Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach verliert gegen den VfL Wolfsburg, für Trainer Andre Schubert stehen alle Zeichen auf Abschied. Ismael dagegen ist vorerst gerettet.

Andre Schubert marschierte flugs in die Kabine, ein gellendes Pfeifkonzert begleitete ihn auf seinen wohl letzten Metern als Trainer von Borussia Mönchengladbach.

Nach einem 1:2 (0:1) im Krisen-Gipfel gegen den VfL Wolfsburg sieht alles nach dem Rauswurf des seit Wochen angezählten Schubert bei den in Abstiegsnot geratenen Fohlen aus. Der ebenfalls umstrittene Wölfe-Coach Valerien Ismael sitzt dagegen vorerst weiter im Sattel: VfL-Aufsichtsrat Hans-Gerd Bode bestätigte schon vor der Partie, dass Wolfsburg mit Ismael ins neue Jahr geht.

In Gladbach ist die Lage anders, was auch Schubert bewusst ist.

"Das ist ein überragender Verein mit einer überragenden Führung. Wir sind ehrlich zueinander und setzen uns morgen zusammen", sagte der Trainer bei Sky.

Eberl vermeidet Bekenntnis

Daniel Caligiuri (3.) und Mario Gomez (57.) hatten zuvor in einer schwachen Begegnung für die Gäste getroffen, für Gladbach erzielte Thorgan Hazard (52.) den zwischenzeitlichen Ausgleich - zu wenig wohl für Schubert, auch wenn Sportdirektor Max Eberl noch Klartext vermied.  

"Ich weiß, dass eine Antwort gefordert wird. Aber ich werde jetzt nicht hier eine Entscheidung verkünden. Geben Sie uns eine Nacht", sagte Eberl: "Es gilt jetzt Klarheit zu schaffen und eine Entscheidung zu fällen. Das wird in Kürze passieren."

Viel tat Eberl nicht, um seinem Trainer noch einmal den Rücken zu stärken - die Spieler nahm er indes in Schutz: "Es war ernüchternd, es war schade, die Spieler haben sich bemüht."

Als möglicher Nachfolger geisterte zuletzt immer wieder der Name Dieter Hecking durch den Borussia-Park. Groß ist die Auswahl ohnehin nicht. Auch Arie van Lent wäre eine Option. Der Ex-Profi der Gladbacher führt derzeit mit der Regionalliga-Mannschaft der Fohlen die Tabelle an und könnte von der vierten in die erste Liga befördert werden - so wie einst Schubert.

Zumindest bei den Fans gilt der Niederländer als äußerst beliebt. 

Pfeifkonzert schon vor dem Anpfiff

Der zwar wirklich bemühten, aber dennoch insgesamt ganz schwachen Borussia droht nach nur einem Sieg aus elf Ligaspielen sogar der Absturz auf Rang 15, die punktgleichen Wolfsburger überwintern auf jeden Fall einen Platz vor Gladbach.

Schubert hörte schon Pfiffe, als sein Name vor Anpfiff bei der Aufstellung verlesen wurde. 

Neue Nahrung bekamen die Kritiker nach nur 135 Sekunden. Maximilian Arnold durfte von der linken Seite flanken, in der Mitte erzielte der von Oscar Wendt ungestörte Caligiuri aus acht Metern sein zweites Saisontor.

Zu den ersten Gratulanten gehörte der wechselwillige Weltmeister Julian Draxler in seinem wohl letzten Spiel für die Niedersachsen.

Julian Draxler zeigte sich in Gladbach in Spiellaune © SPORT1/iMFootball

Sommer bügelt Riesenbock aus

Schubert fieberte an der Seitenlinie mit, feuerte sein Team an, verzweifelte aber immer wieder an den schwach vorgetragenen Angriffen. Gladbach hatte mehr Ballbesitz und war durchaus bemüht, fand gegen die aufmerksame Abwehr der Gäste aber kein Durchkommen. Bei ihren schnellen Kontern war der VfL sogar die gefährlichere Mannschaft.

Wie groß die Verunsicherung bei der Borussia ist, zeigte sich in der 20. Minute. Torhüter Yann Sommer spielte den Ball völlig unbedrängt in die Füße von Draxler, der das Geschenk jedoch nicht annahm und am Schweizer Schlussmann scheiterte. Folge war erneut ein gellendes Pfeifkonzert.

Kurz nach der Pause schöpfte die Borussia noch einmal Hoffnung. Wolfsburg-Keeper Diego Benaglio ließ einen Schuss von Lars Stindl abprallen, Hazard staubte ab.

Gomez kontert Gladbachs Ausgleich

Die Freude währte jedoch nur fünf Minuten, nach einem Draxler-Pass umkurvte Gomez Schlussmann Sommer und schob zu seinem vierten Saisontor ein. 

Wendt (68.) und der eingewechselte Andre Hahn (76.) vergaben anschließend noch Chancen zum Ausgleich.

Ismael in Wolfsburg gestärkt

In beiden Lagern war vor dem Duell die Gerüchteküche hochgekocht:

Beim VfL führte David Wagner vom englischen Zweitligisten Huddersfield Town nach SPORT1-Informationen bereits Verhandlungen, wie er der BBC bestätigte, nach finalen Gesprächen am Dienstagvormittag entschied er sich aber, in Huddersfield zu bleiben.

Wolfsburgs Aufsichtsrat Hans-Gerd Bode bestritt Verhandlungen mit Wagner und stärkte VfL-Trainer am Dienstag bei Sky den Rücken: "Er macht heute seine letztes Spiel vor der Weihnachtspause und wird dann, ich glaube am 3. Januar, gemeinsam mit der Mannschaft wieder ins Training gehen und dann die Mannschaft auf die bevorstehenden Heimspiele vorbereiten, die wir Ende Januar haben."

Dass Wagner die Gespräche mit dem VfL allerdings selbst bestätigte, dürfte den aktuellen Coach Ismael nicht unbedingt durchatmen lassen. Der Franzose gab sich allerdings schon nach dem Spiel in Frankfurt kämpferisch: "Erst wenn es vorbei ist, ist es vorbei."

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