Carlo Ancelotti setzt gegen Leipzig ein erstes Ausrufezeichen - findet SPORT1 Leiter News Digital Matthias Becker © SPORT1-Grafik: Paul Hänel / Getty Images

München - Bayerns Trainer trifft mit seinen Entscheidungen gegen Leipzig ins Schwarze. Mit dem Sieg im Spitzenspiel beweist Ancelotti seine Raffinesse. Kommentar.

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Bis zum Mittwochabend war nicht so ganz klar, wie das Zwischenzeugnis von Carlo Ancelotti ausfällt. Fünf Monate ist der Italiener beim FC Bayern jetzt im Amt. Und bei einigen Beobachtern wuchs doch schon die Skepsis, ob die Bayern mit dem umgänglichen Ancelotti wirklich bereit für den nächsten Angriff auf Europas Spitze sind.

Die gnadenlose Dominanz der Guardiola-Jahre haben die Münchner an den ersten 15 Bundesliga-Spieltagen vermissen lassen. Und Platz zwei in der Champions-League-Gruppe ist man an der Säbener Straße auch nicht gewohnt. Auch eine klare Spielidee Ancelottis war nur selten zu erkennen.

Seine Anhänger sagen: Er ist einer für die großen Spiele, keiner der sich Darmstadt bis aufs kleinste Detail zurechtlegt wie Guardiola. Der Beweis hat bisher noch gefehlt. In der Champions League verlor sein Team bei Atletico Madrid, in der Bundesliga den Klassiker bei Borussia Dortmund.

Im Duell mit Emporkömmling RB Leipzig hat Ancelotti jetzt bewiesen, dass er ein Trainer für die großen Spiele ist. Der Sieg gegen den Aufsteiger war ein Trainersieg.

Ancelotti lag mit all seinen Personalentscheidungen richtig. Douglas Costa, Xabi Alonso und Thiago, die beim Blick auf die Aufstellung für die meisten hochgezogenen Augenbrauen sorgten, waren zusammen mit Arturo Vidal die besten Bayern auf dem Feld.

Auf den Punkt riefen die Münchner ihre beste Leistung ab, entzogen sich mit geschickten Diagonalbällen und schnellem Flügelspiel dem Zugriff der Leipziger Pressingmaschine. Der müde Auftritt in Darmstadt am Sonntag - vergessen.

Kein Wunder, dass FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel genüsslich am Champagnerglas nippte. Seine Rechnung mit Ancelotti könnte aufgehen, diesen Beweis bekam er am Mittwochabend zum ersten Mal vorgeführt.

Ancelotti ist kein Missionar wie Guardiola, der nicht nur gewinnen, sondern auch noch Recht haben will dabei. Ancelotti will vor allem gewinnen.

Dafür setzt er sich sogar über Artikel 189 der Bayerischen Verfassung ("Müller spielt immer") hinweg. Dafür kippt er auch sein angeblich geliebtes 4-3-3 und setzt auf ein 4-2-3-1 mit dem überragenden Thiago als Zehner.

Es war Ancelottis erstes Ausrufezeichen in Deutschland. Die Bayern-Verantwortlichen können mit dem guten Gefühl in die Winterpause gehen, dass noch einige folgen könnten in der zweiten Saisonhälfte. Dann, wenn sich die großen Spiele häufen.

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