Dortmund - Borussia Dortmund baut seine Heimserie aus, kommt gegen Augsburg aber nicht über ein Remis hinaus. Der Rückstand auf die Spitze wächst, der Frust ist groß.

"Winterpause. Wir kommen wieder", twitterte Borussia Dortmund nach dem mäßigen Jahresabschluss.

Nachdem sich der Vizemeister nach einer leblosen ersten Hälfte mit einem 1:1 (0:1) gegen den FC Augsburg begnügen musste und das Jahr des Umbruchs mit einer weiteren Enttäuschung abgeschlossen worden war, richtete der BVB gleich den Blick auf 2017.

Mit der bisherigen Saison konnten die BVB-Profis, die sich nach der Partie bei ihren Fans für die Unterstützung bedankten, nicht zufrieden sein. Das galt auch für die Anhänger, die zum Teil den letzten Auftritt ihrer Lieblinge in diesem Jahr mit Pfiffen quittierten. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

"Ich glaube zu wissen, was nötig ist, um besser zu werden - und das ist eine ganze Menge. Da haben wir eine große Aufgabe vor uns", sagte BVB-Coach Thomas Tuchel bei Sky.

Dortmunds Heimserie hält

Gibt es am Mittwoch beim Gipfel zwischen Bayern München und RB Leipzig (ab 19.30 Uhr in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) einen Sieger, läge dieser zwölf Punkte vor der Borussia.

"Wir haben sehr gut begonnen und dann komplett den Faden verloren, wahnsinnig viele Fehler gemacht. Dadurch kam der erneute Rückstand, das ist in der Häufigkeit absoluter Wahnsinn", sagte Tuchel.

Dass der frühere BVB-Profi Dong-Won Ji (33.) das Augsburger Führungstor schoss, passte ins Bild. Ousmane Dembele (47.) rettete den Dortmundern vor 81.360 Zuschauern zumindest die imposante Heimserie von nun 29 Ligaspielen ohne Niederlage.

Der Augsburger Interimstrainer Manuel Baum empfahl sich seinem Klub mit dem vierten Punkt im zweiten Spiel für das Amt des Cheftrainers. 

"Riesenkompliment an unsere Mannschaft. Sie hat das super gemacht. Sicher haben wir auch in der ein oder anderen Situation großes Glück gehabt", sagte ein zufriedener FCA-Sportchef Stefan Reuter. Zur Trainerfrage wollte er sich bei Sky nicht konkret äußern: "Wir werden die Situation in Ruhe analysieren." (Tabelle der Bundesliga)

"Wir sind stolz, dass wir mit einem Punkt nach Hause fahren. Wir haben verhindert, dass Dortmund aufdreht", sagte Baum nach der Partie. "Ich bin sehr, sehr zufrieden mit der ersten Halbzeit. Dann begann der Kopf die Füße zu lähmen. Einsatz und Laufbereitschaft waren überragend."

Merino überraschend in der Startelf

Dortmunds Nationalspieler Julian Weigl, der vor dem Anpfiff seinen Vertrag bis 2021 verlängert hatte, sagte: "Wir haben heute den Gegner zu oft eingeladen."

BVB-Trainer Tuchel entschied sich zum Jahresausklang noch einmal für eine Mini-Rotation. Der Spanier Mikel Merino ersetzte Sven Bender in der Innenverteidigung, Shinji Kagawa spielte für den gesperrten und schmerzlichst vermissten Marco Reus hinter Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang.   

Die Statistik zum Spiel © SPORT1/iMFootball

Die bestens geordneten Augsburger versuchten es mit einer klassischen Auswärtstaktik: einem konterbasierten Spiel mit einer Vierer- bis Fünferkette in der Abwehr und dem agilen Ji als einsamer Spitze. Der BVB fand in einer Anfangsphase voller Chaos und Ballverluste trotzdem seine Wege zum Tor - nach acht Minuten traf Mario Götze den Pfosten.  

Patzer ermöglicht FCA Führungstor

Insgesamt war allerdings selbst in der besseren zweiten Halbzeit zu wenig Bewegung im Dortmunder 4-1-4-1-System. Schon die Außenverteidiger hatten Mühe, Anspielstationen zu finden, Augsburg stellte das Mittelfeld geschickt zu.

Es dauerte lange, bis Kagawa noch einmal Marwin Hitz im Tor der Gäste beschäftigte (30.). (TICKER in der Nachlese)

"Die Messlatte ist extrem hoch. Das ist deutlich hinter dem, was möglich gewesen wäre in den letzten drei oder vier Wochen", sagte ein enttäuschter Tuchel.

Dem FCA gelang es zudem immer wieder, den Aufbau mit Pressingphasen erheblich zu stören. Ji traf nach einem kollektiven Aussetzer der BVB-Defensive, auch im siebten Pflichtspiel in Serie geriet die Borussia in Rückstand. Zuvor hatte Innenverteidiger Martin Hinteregger mit einem Alleingang fünf Dortmunder auf sich gezogen.

Schürrle verpasst Siegtor

Tuchel schien aber die richtigen Worte gefunden zu haben, der BVB kam aggressiver aus der Kabine und glich durch den guten Dembele umgehend aus.

Kurz darauf meldete sich auch Aubameyang mit einem Seitfallzieher im Spiel an (50.), und Kagawa (58.) traf allein vor Hitz den Ball nicht richtig. 

Nach 53 Minuten wurde dem BVB ein möglicher Elfmeter verweigert, als Paul Verhaegh Kagawa im Strafraum am Knie traf. Tuchel nahm die Aktion mit Galgenhumor: "Den kannst du schon pfeifen, das ist ein Elfmeter. Das passt perfekt zur Hinrunde."

Augsburg ließ sich fortan zu weit zurückdrängen, eigene Entlastungsangriffe gab es kaum noch. Der BVB zeigte die lange vermisste Spielfreude - warum erst so spät, blieb rätselhaft. Der eingewechselte Weltmeister André Schürrle verpasste kurz vor Schluss aber noch den möglichen Siegtreffer.

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