München - Der VfL Bochum trennt sich überraschend von seinem Trainer Gertjan Verbeek. Sein Nachfolger steht schon in den Startlöchern - und kommt aus der 3. Liga.

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Knapp drei Wochen vor dem Saisonstart hat sich der VfL Bochum völlig überraschend von Trainer Gertjan Verbeek getrennt.

Wie der Niederländer SPORT1 am Dienstagfrüh berichtete, wurde er am Montagabend darüber informiert, dass der VfL nicht mehr mit ihm plane.

Der Verein bestätigte die Trennung noch am Vormittag.

"Der Zeitpunkt der Freistellung kommt für viele sicherlich überraschend. Die fachlichen Qualitäten von Gertjan Verbeek sind unbestritten. Dennoch sind wir nach intensiven Gesprächen in Aufsichtsrat und Vorstand zum Entschluss gekommen, dass wir fortan mit einem anderen Trainer versuchen werden, unsere Ziele zu erreichen. In der jetzigen Konstellation gab es zu große Differenzen bei unseren Vorstellungen darüber", wird VfL-Sportvorstand Christian Hochstätter auf der Vereinshomepage zitiert.

 

Verbeeks Nachfolger ist Ismail Atalan, der am Dienstagmittag auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.

"Ismail ist unverbraucht. Die Art, wie er mit Lotte gespielt hat, spricht für ihn", sagte Hochstätter über den 37-Jährigen, der zuletzt Drittligist Sportfreunde Lotte trainiert hatte.

Atalan musste nicht lange über das Angebot aus Bochum nachdenken: "Bochum hat seit Jahren seine Philosophie und seine Ziele, von daher gab es für mich keine großen Überlegungen. Ich liebe den aktiven Fußball, deshalb habe ich mich für Bochum entschieden."

Zwischenfall im Trainingslager

Grund für die Entscheidung gegen Verbeek waren Meinungsverschiedenheiten zwischen dem als eigenwillig geltenden Verbeek und Hochstätter. Was nun das Fass zum Überlaufen brachte, war ein Vorfall im Trainingslager im niederländischen Vaals. Darüber berichtet die WAZ.

Dort kam es zu einem Disput zwischen Verbeek und einem Journalisten. Der Coach entschied ohne Rücksprache mit den Verantwortlichen, dass sämtliche geplante Spielerinterviews sowie Besuche der Trainingseinheiten fortan verboten werden sollten. Dies galt für alle anwesenden Reporter.

Das hatte Verbeek im Alleingang entschieden. Ein Vorfall, der für die Klubführung zu viel des Guten war.

Hochstätter wollte sich am Dienstag zu den Hintergründen nicht äußern. "Spekuliert wird sowieso, egal was ich sage. Der Verein hat sich entschieden, ansonsten ist alles gesagt", meinte er.

Verbeek verschiebt Auftakttraining

Eine weiterer Grund für die Entlassung war nach SPORT1-Informationen die Entscheidung Verbeeks das erste Training nach der Sommerpause um eine Stunde nach vorne zu verlegen.

Es gab eine erste Mannschaftsbesprechung und danach bat Verbeek seine Spieler statt um zehn Uhr schon um neun Uhr auf den Rasen. Viele Fans erschienen später und waren wenig erfreut über die Entscheidung Verbeeks.

Der Niederländer wollte das aber nicht einsehen und meinte nur: "Die Fans werden noch häufiger die Möglichkeit bekommen die Trainingseinheiten zu sehen." Daraufhin geriet er mit Hochstätter heftig aneinander.

Im Mannschaftskreis war er auch immer weniger beliebt. Die Spieler wunderten sich über die Maßnahmen ihres Coaches.

Kontakt mit Atalan schon im Januar

Verbeeks Nachfolger Atalan hatte Lotte 2016 in in die 3. Liga geführt.

Im vergangenen Jahr warf Lotte auch die Bundesligisten Werder Bremen und Bayer Leverkusen und anschließend im Achtelfinale den damaligen Zweitligisten 1860 München aus dem DFB-Pokal, ehe im Viertelfinale das Aus gegen den späteren Pokalsieger Borussia Dortmund kam.

Eigentlich hätte Atalan in dieser Woche eine Hospitanz beim früheren Bayern-Trainer Pep Guardiola bei Manchester City absolvieren sollen: "Eigentlich war ich gedanklich schon auf dem Weg nach Manchester. Aber als sich der VfL gemeldet habe, habe ich die Reisepläne ganz schnell geändert", erzählte Atalan.

Kontakt mit Bochum gab es bereits im Januar, wie Hochstätter verriet: "Ich wollte ihn gerne mal kennenlernen – unabhängig davon, ob er einmal der Nachfolger von Verbeek sein kann. Mir war nach dem Gespräch klar, dass er ein Trainer für den VfL Bochum sein kann."

Nach dem endgültigen Zerwürfnis mit Verbeek erinnerte sich Hochstätter nun wieder an dieses Gespräch.

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