Dietmar Beiersdorfer, scheidender Vorstandsvorsitzender beim Hamburger SV, will im Volkswagen Doppelpass nicht ausschließen, dass er als Sportdirektor bleibt.

Bleibt Dietmar Beiersdorfer nach seinem Abgang als Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV noch Sportdirektor bei den Hanseaten?

Der 53-Jährige, der im neuen Jahr von Heribert Bruchhagen beerbt wird, wollte diese Option im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 nicht ausschließen.

"Bis zum letzten Tag"

"Wir fokussieren uns nur auf das Spiel gegen Schalke, alles andere wird sich zeigen", sagte Beiersdorfer, der aus Hamburg in die Sendung zugeschaltet war: "Ich fokussiere mich nur auf das letzte Spiel und die Aufgaben, die wir im Gespräch mit Heribert Bruchhagen formuliert haben. Ich unterstütze den Klub bis zum letzten Tag. Nur darauf liegt im Moment mein Fokus. Über alles andere möchte ich nicht spekulieren."

Der Noch-HSV-Boss weiter: "Es gibt natürlich unzählige Spekulationen. Mich freut natürlich auch die Rückmeldung von vielen hier in Hamburg, ob es die Mannschaft ist, der Trainer, das Umfeld, unsere Fans. Das ist total klasse. Das zeigt natürlich auch, dass man nicht alles umsonst gemacht hat. Und dass man auch gute Sachen gemacht hat."

"HSV ist kein Wrack"

Beiersdorfer verteidigte seine bisherige Arbeit bei den Hamburgern: "Ich bin überzeugt: Dass der HSV kein Wrack ist, sondern ein Schiff, das in wieder in die richtige Richtung kommt, wenn wir die sportliche Situation überstehen."

Beiersdorfer sprach zudem über:

…die Kritik an seiner Arbeit: "Was soll ich sagen? Es reden ja genügend andere Menschen: 'Der HSV ist ein Wrack' oder 'Herr Kühne pumpt 90 Millionen im Jahr in die Mannschaft'. Das sind ja alles Sachen, die völlig undifferenziert sind oder einfach herausgeplaudert  werden. Ich habe mich ruhig verhalten, weil ich denke, dass es jetzt wichtig ist für unseren Klub -  zumindest von meiner Position aus, die Ruhe auszustrahlen, die der Mannschaft und dem Trainer helfen kann, das letzte Spiel gegen Schalke erfolgreich zu gestalten."

…seine Bilanz beim HSV: "Wir haben mit 27 Punkten in der Relegation hier angefangen. Wir mussten die komplette Mannschaft austauschen. Wir hatten immer wieder Schwierigkeiten, sportlichen Erfolg zu produzieren. Wir haben uns entwickelt. In der nächsten Saison hatten wir 35 Punkte. Ich glaube, dass wir viel entwickelt haben. Wir haben ein ganz neues Nachwuchskonzept aufgebaut. Wir haben den Campus gemacht. Wir haben den Altersdurchschnitt der Mannschaft von 28 Jahren im letzten Jahr auf 24 verjüngt. Wir haben Werte geschaffen. Wir haben Spieler geholt, die Potential haben. Als Sportdirektor habe ich eben nicht den Mann gefunden, der in unsere Strategie passt. Jetzt muss man gucken, wer dieser Mann sein kann. Aber der Gesamtverein ist in die richtige Richtung aufgestellt. Wir haben den Gesamtverein, der ein Sanierungsfall war, wieder auf bessere Beine gestellt. Die Reputation des HSV ist intakt. Der Übergang von e.V. in eine AG haben wir sehr gut gemeistert. Aber es ist ein Ergebnissport. Wir sind einfach schlecht mit zehn Punkten nach der Anzahl von Spielen."

…Investor Klaus-Michael Kühne: "Ich glaube, wir wissen alle, dass Herr Kühne seinen Klub, dem er wirklich emotional sehr nahe steht, in den letzten Jahren stark unterstützt hat. Ich glaube, ohne Herrn Kühne wäre es sehr, sehr schwer gewesen, überhaupt hierher gekommen zu sein. Er hat nie mehr gewollt. Der HSV und seine Gremien haben die Entscheidungen immer alleine getroffen. Er hat uns immer zur Seite gestanden und steht uns immer noch zur Seite. Das finde ich bemerkenswert."

..die sportliche Situation: "Mich ärgert am meisten, dass wir unter unseren sportlichen Möglichkeiten stehen. Es ist doch klar, dass das den HSV in seinem Fundament erschüttert, wenn man zwei Punkte nach zehn Spielen hat. Das kann ich nachvollziehen. Wir haben uns dann bewusst entschieden, mit der Mannschaft eine andere Linie zu wählen. Ich glaube, das hat gefruchtet. Wir sind auf einem besseren Weg."

…den mangelnden Rückhalt durch den Aufsichtsrat: "Es gab bestimmt die ein oder andere Stelle, wo man sich das hätte erwarten können. Das ist nicht der Fall. Ich habe aber auch immer eingeräumt, dass es schwierig ist bei einem so bedeutsamen Klub wie dem Hamburger SV mit der sportlichen Performance, wie sie teilweise war, Ruhe zu bewahren. Das leuchtet mir ein und das mache ich keinem zum Vorwurf. Natürlich hätte es mir gefallen, wenn man gesagt hätte: 'Komm, wir ziehen das jetzt durch bis zum Winter, dann gucken wir drauf, ihr seid auf einem guten Weg.' Das ist nicht passiert. Aber das interessiert mich jetzt auch nicht. Mich interessiert nur unsere Mannschaft, unser Coach und unser Umfeld. Das andere kann man dann gegebenenfalls hinterher besprechen."

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