Zweitliga-Experte Christian Beeck spricht in seiner Kolumne über die neue Situation bei Hannover 96

SPORT1-Experte Christian Beeck bezeichnet den Trainerwechsel bei Hannover 96 als Aktionismus, kann die Entscheidung aber auch nachvollziehen.

Hallo Zweitliga-Freunde,

was bei Hannover 96 gerade passiert, nennt man wohl Aktionismus. Wie es sich anhört ist der Aufstieg in die Bundesliga das ganz klare Saisonziel des Vereins. Und dieses Saisonziel hat man dem Trainer Daniel Stendel nicht mehr zugetraut.

Demzufolge wurde hier die Reißleine gezogen und Andre Breitenreiter das Amt übergeben. Das ist nachvollziehbar, wenn man es wirklich nur unter der Prämisse des Saisonziels "Aufstieg" sieht.

Die letzten Auftritte von Hannover waren nicht wirklich überzeugend und dominant. Zudem machte die Mannschaft nicht den Anschein bald bessere Leistungen abzuliefern.

Hier gilt auch der Vorwurf, dass sich die Niedersachsen unter Stendel nicht weiterentwickelt hat. Das Team ist unter den Erwartungen geblieben. Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, dazu noch den Kader, der zur Verfügung steht und dann noch die Art und Weise der Spiele dazu nimmt, ist klar: Die Pläne wurden mit Daniel Stendel nicht erfüllt.

Ich verstehe auch Ewald Lienen, der sich in Anbetracht des Punktestandes und der Situation von Hannover eher sarkastisch zum Rausschmiss äußert. Aber die Niedersachen haben eben etwas anderes erwartet. Aktuell ist der Wiederaufstieg in die Bundesliga extrem gefährdet.

Martin Kinds Entscheidung kann ich nachvollziehen, weil er eben etwas Anderes, Größeres gewollt hat.

Die Frage ist nur: Wenn man so viel von einem Trainer Stendel erwartet und es dann nicht bekommt, woran lag das? Hat Hannover 96 die Situation falsch eingeschätzt? Hat man Stendel falsch eingeschätzt? Hat Horst Heldt Stendel als Erster richtig eingeschätzt?

Und die größte Frage: Ist Breitenreiter der richtige Mann, um die Mannschaft auf einen Aufstiegsplatz zu führen?

Clever ist die Verpflichtung auf jeden Fall. Breitenreiter wurde geholt um Hannover wieder in die richtige Spur zu bringen und Taten folgen zu lassen. Zu seinem Einstand wartet mit Union Berlin gleich ein echter Kracher auf Breitenreiter, das passt natürlich.

Der Zeitpunkt des Rausschmisses ist gut gewählt und in seiner Art und Weise definitiv nachvollziehbar.

Horst Heldt hat Andre Breitenreiter 2015 auch zu den Königsblauen geholt. Und ich glaube er weiß, was Breitenreiter kann. Das ist das Gute und in meinen Augen auch das, was bei Daniel Stendel gefehlt hat.

Und so könnte 96 mit diesem Team am Saisonende tatsächlich den Aufstieg feiern. Es kommt nur darauf an, wie Breitenreiter die Mannschaft bespricht, wie er sie trainiert und wie er sie einstellt.

Dass das Team körperlich topfit ist, davon ist auszugehen. Die Chance ist für Hannover definitiv da. Gerade weil das Aufstiegsrennen der Zweiten Liga so eng ist. Warum sollte sich 96 also nicht durchsetzen?

Bis zum nächsten Mal,
Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck auch in dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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