Berti Vogts
Berti Vogts blieb Borussia Mönchengladbach immer treu © Getty Images

Berti Vogts, der nur für Gladbach spielte und 1974 Weltmeister wurde, stand stets in Franz Beckenbauers Schatten - auch als Trainer. Am Freitag feiert er seinen 70. Geburtstag.

Berti Vogts und Franz Beckenbauer begannen ihre Bundesliga-Karrieren 1965.

Sie wurden Welt- und Europameister und führten die Fußball-Nationalmannschaft als Bundestrainer zu Titeln. Doch ihr Leben könnte unterschiedlicher kaum sein. Beckenbauer wurde zum Kaiser, Vogts blieb der Terrier und Borussia Mönchengladbach immer treu.

Vogts feiert alleine

Am Freitag wird Hans-Hubert Vogts 70. Eine große Feier wird es nicht geben - im Gegenteil. Er feiere alleine, sagte Vogts dem SID: "Mit einem guten Glas Rotwein. Saint Estephe oder Saint Julien, mal sehen."

Vogts ist trotz seiner glanzvollen Karriere immer er selbst geblieben. Als knallharter Rechtsverteidiger machte er sich einen Namen. Während Beckenbauer zum Weltenbummler wurde und zu Cosmos New York wechselte, trug Vogts während seiner Zeit als Profi trotz verlockender Angebote aus dem Ausland immer die Raute auf der Brust und im Herzen.

"Ich bin durch den Profifußball zu Wohlstand gekommen", sagt Vogts. Auch wenn die Summen in der heutigen Zeit nahezu lächerlich wirken. 250 Mark Gehaltserhöhung pro Monat gab es nach seinem ersten Länderspiel, 500 Mark nach dem zehnten.

Der langjährige Gladbacher Manager Helmut Grashoff habe als "Sachverwalter des Profifußballs" das getan, "was in Gladbach möglich war". Vogts hat das gereicht. 419 Bundesligaspiele (32 Tore) bestritt er - Vereinsrekord. Die Titelsammlung ist beeindruckend: Fünf Meisterschaften, DFB-Pokalsieger, zwei UEFA-Cup-Triumphe. Nur eines hat Vogts nicht erreicht. "Dass ich mit Borussia nie in München gewinnen konnte, wurmt mich heute noch", sagte Vogts.

Vogts warf Schiri Ball an den Kopf

Er war immer ein Kämpfer und blieb dabei fair. In 14 Profijahren als Verteidiger sah Vogts lediglich 14 Gelbe Karten und flog in einem Pflichtspiel nie vom Platz. Lediglich bei einem Freundschaftsspiel in Südamerika sah er die Rote Karte, als er dem Schiedsrichter den Ball an den Kopf warf. 

Vogts war aber auch ein Visionär. Nach dem Sieg im UEFA-Cup 1979 gegen Roter Stern Belgrad forderte er mitten in der Euphorie seine Mitspieler auf: "Schaut Euch diesen Pokal genau an, es wird der letzte Titel sein, den die Borussia für lange Zeit gewinnt." Er sollte richtig liegen. Bis zum Pokalsieg 1995 vergingen 16 Jahre.

Visionen hatte Vogts, der in 96 Länderspielen nur einen Treffer per Flugkopfball beim 8:0-Erfolg gegen Malta in der EM-Qualifikation erzielte, auch als DFB-Nachwuchstrainer. Vogts blieb aber auch nach seiner Karriere seiner bescheidenen Rolle treu. Ob im Trainerstab von DFB-Teamchef Beckenbauer oder später als Bundestrainer.

Schwieriges Verhältnis zu Journalisten

Mit den Medien hat sich Vogts, der in kleinem Kreis Humor entwickelt, lachen kann, Ironie offenbart, im Gegensatz zur Lichtgestalt Beckenbauer aber immer schwer getan. Der Fußball-Lehrer hat Journalisten grundsätzlich für oberflächlich gehalten, vergessend, dass das Metier das Produzieren von Nachrichten ist, nicht das Produzieren von doppelten Doppelpässen. So kam es zu mancher Grätsche, die beiden Seiten weh tat. Was wurde er veralbert, als er sich in Leverkusen auf die Tribüne setzte, um einen "besseren Überblick" zu haben.

Berti Vogts gewann mit dem DFB-Team 1996 den EM-Titel
Vogts' größter Erfolg als Trainer: Der Gewinn des EM-Titels 1996 mit dem DFB-Team © Getty Images

Beckenbauer erwies Vogts mit der Ankündigung nach dem WM-Titel 1990, dass die deutsche Mannschaft mit den DDR-Spielern auf Jahre unschlagbar sei, einen Bärendienst. "Franz ist direkt nach der Pressekonferenz zu mir gekommen und meinte, er habe gerade in der Euphorie über den Titelgewinn wohl etwas Dummes zu den Medien gesagt", erklärte Vogts.

Vogts führte Deutschland zum letzten EM-Titel

Trotz der bitteren Niederlage im EM-Finale 1992 gegen Außenseiter Dänemark hat sich Vogts durchgekämpft und führte Deutschland 1996 in England zum bisher letzten EM-Titel. Nach dem Aus im WM-Viertelfinale zwei Jahre später war aber Schluss. Kuwait, Schottland, Nigeria, Aserbaidschan, Klinsmann-Berater in den USA folgten als Stationen.

Auch mit fast 70 lässt Vogts der Fußball nicht los, in den Stadien der Bundesliga ist er regelmäßig Gast. Und auf eine Feier anlässlich seines Ehrentages wird er auch nicht ganz verzichten. "Ein Berti Vogts ist ja nicht allein auf der Welt. Und da, wo ich feiern will, ist von Weihnachten bis Dreikönige alles ausgebucht. Also werde ich erst Mitte Januar feiern", sagte Vogts.

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