München - Nach dem Abstieg in die 3. Liga kämpft 1860 München um die Existenz. Investor Ismaik spricht Drohungen aus. Das Geld wird knapp. Droht den Löwen die Insolvenz?

Nach dem Abstieg aus Liga zwei steht 1860 München vor einem Scherbenhaufen.

Investor Hasan Ismaik setzt den Klub mit Schriftstücken unter Druck. Die Lizenz für die dritte Liga ist akut gefährdet. Beim bayerischen Fußball-Verband wird bereits offen über eine mögliche Insolvenz nachgedacht. Aber der Reihe nach. 

Forderung von Ismaik

Die Süddeutsche Zeitung zitierte am Mittwochabend aus einem Schriftverkehr zwischen Ismaik, den inzwischen zurückgetretenen Ian Ayre (Geschäftsführer und bislang verantwortlich für die KGaA) und Peter Cassalette (Präsident) sowie deren Anwälte. 

Darin soll der Jordanier den Klubverantwortlichen das Ende seines Investments angedroht haben. 

In einem Schreiben vom 24. Mai soll Ismaiks Anwalt Cassalette und Ayre im Namen seines Mandanten ausrichten haben lassen: "Wie ich bereits (...) ausgeführt habe (...), setzt jedes weitere Investment von HAM (Ismaiks Fußballfirma, d. Red.) die Verpflichtung des e. V. voraus, die zahlreichen Probleme zu lösen, die die KGaA und den Fußball verein bisher davon abgehalten haben, sich weiterzuentwickeln, insbesondere in der Zeit meines Investments."

Eine unverhohlene Forderung: Wenn ihr nicht spurt, dann eben ohne mich. 

Löwen brauchen Ismaiks Geld

Für den Hinterkopf: Für die Zweitliga-Lizenz hätten die Löwen 23,1 Millionen Millionen Euro aufbringen müssen. Nach dem Sturz in die Dritte Liga sind es immerhin noch knapp zwölf Millionen Euro, die der Klub bis Freitag vorzeigen muss.

Allein ist er dazu nicht in der Lage. Die neue Saison können die Sechziger nur mit frischem Geld Ismaiks stemmen - unabhängig von der Spielklasse.

Wie die SZ weiter schreibt, soll Ismaik seine Zahlungsbereitschaft an konkrete Bedingungen geknüpft haben - unter anderem an "die partielle Abschaffung des Weisungsrechts des e.V. an den KGaA-Geschäftsführer". Eine solche Handhabung ist in den Statuten der Deutschen Fußball Liga ausdrücklich untersagt. 

Dem Jordanier geht es allerdings um Macht und Einfluss. Wie prekär die Lage für den Verein ist, zeigt ein Bericht der Münchner Abendzeitung: Demzufolge sind die Spielergehälter für Mai nicht überwiesen worden. Üblicherweise geschieht das zwischen dem 26. und 28. eines Monats. Auch Ayre soll sein Salär nicht bekommen haben.

Vielleicht noch pikanter: Laut AZ sind die Konten der KgaA sogar leergeräumt. Auf Anfrage wollten sich die Löwen dazu bislang nicht äußern. 

Insolvenz und Absturz in Liga vier?

Nach dem sportlichen Absturz hängen die Münchner mehr denn je an Ismaiks Tropf. Doch was passiert, wenn der abspringt?

In einem weiteren Schreiben aus der vergangenen Woche ließ Ismaik die Sechziger wissen: "Bitte sehen Sie davon ab, weiter mit mir zu korrespondieren, sofern Sie nicht die vollständige und bedingungslose Bestätigung haben, dass sämtliche Bedingungen aus meinem Brief fristgemäß erfüllt werden."

Gelingt es den Löwen nicht, ihren Investor zu besänftigen, ist die Lizenz für die dritte Liga wohl futsch. Der Klub stünde vor der Insolvenz. 

Rechtsanwalt Christoph Schickhardt, Experte in Sport- und Wettbewerbsrecht, erklärte bei SPORT1: "Wenn sie die Lizenz für die dritte Liga nicht bekommen, gehen sie in ein weiteres Verfahren für die Regionalliga und die Oberliga."

Stürzen die Löwen also gleich in die vierte oder fünfte Liga ab? Beim bayerischen Fußball-Verband überdenkt man offenbar bereits diese Möglichkeit.

BFV-Präsident Rainer Koch erklärte in der Süddeutschen, die Lizenz für die dritte Liga sei "nicht zu erlangen, ohne dass es zu weiteren Zahlungen von Herrn Ismaik kommt".

Ismaik wütet auf Facebook

Koch versprach, "dass wir gegebenenfalls auch Platz für eine 19. Mannschaft in der Regionalliga Bayern hätten".

Und Ismaik selbst? Der äußerte sich am späten Mittwochnachmittag via Facebook zu Wort und lederte gegen den Klub.

"Der 30. Mai 2017, mit dem Abstieg aus der Zweiten Liga, geht als trauriges Kapitel in die glorreiche Geschichte des TSV 1860 ein. Wir wurden von Jahn Regensburg gedemütigt und an die Wand gespielt", schrieb der Investor.

"Alles, was gestern passiert ist - einschließlich der Rücktritte von Ian Ayre und Peter Cassalette, zeigt, dass in unserem Verein vieles im Argen liegt."

Bemerkenswert: Eine Mitschuld am Chaos des Traditionsvereins wies Ismaik jedoch von sich. "Dieser Verein ist momentan geprägt von skrupellosen Machtkämpfen und internen Querelen, die es nun zu beseitigen gilt. Nur dann hat der TSV 1860 wieder eine Zukunft."

Anschließend warf er der Vereinsführung vor, gegen das Wohl von 1860 München zu arbeiten. Er selbst habe die Bosse aufgefordert, "um die Misswirtschaft sowie den Mangel an Professionalität und Transparenz zu beseitigen". Die Reaktion? "Ich bin auf taube Ohren gestoßen."

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