Darmstadt - Der FC Bayern München quält sich mit einem mühevollen Arbeitssieg in Darmstadt zurück an die Spitze. Douglas Costa sorgt sehenswert für die Entscheidung.

Ein Geniestreich von Douglas Costa hat einem lustlosen FC Bayern München drei Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen RB Leipzig die Tabellenführung gerettet.

Als seine Mitspieler beim wackeren Schlusslicht SV Darmstadt 98 siebzig Minuten lang ohne Ideen angerannt waren, schnappte sich der Brasilianer 25 Meter vor dem Tor den Ball und schoss ihn krachend zum 1:0 (0:0)-Endstand in den Winkel. Der Schuss ins Glück kaschierte eine erstaunlich schwache Leistung.

Costa
Douglas Costa war gegen Darmstadt der Matchwinner für die Bayern © SPORT1/iM-Football

"Das war - mit Verlaub - ein traum-schönes Scheißtor", sagte Darmstadts Interimstrainer Ramon Berndroth bei Sky und gestand anerkennend: "Es sieht nach Glücksschuss aus, aber es ist schon Können."

Neuer: "Nicht der FC Bayern"

"Wir sind erleichtert, das waren ganz wichtige drei Punkte, ohne die es gegen Leipzig schwer geworden wäre", sagte Nationaltorhüter Manuel Neuer. "Aber wie wir aufgetreten sind - das war nicht der FC Bayern."

Am Mittwoch (20 Uhr) reicht den Bayern am 16. Spieltag ein Unentschieden gegen die Leipziger Emporkömmlinge, um gemäß ihrem Selbstverständnis Weihnachten an der Spitze zu feiern - wie immer in den vergangenen fünf Jahren. "Gerade weil Leipzig einen Lauf hat, wird das ein Duell auf Augenhöhe", sagte Neuer. (Die Tabelle der Bundesliga)

Die um jeden Zentimeter kämpfenden Lilien schienen am vierten Advent an einer wundersamen Weihnachtsgeschichte zu schreiben. Im zweiten Spiel unter ihrem Interimstrainer Ramon Berndroth zeigten sich die Südhessen gegen fahrige Münchner deutlich kompakter, doch schließlich gingen sie zum siebten Mal in Serie als Verlierer vom Platz. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Lahm fällt kurzfristig aus

Ohne den für das RB-Spiel geschonten Arjen Robben, den verletzten Jerome Boateng (Schulter-OP) und den kurzfristig ausgefallenen Philipp Lahm (Oberschenkelprobleme) brauchte der Rekordmeister ungewohnt lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. In der Anfangsphase leisteten sich die Gäste mehrere Abspielfehler, dank derer die Lilien zumindest in die Nähe des Tores von Manuel Neuer kamen.

In der Offensive fiel dem Branchenführer in der ersten Halbzeit nicht viel ein. Robbens Vertreter Costa über links und Weltmeister Thomas Müller, der den bis zur 69. Minute auf der Bank sitzenden Franck Ribery auf der rechten Seite ersetzte, strahlten zu wenig Gefahr über die Außenpositionen aus. In der Mitte stellten die Gastgeber Robert Lewandowski meist drei kopfballstarke Verteidiger entgegen.

Knifflige Situation im Lilien-Strafraum

Pech hatte der Rekordmeister in der 40. Minute, als Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) nach einem Zweikampf zwischen Mario Vrancic und Mats Hummels im Lilien-Strafraum auf Elfmeter hätte entscheiden können. Die Pfeife des Unparteiischen blieb stumm. Kurz darauf feierte der Großteil der 17.400 Zuschauer im ausverkauften Stadion am Böllenfalltor das 0:0 zur Pause.

Das war für die tapfer kämpfenden Lilien, bei denen Holger Stanislawski ein Kandidat für den Trainerposten sein soll, nicht unverdient. Die Abstiegskandidaten warfen sich in jeden Ball und machten den technisch hoch überlegenen Gästen das Leben schwer. Berndroth hatte die bisher älteste Darmstädter Bundesliga-Startelf (im Schnitt 29 Jahre und 204 Tage) ins Spiel geschickt.

Niemeyer vergibt Großchance

Die Bayern hatten auch nach der Pause Mühe mit dem aggressiven Spielstil des Gegners. Müller zwang Lilien-Torwart Michael Esser in der 52. Minute zu einer Parade. Auf der Gegenseite setzte Jerome Gondorf einen Freistoß knapp am Bayern-Tor vorbei (58.).

Wenige Minuten nach dem sehenswerten Führungstreffer von Costa (71.) vergaben die Darmstädter eine Doppelchance auf den Ausgleich: Erst scheiterte Gondorf per Freistoß an Neuer, den Abpraller köpfte Peter Niemeyer dem Bayern-Keeper genau in die Arme (77.).

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