Reus gegen Augsburg nicht spielen wird.

Es musste aber wohl einfach raus.

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