Timo Heinze schoss das erste Tor der deutschen Futsal-Länderspielgeschichte © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images

München - Bei SPORT1 spricht Deutschlands Futsal-Kapitän Timo Heinze über seine Anfänge im Futsal, die Chancen in der EM-Quali und Mats Hummels' Künste in der Halle.

von Daniel Wolf

Timo Heinze spielte einst professionell Fußball für den FC Bayern und Unterhaching und bestritt immerhin 36 Spiele für die beiden Vereine in der Dritten Liga, bevor er 2012 bei Fortuna Köln seine aktive Karriere beendete.

Mittlerweile ist der 30 Jahre alte Verteidiger zum Futsal gewechselt und führt die neu gegründete deutsche Nationalmannschaft bei ihren allerersten Pflichtspielen in der EM-Vorqualifikation in Lettland als Kapitän an - SPORT1 überträgt alle Begegnungen der deutschen Mannschaft im Baltikum ab dem 26. Januar LIVE.

Im Interview mit SPORT1 spricht Heinze über seine Anfänge im Futsal, die Chancen beim Turnier in Lettland und über Mats Hummels' Künste in der Halle.

SPORT1: Herr Heinze, im ersten Länderspiel der deutschen Futsal-Geschichte gegen England vor ein paar Wochen haben Sie gleich das erste Tor erzielt. Wie erinnern Sie sich an diese Szene?

Timo Heinze: Es war wirklich ein unbeschreibliches Gefühl. Das Tor war eine intuitive Geschichte. Ich hatte so ein Gefühl, einfach an den zweiten Pfosten zu laufen, was im Futsal so ein wenig ein Klassiker ist. Ich habe spekuliert, dass Stefan (Mitspieler Stefan Winkel, Anm. d. Red.) den Ball dort hinbringt und das hat er auch geschafft. Ich habe ihn dann mit dem Schienbein mehr schlecht als recht rein gedrückt.

SPORT1: Sie waren früher bei der zweiten Mannschaft von Bayern München und in Unterhaching immerhin Drittliga-Spieler. Wie sind Sie danach überhaupt zum Futsal gekommen?

Heinze: Durch Kommilitonen an der Sporthochschule Köln, wo ich damals studiert habe. Im ersten Semester haben mich ein paar Jungs gefragt, ob ich kicken kann und zu so einem Futsal-Uni-Turnier mitkommen will. Die kannten meine Geschichte damals noch nicht, also habe ich gesagt: "Ich denke, ich kann schon einigermaßen kicken." (lacht)

SPORT1: Was hat für Sie den Reiz ausgemacht, diesem Sport erhalten zu bleiben?

Heinze: Es gibt immer Action, permanent ist etwas los und das Spiel kann jederzeit komplett kippen. Ich weiß nicht, wie viele meiner Spiele schon in der letzten Minute entschieden wurden. Du bist daher in jeder Aktion auf dem Platz unter Strom. Das ist draußen auf dem Rasen nicht unbedingt der Fall.

SPORT1: Wie kann man sich als Laie denn die Taktik im Futsal vorstellen? Die Technik spielt ja doch eine vorherrschende Rolle...

Heinze: Das Spiel ist viel taktischer als man denkt, nicht nur ein Gezocke oder ein wenig Herumgetrickse. Sie müssen sich vorstellen, wenn man Vier gegen Vier (Feldspieler, Anm. d. Red.) auf dem kleinen Platz spielt und der Gegner hinten zu macht, geht erst mal gar nichts. Du musst also versuchen, die Gegenspieler zu verwirren. Es bringt dir im Futsal oft nichts, den Ball erst anzunehmen und dann zu schauen, wen du anspielen kannst.

SPORT1: Bei den ersten Länderspielen gegen England war die Halle ausverkauft, SPORT1 hat die Spiele live im Fernsehen übertragen. Wo kann es mit dem Futsal hingehen?

Heinze: In Deutschland kann durchaus ein kleiner Futsal-Hype entstehen. Das Spiel ist ein Spektakel, es geht immer hoch und runter - das unterhält die Zuschauer. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die Übertragungen aus Hamburg (gegen England, Anm. d. Red.) ein erster medialer Meilenstein für den Futsal waren. Dass SPORT1 jetzt auch die EM-Vorqualifikation überträgt, ist für unseren Sport natürlich eine Riesen-Sache.

SPORT1: Zudem gab es viel öffentliches Lob, unter anderem von Ihrem Freund und früheren Teamkollegen Mats Hummels...

Heinze: Das ist bei uns natürlich alles gerne gesehen. Leute wie Mats oder auch Horst Hrubesch, der gegen England vor Ort war, haben eine gute Signalwirkung. Wir sehen uns ja auch nicht als Konkurrenz des Fußballs, wie das manchmal gerne dargestellt wird. Wir können uns eher ein wenig gegenseitig befruchten. Als ehemaliger Fußballer kann ich sagen, dass auch ein Fußballer vom Futsal profitieren kann, gerade, was das Spiel auf engem Raum betrifft.

SPORT1: Könnte denn ein Mats Hummels, so wie er jetzt am Ball unterwegs ist, bei Ihnen in der Mannschaft mitspielen?

Heinze: Das ist ja mal eine Fangfrage. (lacht) Ehrlich gesagt habe ich ihn noch nie Futsal spielen sehen, aber er hat ein wahnsinnig gutes Ballgefühl und ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich schnell an den Futsal gewöhnen würde.

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In seiner Fußballer-Laufbahn spielte Heinze unter anderem für die zweite Mannschaft des FC Bayern © Getty Images

SPORT1: Nach den zwei Testspielen wird es für Deutschland und für Sie jetzt ernst. Die EM-Vorqualifikation in Lettland steht an, SPORT1 ist wieder live mit dabei. Die Gegner heißen Lettland, Estland und Armenien. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Heinze: Das ist echt schwierig einzuschätzen, da wir unsere Gegner nicht im Detail kennen. Unser Trainerteam hat Lettland jetzt einmal beobachtet, meinem Wissen nach ist das der schwerste Gegner. Aber im Osten Europas hat der Futsal noch mal eine ganz andere Tradition als bei uns. Man kann also nicht direkt sagen, dass wir Favorit sind, aber wir rechnen uns schon etwas aus. Leider kommt ja nur der Erste weiter. (in die EM-Qualifikation, Anm. d. Red.)

SPORT1: Wie soll es nach dem Turnier mit dem Projekt Futsal weiter gehen?

Heinze: Es gibt schon relativ klare Zeichen des DFB, wo es hingehen soll. Im neuen Leistungszentrum in Frankfurt, das der DFB plant, soll auch eine Futsal-Halle gebaut werden. Außerdem müssen jetzt alle vom DFB organisierten Turniere in der Halle nach Futsal-Regeln gespielt werden, das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

SPORT1: Und wie geht es mit Ihnen persönlich weiter? Mit 30 Jahren gehören Sie ja auch nicht mehr zu den Jungspunden im Team...

Heinze: Noch macht es mir viel zu viel Spaß und ich glaube, dass ich auch das Niveau habe, um noch eine Weile mitspielen zu können. Klar ist aber: Mit 40 werde ich sicher nicht mehr auf der Platte stehen. Nach der Karriere werde ich dem Futsal aber bestimmt in irgendeiner Form verbunden bleiben.

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