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Schiedsrichter Felix Zwayer (r.) © Getty Images

Der deutsche Referee Felix Zwayer profitiert vom Einsatz des Video-Schiedsrichters. Das System erhält viel Lob. Ex-FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann sieht die neue Regelung mit Skepsis.

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Pfeifen Unparteiische künftig vermehrt auf Anweisung?

Wenn sich der Einsatz des Video-Schiedsrichters weiter so bewehrt wie bei seiner Feuertaufe im Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Spanien (0:2), dann könnte das schon sehr bald ein reales Szenario sein.

Der große Nutznießer dieser technischen Neuerung war am Dienstagabend FIFA-Referee Felix Zwayer. Der Berliner wurde in zwei Szenen von seinem Kollegen Tobias Stieler überstimmt. Der Mann am Bildschirm verhinderte somit womöglich spielentscheidende Fehlentscheidungen.

SPORT1 hinterfragt, ob das Projekt für die Zukunft taugt. 

Das sagen die Beteiligten

Referee Zwayer zählt zu den Befürwortern des Video-Schiedsrichters. Schon im Volkswagen Doppelpass am Sonntag hatte er für das Modell geworben: "Ich denke, es wird uns sehr weiterhelfen. Der Druck wächst stetig. Das Tempo wird immer höher, die Spieler werden stärker, es gibt wenige Pausen im Spiel. Wir müssen sehr knifflige Situationen entscheiden."

So wie bei seinem Auftritt auf internationaler Bühne. Frankreichs Antoine Griezmann erzielte in der 48. Minute ein Kopfballtor. Zwayer gab den Treffer zunächst, obwohl der Schütze im Abseits stand. Video-Assistent Stieler legte per Funk Einspruch ein. Ebenso wie wenig später, als der Linienrichter beim Treffer des Spaniers Gerard Deulofeu fälschlicherweise Abseits anzeigte. 

Zwei Einsätze, zwei korrekte Entscheidungen - ein gutes Arbeitszeugnis für Video-Schiedsrichter Stieler.

Chef Zwayer bilanzierte nach Abpfiff: "Wir sind dank des Videobeweises in allen Fällen zur richtigen Bewertung der jeweiligen Szene gelangt. Die Zusammenarbeit mit dem Video-Assistenten hat präzise, schnell und sehr professionell funktioniert." 

Wie lange dauerte die Intervention?

Kritiker des Video-Schiedsrichters bemängeln häufig, dass sich die Entscheidungsfindung zu lange hinziehen könnte und der Spielfluss so zerstört würde. "Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun", wetterte etwa Moderator Waldemar Hartmann am Wochenende im Volkswagen Doppelpass

Unter Zwayers Leitung war das mitnichten so. 

Die Überprüfung von Griezmanns vermeintlichem Führungstor nahm lediglich 25 Sekunden in Anspruch. "Als ich den Spielern auf dem Rasen signalisierte, dass ich mit dem Video-Assistenten kommuniziere, sind sie souverän und respektvoll mit der Situation umgegangen", sagte der Referee. 

Die Reaktion der Medien

In Spanien feierten die Medien die technische Neuerung. Die Marca titelte "Der Videobeweis hat den Besseren geholfen" und AS befand: "Spanien mag den Videobeweis."

Schiri-Experte bleibt skeptisch

Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann ist in dieser Angelegenheit weitaus zurückhaltender.

"Das ist alles offline und nicht online. Es sitzt keiner am Fernsehschirm und sagt: 'Jetzt musst du Elfmeter pfeifen'. Die greifen nur ein, wenn das Spiel unterbrochen wurde", monierte der 63-Jährige bei SPORT1. "Eine Elfmeter-Situation wird nicht bewertet, sondern nur, wenn auf Abseits entschieden wurde oder auf Strafstoß - dann kann es zurückgenommen werden."

Heynemann sieht die Gefahr, dass Video-Assistenten womöglich vorsichtiger agieren könnten, weil sie als Hauptschiedsrichter auf dem Feld in eine ähnlich verfängliche Situation geraten könnten, in der sie auf Hilfe angewiesen sind. 

"Da sitzen jetzt Schiedsrichter, die nächste Woche auch auf dem Feld stehen und wissen, dass die eigenen Leute eine Korrektur oder eine Kritik vornehmen", sagte Heynemann bei SPORT1. "Wenn, dann sollten diese Leute ganz neutral sein und nicht aktiv pfeifen."

Künftig keine Fehlentscheidungen mehr?

Ein Allheilmittel gegen Fehlentscheidungen ist der Video-Schiedsrichter gewiss nicht. Das sieht auch Felix Zwayer so. 

"Keine Fehlentscheidungen - das wird es nicht geben. Es wird ja auch nicht jede Entscheidung - Einwurf, Freistoß oder Ecke - überprüft", sagte er im Volkswagen Doppelpass

Vielmehr gehe darum, "krasse Fehlentscheidungen zu vermeiden. Es wird auch weiterhin Elfmeter geben, wo der eine sagt, das ist zu wenig, und der andere gibt den Elfmeter."

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